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Politik Pakistan verstärkt Druck auf Taliban
Mehr Welt Politik Pakistan verstärkt Druck auf Taliban
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17:46 18.02.2010
Der Taliban-Kommandant Abdullah wird ins Gericht in Karachi in Pakistan geführt. Quelle: ap
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Nach den Festnahmen der ranghohen Funktionäre in Pakistan gingen den Sicherheitskräften in der Nacht zum Donnerstag außerdem mehrere mutmaßliche Führungsmitglieder von Al Kaida ins Netz.

Bei den zwei festgenommenen Taliban-Funktionären handelt es sich um die „Schatten-Gouverneure“ der afghanischen Provinzen Kundus und Baghlan, Mullah Abdul Salam und Mullah Mohammed, wie der offizielle Gouverneur von Kundus, Mohammed Omar, am Donnerstag mitteilte. Die beiden seien bereits vor zehn bis zwölf Tagen in Pakistan gefangen genommen worden - ebenso wie Taliban-Militärchef Mullah Abdul Ghali Baradar.

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Mullah Salam wurde laut pakistanischen Geheimdienstkreisen in Faisalabad gefasst. „Spiegel-Online“ zufolge gilt der „Schatten-Gouverneur“ von Kundus als einer der gefährlichsten Feinde der Bundeswehr in Nordafghanistan. Er werde für mehrere Angriffe auf deutsche Soldaten in Afghanistan verantwortlich gemacht und stehe ganz oben auf den Fahndungslisten der internationalen Schutztruppe ISAF.

Für die Aufständischen in Kundus sei Salam eine „spirituelle Führungsfigur“ und Antreiber im Kampf gegen die Bundeswehr und die afghanische Regierung, schreibt „Spiegel-Online“ weiter. So habe er das deutsche Lager in Kundus etliche Male mit Raketen beschießen lassen. Die Bundeswehr mache ihn außerdem für Bombenanschläge auf ihre Konvois und die Ermordung von drei Soldaten auf einem Marktplatz im Mai 2007 verantwortlich. Auch bei fast allen anderen Anschlägen auf die Bundeswehr, die seither folgten, soll Salam mitgewirkt haben.

„Er war ein Tyrann“

Die Festnahme Salam, der bis zu 1.200 Aufständische befehligt haben soll, wurde als schwerer Schlag gegen die Taliban in Kundus gewertet. „Er war ein Tyrann, ein sehr grausamer Mensch“, sagte Gouverneur Omar. Auch der „Schatten-Gouverneur“ der Provinz Baghlan, Mullah Mohammed, war nach Behördenangaben für zahlreiche Anschläge verantwortlich. Nach NATO-Informationen haben die Taliban in 33 der 34 Provinzen Afghanistans sogenannte Schattenregierungen eingesetzt.

Unterdessen wurde die Festnahme von Mullah Baradar auch von den USA offiziell bestätigt. Seine Ergreifung durch amerikanische und pakistanische Geheimdienstbeamte sei „ein großer Erfolg für unsere gemeinsamen Anstrengungen in der Region“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, am Mittwochabend in Washington. Mullah Baradar ist der ranghöchste Taliban, der seit der US-Invasion in Afghanistan 2001 gefasst wurde.

Die mutmaßlichen Al-Kaida-Mitglieder wurden bei Razzien in der Hafenstadt Karachi festgenommen. Unter den acht oder neun Gefangenen ist nach Angaben aus pakistanischen Geheimdienstkreisen auch Amber Muawiya, der ausländische Al-Kaida-Mitglieder geführt haben soll, die in den pakistanischen Stammesgebieten im Grenzgebiet zu Afghanistan operieren.

Taliban leisten in Mardschah weiter Widerstand

Der Widerstand der Aufständischen in der Taliban-Hochburg Mardschah im Süden Afghanistans ist auch knapp eine Woche nach Beginn einer Großoffensive der alliierten Truppen noch nicht gebrochen. Vor allem in zwei südlichen Stadtteilen stießen amerikanische und afghanische Soldaten am Donnerstag laut Militärangaben weiter auf starke Gegenwehr. Dagegen gab es in den nördlichen Teilen der Stadt, die inzwischen unter der Kontrolle von NATO und afghanischen Truppen stehen, erste Anzeichen für eine Beruhigung der Lage.

ap