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Politik Nur neun Städte bieten bundesweit kostenlose Kinderbetreuung an
Mehr Welt Politik Nur neun Städte bieten bundesweit kostenlose Kinderbetreuung an
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22:52 17.05.2010
Für Kinder ein Spaß, für Eltern ein „Gebührendschungel“: Betreuung in der Kita. Quelle: dpa
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Salzgitters Bekanntheit hielt sich bislang in Grenzen. Doch im Wettbewerb um mehr Familienfreundlichkeit hat sich die Stadt jetzt mit einem Sprung in die erste Liga einen Namen gemacht. Wer in Salzgitter wohnt, kann seine Kinder kostenlos in einen der kommunalen Kindergärten schicken; drei Jahre lang. Vor zwei Jahren, als das Institut der deutschen Wirtschaft Consult erstmals im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der Zeitschrift „Eltern“ bei den 100 bevölkerungsreichsten Kommunen die Kindergartengebühren abfragte, glänzte einzig Heilbronn mit einer Gratisbetreuung. Nun sind es neun Städte, die allerdings fast durchweg im Süden Deutschlands liegen.

Der Norden – mit Ausnahme Salzgitters – präsentiert sich gegenüber Eltern eher knausrig. Unter den 20 Großstädten mit den höchsten Gebühren finden sich zwölf norddeutsche: unter anderem Flensburg (1524 Euro für Halbtagsbetreuung im Jahr), Hannover (1464 Euro) und Kiel (1440 Euro).

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Insgesamt vermerkt der „Kindergartenmonitor 2010“ als positiven Trend eine bundesweite Gebührensenkung um 16 Prozent. Doch der Durchschnittswert täuscht über das starke Preisgefälle hinweg, das die Kinderbetreuung in manchen Regionen zur Lotterie macht. Wer in Düsseldorf wohnt, hat Glück, denn der Kindergartenbesuch ist kostenlos. Im wenige Kilometer entfernten Duisburg zahlen Gutverdiener dagegen rund 2500 Euro im Jahr für die Betreuung.

Nicht immer ist der Preisvergleich so einfach wie in diesem Fall. Als kritisch vermerkt die Studie den „Gebühren-Dschungel“, der Orientierung erschwert. Weder seien die Gebührensatzungen einheitlich, noch seien sie durchweg für ökonomische Laien nachvollziehbar. Mal richten sich die Gebühren nach dem Nettoeinkommen der Eltern, mal nach dem Bruttoverdienst, ein anderes Mal wird zusätzlich ein Pauschbetrag abgezogen. Einige Städte bemühen mathematische Formeln, um die Betragshöhe zu ermitteln. „Die Transparenz bleibt auf der Strecke“, beklagte Hubertus Pellengahr von der INSM am Montag in Berlin.

Der einzige Trost: Noch hat die Finanzkrise keinen deutlichen Gebührenschub ausgelöst. Allerdings gibt es erste Anzeichen, dass sich dies bald ändern könnte. So musste Duisburg auf Weisung der Bezirksregierung eine geplante Beitragsfreistellung für Geschwister wieder zurücknehmen. Einige Städte wie Göttingen oder Hildesheim haben ihre Kindergartengebühren bereits erhöht; Hamburg plant eine Erhöhung.

Die Autoren der Studie fürchten, dass in armen Kommunen demnächst auf breiter Front die Beträge steigen. Es gäbe noch eine Alternative: Das Land zahlt. Neun von 16 Bundesländern, darunter Niedersachsen, haben mittlerweile das dritte Kindergartenjahr beitragsfrei gestellt. Rheinland-Pfalz ist bislang einsame Spitze. Dort ist der Kita-Besuch vom ersten bis zum dritten Jahr gratis.

Gabi Stief