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Politik Obama: Das ganze System hat versagt
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20:12 08.01.2010
„Wenn das System versagt, liegt das in meiner Verantwortung“, erklärte der Präsident. Quelle: afp
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Vor dem Anschlagsversuch am ersten Weihnachtstag hätten genügend Hinweise vorgelegen, die aber nicht miteinander verknüpft worden seien, kritisierte Obama. „Wenn das System versagt, liegt das in meiner Verantwortung“, erklärte der Präsident am Donnerstag im Weißen Haus. „Am Ende landet der Ball in meinem Feld.“

Die Liste der Verfehlungen ist lang: Die US-Behörden wussten, dass Al Qaida im Jemen neben Pakistan inzwischen sein gefährlichstes Terrornetzwerk etabliert hat. Sie hatten konkret erfahren, dass von der Arabischen Halbinsel aus um die Weihnachtszeit Anschläge geplant waren. Doch sie konzentrierten sich nur auf mögliche Gefährdungen im Jemen selbst und verloren das Risiko für die USA aus dem Blick. Die Sicherheitsbehörden wussten, dass ein Nigerianer Verbindungen zur dortigen Al-Qaida-Gruppe hatte. Sie kannten aus anderen Quellen den Namen des Attentäters und die Tatsache, dass sich am 18. November des vergangenen Jahres dessen Vater wegen der extremistischen Neigungen des Sohnes an die US-Botschaft in Nigeria gewandt hatte. Den US-Behörden war sogar der verwendete Sprengstoff bekannt und die Möglichkeit, ihn am Körper zu verstecken. Genauso war Ende August 2009 ein Selbstmordattentat auf den saudischen Prinzen Mohammed bin Najef versucht worden. Die meisten dieser Informationen wurden zwischen Mitte Oktober und Ende Dezember 2009 gesammelt. Doch zusammengeführt wurden sie nicht.

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Das wiederum liegt an so banalen Gründen wie der Tatsache, dass ein Rechtschreibfehler bei der Verwendung des Namens Abdulmutallab die Fahndung blockierte. „Es gab eine ganze Reihe von menschlichem Versagen. Eine fertige Sicherheitsanalyse wurde verspätetet verteilt; Datensammlungen wurden unvollständig und teilweise mit falschen Informationen durchsucht“, heißt es im Bericht. Doch schlimmer sei das Versagen des Systems gewesen: „Keine einzelne Abteilung der amerikanischen Sicherheitsdienste hat dafür gesorgt, dass alles Notwendige unternommen wurde, um der Gefahr zu begegnen.“

Sowohl die CIA als auch das Nationale Anti-Terror-Zentrum NCTC wären dafür zuständig gewesen. Doch einer verließ sich auf den anderen. Und trotz aller Investitionen scheint es sogar technische Defizite zu geben: „Die Informationstechnologie im Sicherheitsapparat hat es nicht ausreichend erlaubt, die Daten zu verknüpfen“, heißt es in der Analyse. Obama will die Verantwortung nicht Einzelnen zuweisen. Die Fehler scheinen in der Tat so komplex gewesen zu sein, dass er seinen Sicherheitsapparat praktisch enthaupten müsste, wenn er alle Beteiligten entließe. Doch drei Seiten „Hausaufgabenblatt“ mit 16 Anweisungen zur besseren Vernetzung der Geheimdienste hat Obama seinen Sicherheitsfachleuten nun mitgegeben. Vorerst müssen sie jeden Monat zum Rapport.

Obama bekräftigte zugleich seine Entschlossenheit, den Kampf gegen den Terror fortzusetzen, den er – für ihn ungewohnt – als Krieg bezeichnete. „Wir sind im Krieg, wir sind im Krieg gegen Al Qaida“, sagte der Präsident. „Wir werden tun, was auch immer nötig ist, um sie zu besiegen.“ Obama übernahm damit ein Stück weit die Rhetorik seines Vorgängers George W. Bush.

von Andreas Geldner

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