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Politik Panne bei Widerspruch gegen Google Street View
Mehr Welt Politik Panne bei Widerspruch gegen Google Street View
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22:36 17.08.2010
Google räumt Betroffenen in den angekündigten 20 Städten in Deutschland, in denen Street View später in diesem Jahr starten soll, vier Wochen Zeit ein, um einen Widerspruch anzumelden. Quelle: dpa
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Seit Dienstag ist es möglich: Der lang erwartete Online-Widerspruch gegen Googles umstrittenen dreidimensionalen Bilderdienst Street View ist freigeschaltet. Bis zum Nachmittag gab es noch technische Probleme, am Abend jedoch funktionierte die neue Internetseite der Unternehmens auch mit älteren Browsern. Doch dürfte der Service skeptische Hausbesitzer in ihrer Furcht vor der Datensammelwut des US-Unternehmens nur bestätigen. Denn das Verfahren ist genauso paradox wie angekündigt: Wer sein Haus gegen die Veröffentlichung mit Adresse und Foto bei Googles 3-D-Bilderdienst schützen will, muss Google verraten, wie er heißt und wo er wohnt.

In monatelangen Verhandlungen hatten Datenschützer die Sperrfunktion ausgehandelt, um Hausbesitzern und -bewohnern die Möglichkeit zu geben, ihre Hausfassade wenigstens nur verschleiert im Internet auftauchen zu lassen. Beim ersten Blick auf das neue Portal zeigt sich, dass die Möglichkeit gegen die Veröffentlichung der Bilder des eigenen Hauses nur zu den Spielregeln von Google funktioniert. Der Grund: Das sogenannte Widerspruchsrecht ist eigentlich gar kein richtiges Recht, es ist ein freiwilliges Zugeständnis. Behörden sehen sich angesichts der Gesetzeslage machtlos. Google hat sich in den Verhandlungen wenig Mühe gegeben, den Bedenkenträgern weiter entgegenzukommen.

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Nur so ist wohl die Unstimmigkeit zu erklären, die fast zwangsläufig derjenige spürte, der sich am Dienstag unter www.google.de/streetview zu dem Unterpunkt „Unkenntlichkeit beantragen“ durchklickte. Dort belehrt das Unternehmen den Hausbesitzer oder Mieter zunächst freundlich, die Entscheidung, das Foto seines Hauses bei Street View nicht zu veröffentlichen, sei „sehr schade“. „Denn diese Funktion kann für Sie und andere von vielfachem Nutzen sein.“ Anschließend wird deutlich, dass es als Hausbesitzer unmöglich ist, Google nichts von sich preiszugeben. Um den Widerspruchsantrag korrekt zu stellen (und nicht korrekte Anträge werden laut Google nicht bearbeitet), muss man nun in einem Adressfeld Straße, Hausnummer, Postleitzahl und Ort angeben. Daraufhin sieht man eine Karte mit Satellitenbildern aus dem Google-Dienst Maps, eine Art Vorläufer von Street View. Eine Art Stecknadel steckt auf dem Dach des eigenen Hauses. Falls nicht, soll man nun den Pin auf das richtige Haus verschieben und zudem noch sein Haus beschreiben: die Anzahl der Stockwerke, die Farbe des Daches, die Beschaffenheit der Fassade und auch, ob es „sonstige dauerhafte Merkmale“ gebe, wie beispielsweise einen Baum vorm Fenster, wird abgefragt. Anders als die Adresse kann man diese Angaben verwehren.

Damit man bei Namen und Adresse auch nicht flunkert, muss man zu guter Letzt seine Postadresse angeben – weil Google zur Verifizierung der persönlichen Angaben zusätzlich zur E-Mail noch einen Brief per Post an den Hausbesitzer schickt, der doch eigentlich so gern anonym bleiben möchte. Erst wenn der einen darin enthaltenen Code auf einer Google-Seite eingibt, macht Google das Foto des entsprechenden Hauses unkenntlich. Das Ergebnis: Die Google-Großrechner wissen in Zukunft wohl genauer denn je, wie diejenigen heißen und wo diejenigen wohnen, die nichts mit Google zu tun haben wollen. Die Verfechter der Privatsphäre haben es ihnen selbst gesagt.

Dirk Schmaler

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