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Politik Obama erkämpft sich einen kleinen Vorsprung
Mehr Welt Politik Obama erkämpft sich einen kleinen Vorsprung
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06:15 25.10.2012
Von Stefan Koch
Die Außenpolitik dominiert in der Nacht zu Dienstag das dritte TV-Duell zwischen Barack Obama (r.) und Mitt Romney. (Archiv) Quelle: dpa
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Washington

Die Außenpolitik dominiert in der Nacht zum Dienstag das dritte TV-Duell zwischen Barack Obama und Mitt Romney. Es ist das tagtägliche Arbeitsfeld des Amtsinhabers, und diesen naturgegebenen Vorteil spielt er von Beginn an aus. Kaum beginnt das Streitgespräch in Boca Raton im Südosten Floridas, geht der Präsident in die Offensive: "Immer, wenn Sie eine Meinung äußern, liegen Sie falsch."

Über 90 Minuten hinweg können sich die Amerikaner wieder einmal ein klares Bild von den beiden Kandidaten verschaffen, die am 6. November zur Wahl stehen. Sicherlich: Angesichts der schlechten Wirtschaftsdaten und der hohen Arbeitslosenzahlen standen die Auseinandersetzungen um den Kampf gegen den Terror und den Arabischen Frühling nicht im Zentrum der Wahlkampagne 2012. Gleichwohl wird von Obama und Romney erwartet, vom ersten Tag der 45. Präsidentschaft an, in der Beurteilung der weltweiten Konflikte sattelfest zu sein.

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Romney, der die Aufmerksamkeit immer wieder in die innenpolitische Richtung lenken will, zeigt sich auf diesem Terrain durchaus als adäquater Gegner. Doch so überlegt er sich auch präsentiert, so wenig kann er überzeugen. In Nordafrika sieht er ein zunehmendes Chaos. Auch sei nicht genug getan worden, das Mullah-Regime im Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern. Insgesamt sei es "bedauerlich", dass das US-Militär geschwächt werde und zum Beispiel die Marine mit weniger Schiffe auskommen müsse. Aber Romney bleibt schlüssige Antworten schuldig, wie seine Lösungen aussehen würden.

Dagegen erinnert Obama an die harten Sanktionen gegen den Iran, die die Regierung in Teheran empfindlich treffen würden.  Anders als unter seinem Amtsvorgänger sei sich die Welt heute einig, Iran am Besitz von nuklearen Massenvernichtungswaffen zu hindern. Und mit Blick auf die Detailkritik an der Ausstattung der Marine kontert der "Commander in Chief": "Vielleicht haben wir heute weniger Schiffe. Aber wir haben auch weniger Pferde und Bajonette. Es ist meine Aufgabe, das Militär für die Zukunft fit zu machen."

Obama zeigt sich im letzten großen Auftritt dieses Wahlkampfes deutlich angriffslustiger als sein Herausforderer. Aus der ersten Fernsehdebatte, als er so überraschend schlecht aussah, hat er kräftig gelernt. Er verfolgt die Aussagen seines Kontrahenten mit konzentriertem Blick, antwortet schnell, scharf und hin und wieder sogar witzig.

Romney wiederum verfolgt an diesem Abend offensichtlich die Strategie, sich möglichst keinen Patzer zu leisten - auch auf die Gefahr hin, zögerlich und defensiv zu wirken. Immerhin war es dem Republikaner in den vergangenen drei Wochen gelungen, sich aus dem Umfragekeller herauszuarbeiten und mit Obama gleichzuziehen. Zur Überraschung vieler Beobachter hält das Kopf-an-Kopf-Rennen in den Umfragen an. Und ob diese letzte Debatte den Ausschlag gibt, muss sich erst noch erweisen. Erste Umfragen sehen den Präsidenten mit 49 Prozent zu 40 Prozent vorn.

Allerdings: Nach der zweiten Debatte - bei der ebenfalls Obama die Nase vorn hatte - bewegten sich die Zustimmungsquoten für die Kandidaten kaum. Auch nach diesem Abend in Boca Raton dürften sich die Meinungen in den Vereinigten Staaten nicht gründsätzlich ändern. Fieberhaft warten jetzt beide Wahlkampfteams auf die nächsten Neuigkeiten aus dem Arbeitsministerium in Washington: Es könnte den Ausschlag bei den Präsidentschaftswahlen geben, ob sich die neuen Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vormonat leicht nach oben oder unten bewegen.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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