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Politik Nord- und Südkorea: Sie reden wieder miteinander
Mehr Welt Politik Nord- und Südkorea: Sie reden wieder miteinander
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15:48 04.10.2021
Eine Frau steht mit einem Kind an einem Zaun neben Ferngläsern am Imjingak-Pavillon in der Nähe der Grenze zu Nordkorea.
Eine Frau steht mit einem Kind an einem Zaun neben Ferngläsern am Imjingak-Pavillon in der Nähe der Grenze zu Nordkorea. Quelle: Ahn Young-Joon/AP/dpa
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Peking

Sie reden zumindest miteinander: Am Montag teilte die Regierung in Seoul mit, dass Vertreter Nord- und Südkoreas erstmals seit letztem August wieder miteinander telefoniert hatten.

Das Vereinigungsministerium sprach davon, dass die „Grundlage für die Wiederherstellung der innerkoreanischen Beziehungen geschaffen“ worden sei. Jenseits der Grenze ließ Machthaber Kim Jong Un über die Nachrichtenagentur KCNA mitteilen, „anhaltenden Frieden“ auf der koreanischen Halbinsel etablieren zu wollen.

Mit etwas kritischer Distanz lässt sich hingegen maximal ein zurückhaltend optimistisches Fazit ziehen: Die Hoffnung stirbt angeblich zuletzt.

Doch wohl wahr: Die Nord-Süd-Hotline ist von immenser Bedeutung. Vor allem, weil es die einzige Form direkter Kommunikation zwischen zwei Staaten ist, die nach dem Koreakrieg (1950–53) niemals einen offiziellen Friedensvertrag unterzeichnet haben.

Wenn es also wieder einmal entlang der verminten Demarkationslinie zu einer Eskalation kommt - etwa durch die Flucht eines nordkoreanischen Soldaten -, dann können die Militärs zumindest zum Hörer greifen, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.

Internationale Reaktionen sind positiv

Dementsprechend fielen die internationalen Reaktionen durchwegs positiv aus. In Washington sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums, man unterstütze nachdrücklich die innerkoreanische Zusammenarbeit. Und auf Twitter bezeichnete Liu Xiaoming, Sonderbeauftragte der chinesischen Regierung für Korea-Angelegenheiten, die Wiederherstellung der Verbindungslinie als „bemerkenswerten Fortschritt“.

Doch wer die Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel seit Längerem verfolgt, der muss die Aufrichtigkeit des Kim-Regimes in Pjöngjang unweigerlich in Frage stellen: Seit Jahrzehnten oszilliert Nordkorea schließlich zwischen militärischem Säbelrassen und diplomatischer Charme-Offensive, wie es den politischen Interessen der Staatsführung gerade passt.

Erst im letzten August hatte das Regime das gemeinsame Verbindungsbüro, finanziert vom südkoreanischen Steuerzahler, öffentlichkeitswirksam in die Luft sprengen lassen. Seit Jahresbeginn testet Kim zudem weiter fleißig sein Raketenarsenal, und trotz der für die Bevölkerung horrenden Corona-Pandemie investiert der Große Führer nach wie vor in sein Nuklearprogramm.

Kim Jong Un zeigt sich handzahm

Nun zeigt sich Machthaber Kim Jong Un also wieder handzahm, doch gleichzeitig jederzeit zu Raketentests bereit. Mit letzterem erhöht er den Druckhebel, um bei den kommenden Verhandlungen möglichst viele Hilfsgelder und politische Konzessionen zu erhalten.

Doch mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae In trifft Kim dabei auf zwar keinen naiven, aber jederzeit offenen Gesprächspartner. Der 68-Jährige betrachtet den innerkoreanischen Friedensprozess nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Biografie – sein Vater floh während der Kriegswirren vom Norden in den Süden – als politisches Lebenswerk. Für dessen Verwirklichung Anstoß zu geben, bleibt dem linksgerichteten Politiker nur mehr ein kurzer Zeitraum, da bereits im nächsten März sein Nachfolger gewählt wird.

Entspannung ist gut

Doch trotz allem Zynismus: Sämtliche Entspannung in Korea ist grundsätzlich gut. Denn angesichts der wachsenden Nuklearbedrohung aus Nordkorea haben die konservativen Fraktionen innerhalb Japans, aber auch Südkoreas wieder die schwelenden Debatten über eine eigene atomare Aufrüstung wiederbelebt.

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„Die Unberechenbarkeit des amerikanischen Sicherheitsengagements, Chinas Aufstieg und die Vertiefung der strategischen Instabilität in Nordostasien haben diese innenpolitischen Debatten ebenfalls angeheizt“, heißt es dazu in einer aktuellen Studie von Moon Chung In, Sonderberater der Regierung in Seoul.

Doch es reicht nur ein Blick auf Ende Juli, um die Erwartungen zu dämpfen: Schon damals stellte Pjöngjang die gemeinsame Hotline wieder her – nur, um zwei Wochen später keine Anrufe mehr entgegenzunehmen.

Von Fabian Kretschmer/RND

Der Artikel "Nord- und Südkorea: Sie reden wieder miteinander" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.