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Politik Oskar Lafontaine wirft das Handtuch
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19:20 22.05.2012
Foto: Oskar Lafontaine zieht seine Kandidatur für den Linke-Vorsitz zurück. Nun ist der Weg für Dietmar Bartsch frei.
Oskar Lafontaine zieht seine Kandidatur für den Linke-Vorsitz zurück. Nun ist der Weg für Dietmar Bartsch frei. Quelle: dpa
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Berlin

Das Comeback des früheren Linke-Chefs Oskar Lafontaines ist geplatzt: Im Machtkampf um den Parteivorsitz hat sich der 68-jährige Saarländer dem stellvertretenden Fraktionschef Dietmar Bartsch geschlagen gegeben. Lafontaine erklärte am Dienstag seinen Verzicht auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz - nachdem der Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi ihm am Montag seine Unterstützung entzogen hatte. Bartsch wollte die Entscheidung Lafontaines zunächst nicht kommentieren. „Ich nehme die Erklärung zur Kenntnis“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Lafontaine erklärte, er habe für sein Angebot aus Ost und West sehr viel Unterstützung erhalten. „Ich habe allerdings zur Kenntnis nehmen müssen, dass meine Bereitschaft nicht zu einer Befriedung der innerparteilichen Auseinandersetzung geführt hat, sondern dass die Konflikte weiter eskaliert sind.“ Er ziehe daher sein Angebot zurück, wieder bundespolitische Aufgaben zu übernehmen.

Er sei zu dem Schluss gekommen, dass nur ein passender Neuanfang jenseits der bisherigen Konfrontationslinien die derzeitige festgefahrene Situation überwinden könne, erklärte Lafontaine. Am Montag hatte sich Gysi von Lafontaine distanziert und Verständnis für die Position von Bartsch gezeigt. Dieser hatte als erster offiziell seine Kandidatur erklärt. Auch Lafontaine hatte sich grundsätzlich zu einer Kandidatur bereiterklärt - aber unter Bedingungen. So verlangte er, dass kein anderer gegen ihn antritt.

Diese Haltung Lafontaines sorgte zunehmend für Unmut in der Partei. Vor allem Ost-Linke, die dem pragmatischen Flügel um Bartsch zuzurechnen sind, bezeichneten das Verhalten des Saarländers als undemokratisch.

Die Auseinandersetzung um die künftige Führung war auch ein Richtungsstreit: Bartsch wird vor allem von den Ostverbänden unterstützt, die einen gemäßigten Kurs Richtung Regierungsbeteiligung fahren wollen. Lafontaine steht hingegen für einen harten Oppositionskurs und wurde primär von den Westverbänden gestützt. Bis 2009 hatte der Saarländer die Linke schon einmal als Parteichef geführt. Er war dann aber wegen einer Krebserkrankung zurückgetreten.

Ein Krisengespräch zwischen Bartsch, Lafontaine und dem derzeitigen Parteichef Klaus Ernst hatte am Sonntagabend keine Lösung gebracht. Wegen des Machtkampfes um die Führung erlebte die Linke eine Zerreißprobe - so warnte Gysi vor einer Spaltung, falls es nicht zu einer einvernehmlichen Lösung in der Führungsfrage kommen sollte.

Der Partei, die vor fünf Jahren aus der westdeutschen WASG und der ostdeutschen Linkspartei hervorgegangen war, drohte ein Showdown bei der Neuwahl des Parteivorstandes. Unklar blieb am Dienstag, ob Ernst nun noch einmal für den Parteivorsitz antreten will. Seine Co-Vorsitzende Gesine Lötzsch ist bereits aus privaten Gründen zurückgetreten.

Die Linke befindet sich in einer desolaten Lage: Seit Monaten beschäftigt sie sich mit parteiinternen Streitereien. Zudem kämpft sie gegen sinkende Umfragewerte und schlechte Wahlergebnisse. So scheiterte die ursprünglich angestrebte West-Ausdehnung der Partei. Zuletzt verfehlte die Linke den Wiedereinzug in die Landesparlamente von Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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