Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik „Pandora Papers“: Großbritannien und Australien kündigen Ermittlungen an
Mehr Welt Politik „Pandora Papers“: Großbritannien und Australien kündigen Ermittlungen an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:25 04.10.2021
Der britische Premierminister Boris Johnson (R) spricht mit Australens Premierminister Scott Morrison.
Der britische Premierminister Boris Johnson (R) spricht mit Australens Premierminister Scott Morrison. Quelle: Getty Images
Anzeige
London/Canberra

Nach der Veröffentlichung der „Pandora Papers“ wollen Australien und Großbritannien die Berichte über Steuertricks von Reichen und Mächtigen unter die Lupe nehmen. Der britische Finanzminister Rishi Sunak sagte dem Sender Sky News am Montag, dass die zuständige Steuerbehörde Untersuchungen einleiten werde.

In Großbritannien sorgte vor allem für Aufsehen, dass ein Großspender der Konservativen Partei von Premierminister Boris Johnson in einen Korruptionsfall um Telekommunikationsrechte in der Ex-Sowjetrepublik Usbekistan verwickelt sein soll. Sunak und Johnson betonten, alle Spender würden genau überprüft. Der Milliardär wies die Vorwürfe zurück. Die Labour-Politikerin Lisa Nandy kritisierte hingegen, die „Tentakeln des dunklen Geldes“ reichten bis in die Herzkammer der britischen Demokratie.

Australien: Steuerbehörde ermittelt

In Australien kündigte die Steuerbehörde (ATO) Ermittlungen an. „Die Botschaft ist klar für diejenigen, die versuchen, das System zu betrügen: Ihre Geheimnisse sind nicht mehr sicher, und Sie können damit rechnen, dass Ihr Handeln schwerwiegende Konsequenzen haben wird“, sagte ATO-Vize-Chef Will Day. „Jede noch so komplizierte Geldspur kann von uns entwirrt werden.“ Australischen Medien zufolge tauchen mehr als 400 Australier in den Dokumenten auf.

Die Behörde sei lokal und global bestens vernetzt, um die Finanzkriminalität zu bekämpfen, betonte Day. Die neuen Daten aus den „Pandora Papers“ würden mit den Daten verglichen, die die ATO bereits vorliegen habe, um mögliche Verbindungen zu identifizieren. „Wir haben einige der besten Wirtschaftsprüfer, Ermittler, Analysten und Datenwissenschaftler der Welt, die zusammenarbeiten, um das Gute vom Schlechten zu trennen und sicherzustellen, dass kein Stein auf dem anderen bleibt“, sagte Day.

Mehr zum Thema

Hessen will „Pandora Papers“ zentral auswerten

Bundesregierung: Pandora-Papers sind Ansporn für Kampf gegen Steuerbetrug

Geleakte Steuerdaten: Britischer Ex-Premier Tony Blair sparte 312.000 Pfund beim Immobilienkauf

Guardiola legalisierte Konto in Andorra

Derweil ist gesichert, dass der Coach des englischen Meisters Manchester City und früherer Bayern-Trainer Pep Guardiola 2012 eine spanische Steueramnestie genutzt hat, um ein geheimes Bankkonto in Andorra zu legalisieren. Das bestätigte der Steuerberater Guardiolas, Lluis Orobitg, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Dieses Konto wird auch in den am Vortag veröffentlichten brisanten „Pandora Papers“ erwähnt.

Die mehr als 11,9 Millionen Dokumente aus Datenlecks geben einen Einblick, wie Politiker aus fast 100 Ländern und andere bekannte Persönlichkeiten nach Angaben eines internationalen Konsortiums investigativer Journalisten Vermögen „mithilfe von intransparenten Trusts, Stiftungen und Briefkastenfirmen“ angelegt haben, berichteten die „Süddeutsche Zeitung“ sowie der NDR und der WDR.

Guardiola habe auf dem Konto in Andorra ein Guthaben von fast einer halben Million Euro gehabt, als er von der Steueramnestie 2012 Gebrauch machte, berichtete die spanische Zeitung „El País“, eine der Medien, die die Pandora-Papiere auswertete. Guardiolas Name tauche in Dokumenten aus der Anwaltssozietät Alemán, Cordero, Galindo & Lee in Panama als Bevollmächtigter des 2007 gegründeten Unternehmens Repox in Panama auf, schrieb die Zeitung weiter. Orobitg betonte, Repox habe nur dazu gedient, die Identität des tatsächlichen Inhabers des Kontos in Andorra, eben Guardiola, geheim zu halten.

Eine Briefkastenfirma ist per se nicht illegal. Entscheidend ist, mit welchem Antrieb Geld in Steueroasen geparkt wird. Wer dem heimischen Finanzamt damit Vermögen verschweigt, oder Geld aus kriminellen Geschäften wäscht, macht sich strafbar.

Mehr zum Thema

„Okay, bye“: So reagiert Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babis auf Vorwürfe aus den Pandora-Papers

Pandora-Papers – Die wichtigsten Fakten zu den Daten aus Steueroasen

„Pandora Papers“: Geleakte Papiere enthüllen Geschäfte mit Briefkastenfirmen – Datensatz mit Namen von Hunderten Politikern

Einkünfte aus Zeit als Spieler in Katar

Orobitg betonte in einer Email an dpa weiter, auf das Konto in Andorra seien nur Guardiolas Einkünfte als Spieler des katarischen Clubs Al-Ahli geflossen, wo Guardiola von 2003 bis 2005 unter Vertrag stand. Nach Angaben von „El País“ begründete Orobitg die Eröffnung des Kontos damit, dass Guardiola keine Meldebescheinigung für Katar habe bekommen können. Deshalb habe das Risiko bestanden, dass der spanische Fiskus ihm Steuerprivilegien als im Ausland lebender Bürger verweigert hätte.

2012 habe Guardiola dann im Zuge der Steueramnestie das Bankkonto dem spanischen Fiskus gemeldet, eine Nachzahlung geleistet und die Gesellschaft in Panama aufgelöst, betonte Orobitg. Dies sei eine Bedingung der Amnestie gewesen. Guardiola habe derzeit weder in Spanien noch in Deutschland oder Großbritannien offene Steuerfragen.

RND/dpa

Der Artikel "„Pandora Papers“: Großbritannien und Australien kündigen Ermittlungen an" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.