Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Özdemir nach Morddrohung: „Gift für Zusammenleben“
Mehr Welt Politik Özdemir nach Morddrohung: „Gift für Zusammenleben“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:54 04.11.2019
Cem Özdemir Quelle: dpa
Berlin

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Parteivorsitzende Cem Özdemir hat nach den Morddrohungen gegen ihn und seine Parteifreundin Claudia Roth zu entschlossenerem staatlichen Handeln aufgerufen. Beide hatten E-Mails des mutmaßlich deutschen Ablegers einer Gruppe namens „Atomwaffen Division“ erhalten, die in den USA zu Hause ist und als rechtsextremistisch gilt. Özdemir steht demnach auf Platz eins einer Todesliste, Roth auf Platz zwei.

Özdemir sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Hasskriminalität ist kein Kavaliersdelikt und kein Problem der virtuellen Welt, sondern Gift für unser tägliches Zusammenleben.“ Er könne sich auf den Begleitschutz durch das Bundeskriminalamt verlassen. „Doch was ist mit all den Kommunalpolitikerinnen und den ehrenamtlich Engagierten, die angefeindet werden und keinen Personenschutz haben?“ Es müsse „möglich sein, am Spielfeldrand, im Bus und auf der Betriebsfeier für eine offene Gesellschaft einzutreten, ohne danach Hasskommentare in den sozialen Netzwerken zu bekommen“.

Hasskriminalität ist kein Kavaliersdelikt und kein Problem der virtuellen Welt, sondern Gift für unser tägliches Zusammenleben.

Cem Özdemir; Grüner Bundestagsabgeordneter

Der Grünen-Politiker plädierte für Demokratiebildung sowie die Vermittlung von Medienkompetenz und sagte weiter: „Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass Hasskriminalität konsequenter ermittelt und zur Anzeige gebracht wird. Dafür braucht es Schwerpunktstaatsanwaltschaften und eine bessere Ausstattung und Ausbildung der Polizei, Strafverfolgungsbehörden und Gerichte zum Thema digitale Gewalt.“ Schließlich müssten die juristischen Hürden für Zivilklagen abgebaut und die Social-Media-Anbieter stärker in die Pflicht genommen werden.

Der Bürgermeister der westfälischen Stadt Altena, Andreas Hollstein, der 2017 Opfer eines Messerangriffs eines Flüchtlingsgegners wurde, äußerte sich ähnlich. Er sagte dem RND: „Die Morddrohungen gegen Cem Özdemir und Claudia Roth belegen erneut auf traurige Art, welch zentrale Bedeutung der Kampf gegen den Rechtsextremismus in unserem Land hat. Beide haben meine volle Solidarität.“ Der CDU-Politiker unterstützt nach eigenen Worten Forderungen nach der Einrichtung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften. „Da, wo Extremisten mit Hass, Hetze und Drohungen vorgehen, ist es ein Angriff auf unsere Gesellschaft“, sagte er. „Wir müssen zusammenstehen und dürfen keinen Schritt zurückweichen.“ Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte ebenfalls Härte angemahnt.

Özdemir auch im Visier türkischer Nationalisten

Özdemir wurde in der Vergangenheit bereits wegen seiner scharfen Kritik am türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan von türkischen Nationalisten massiv bedroht und erhält seit Längerem Personenschutz. Rechtsextremisten haben ihn ebenfalls im Visier.

Die Bundesregierung hatte erst vor Kurzem angekündigt, mit schärferen Strafen, erweiterten Kompetenzen der Behörden und einer Meldepflicht für strafbare Inhalte im Internet auf die rechte Gewalt der vergangenen Monate reagieren zu wollen. Der Plan sieht auch einen besseren Schutz für Kommunalpolitiker vor.

Von Markus Decker/RND

Die Grünen-Politiker Cem Özdemir und Claudia Roth haben Ende Oktober Drohmails von mutmaßlichen Rechtsextremisten erhalten. Das Ziel ist klar: Linke und Liberale sollen eingeschüchtert werden. So weit darf es nicht kommen, kommentiert Markus Decker.

03.11.2019

Erst Anfang Oktober war in Zwickau ein Gedenkbaum für ein NSU-Opfer abgesägt worden. Nun hat die Stadt zehn Bäume gepflanzt, um den Mordopfern der rechtsextremistischen Terrorzelle zu gedenken. Auch Kanzlerin Merkel will am Montag Blumen am neuen Gedenkort niederlegen.

03.11.2019

Die Lage in Hongkong ist noch immer angespannt. Wieder Ausschreitungen, mehr als 200 Festnahmen und ein angegriffenes Gebäude. Aktivisten attackieren das Büro der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.

03.11.2019