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Politik Özkan: „Koran nicht als Lockmittel missbrauchen“
Mehr Welt Politik Özkan: „Koran nicht als Lockmittel missbrauchen“
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08:19 14.04.2012
Foto: Aygül Özkan ist besorgt über die neuesten Aktionen der Salafisten.
Aygül Özkan ist besorgt über die neuesten Aktionen der Salafisten. Quelle: dpa
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Hannover

„Man darf den Koran nicht als Lockmittel missbrauchen, um insbesondere junge Menschen für eine extremistische Ideologie zu ködern“, sagte Özkan der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. „Insbesondere das Frauen- und Familienbild der Salafisten entspricht nicht der Art, wie die Mehrheit der Muslime in Deutschland und Europa leben wollen.“

Die Ministerin ist selbst eine Muslimin. Der frühere Ministerpräsident Christian Wulff hatte die gebürtige Hamburgerin im April 2010 ins Kabinett berufen – auch als Zeichen für verstärkte Anstrengungen in der Integrationspolitik. Özkan verwies auf einen „sehr guten Dialog mit den muslimischen Gemeinden“, den das Land pflege, egal ob es um den Religionsunterricht oder Integrationsarbeit gehe. „Extremistische Gedanken haben in unserem Zusammenleben und in unserem gesellschaftlichen Dialog nichts zu suchen. Hier zählt das Miteinander und der gegenseitige Respekt.“ Von der Koranverteilaktion haben sich auch der niedersächsische Landesverband der muslimischen Gemeinden, die Schura, sowie der Zentralrat der Muslime in Deutschland distanziert.

Özkan warnte die Salafisten vor extremistischen Taten: „Es muss klar sein, dass sich jeder Mensch in Deutschland unabhängig von seiner Herkunft oder seines Glaubens an die Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu halten hat.“

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern nehmen die Koranverteilung in Fußgänger­zonen nach eigenem Bekunden „sehr ernst“. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes sind salafistische Organisationen ein Sammelbecken für gewaltbereite Islamisten.

Auch wenn die Koranverteilung bei der nächsten Deutschen Islam-Konferenz kommenden Donnerstag in Berlin offiziell nicht auf der Tagesordnung steht, wird sie dort zur Sprache kommen. Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, forderte die islamischen Verbände und Moscheegemeinden dazu auf, vor den radikalen Salafisten zu warnen.

Der integrationspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Serkan Tören, selbst Muslim, verlangte, „nicht deutsche Salafisten“, die gegen die Verfassung verstoßen, müssten ausgewiesen werden.

Die evangelische Kirche gab für den Umgang mit den Gratisexemplaren des Korans den Tipp, das für Muslime heilige Buch keinesfalls achtlos wegzuwerfen. Die Bücher sollten im Zweifelsfall stattdessen bei muslimischen Gemeinden abgegeben werden.

Michael B. Berger
und Reinhard Zweigler

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