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Politik Niger - ein Ort ohne Hoffnung
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22:46 05.10.2009
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Die UNDP-Studie über die Entwicklung der Welt listet den Sahelstaat in puncto Lebensqualität weltweit an letzter Stelle. „Ein Kind, das hier geboren wird, kann damit rechnen, nur knapp 50 Jahre alt zu werden. 30 Jahre weniger als ein Kind, das in Norwegen zur Welt kommt“, heißt es in dem Bericht.

Dabei ist in diesem Jahr im Sahel vieles anders als sonst. Normalerweise ist er eine menschenfeindliche, sonnenverbrannte Zone. Nach den ungewöhnlich heftigen Regenfällen der letzten Wochen ist die 500 Kilometer breite Wüstenzone zumindest in ihrem westlichen Teil eine einzige grüne Wiese. Wenn erst einmal die enormen Schäden beseitigt sind, die der Regen mit sich gebracht hat, dann geht es vielleicht doch mal wieder ein bisschen aufwärts? Wohl kaum.

Denn die Bevölkerung wächst in rasendem Tempo. Der Wüstenstaat kann sie nicht ernähren. Hauptgrund ist die Polygamie. In einigen von einem strikten Islamismus geprägten Regionen haben die Männer im Schnitt sieben Frauen mit durchschnittlich sieben Kindern pro Frau. Seit der Unabhängigkeit vor fast 50 Jahren hat sich die Bevölkerung des Binnenstaates deshalb auf mehr als zwölf Millionen Menschen mehr als vervierfacht – und steigt unaufhörlich weiter, ohne dass die Anbaumethoden oder die Sozialstrukturen angepasst würden. Auf einen Quadratkilometer kommen mittlerweile 125 Bewohner, was angesichts der Kargheit der Landwirtschaft und der extrem einfachen Anbaumethoden unweigerlich in die nächste Hungersnot führen muss. Zudem gehen die Wasserreserven wegen des Bevölkerungsdrucks zur Neige, durch das wegen wachsenden Brennholzbedarfs ungehemmte Abholzen der wenigen Bäume ist die Wüste seit Jahren auf dem Vormarsch. Dennoch unternimmt Nigers Regierung fast nichts, um die Bevölkerungsexplosion zu stoppen oder das Land durch eine Agrarreform produktiver zu nutzen. Stirbt der Ernährer, teilen zwei, drei Dutzend Nachkommen seine Felder unter sich auf. Am Ende wurstelt jeder auf einem winzigen Fleckchen vor sich hin. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

Zudem führt die einseitige Ernährung mit Mais- oder Hirsebrei wegen des geringen Proteingehalts zu Mangelleiden. 44 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt – und jeder Entwicklungsexperte weiß, was das auch für das intellektuelle Vorankommen einer Gesellschaft bedeutet. Die massiven Verzögerungen der Kindheit lassen sich kaum jemals aufholen. Erst recht nicht in einem Land, das ohnehin kaum Ressourcen auch nur für die grundlegende Bildung seiner Bevölkerung hat. In Niger können 71,3 Prozent der Männer und Frauen über 15 Jahre nicht lesen und nicht schreiben.

Wolfgang Drechsler

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