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Politik Pakistans Armee rückt in Großoffensive weiter ins Swat-Tal vor
Mehr Welt Politik Pakistans Armee rückt in Großoffensive weiter ins Swat-Tal vor
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22:02 08.05.2009
Pakistanische Soldaten werden in das Swat Tal verlegt. Quelle: Tariq Mahmood/afp
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Eine von der Armee verhängte Ausgangssperre drohte Zivilisten die Flucht aus den Gebieten an der Grenze zu Afghanistan zu erschweren.

Pakistans Regierungschef Yousaf Raza Gillani kündigte die Verschärfung der Offensive am späten Donnerstagabend in einer Rede an die Nation an. „Wir haben die bewaffneten Truppen angewiesen, die islamistischen Kämpfer und Terroristen auszulöschen.“ Ziel sei die Wiederherstellung der „Ehre und Würde unseres Heimatlands“. Die Staatsspitze setzte damit de facto ein im Februar mit den Extremisten der Region getroffenes Abkommen außer Kraft. Im Gegenzug zu einem Waffenstillstand war im Swat-Tal und sechs weiteren Bezirken das islamische Scharia-Recht eingeführt worden.

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Die Armee rückte nach Angaben eines örtlichen Militärsprechers am Freitag weiter Richtung Norden in das Swat-Tal vor. Er machte keine Angaben über die Zahl der in die Region geschickten Soldaten. Nach Angaben der pakistanischen Militärpresse sind etwa 100.000 Soldaten in den unruhigen Grenzregionen zu Afghanistan stationiert. Entlang der Vormarschroute waren laut Anwohnern die Telefonleitungen unterbrochen, auch Mobiltelefone funktionierten nicht. Die pakistanische Luftwaffe beschoss nach Armeeangaben auch erneut mutmaßliche Taliban-Stellungen in den Orten Matta, Kabal und Khawazakhela.

Bei den Kämpfen seien seit Donnerstagmittag mehr als 140 Aufständische getötet worden, sagte Generalmajor Athar Abbas in Islamabad. Die Armee befinde sich in einer „großangelegten Operation zur Eliminierung von Bösewichtern“. Die Aufständischen seien auf der Flucht, gleichzeitig versuchten sie Zivilisten am Verlassen der Region zu hindern.

Eine von der Armee verhängte Ausgangssperre vom Bezirk Malakand bis ins Swat-Tal dürfte die Möglichkeiten für Zivilisten weiter einschränken, aus dem Kampfgebiet zu fliehen. Bislang verließen nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mehr als 150.000 Menschen die Region. Augenzeugen beschuldigten die Taliban und die Armee, bei ihren Angriffen auch wahllos Zivilisten zu töten.

Angesichts der schweren Kämpfe gab das Auswärtige Amt in Berlin 600.000 Euro Hilfen frei. Durch diese zusätzlichen Mittel sollen Vertriebene, die nicht in Flüchtlingslagern unterkommen, mit Hygiene- und Bedarfsartikeln versorgt werden, wie das Ministerium mitteilte. Das Auswärtige Amt hat damit 2009 insgesamt 1,6 Millionen Euro für humanitäre Hilfe in Pakistan zur Verfügung gestellt.

afp