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10:20 14.06.2021
Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern hat sich im Namen der Regierung für Abschiebungen in den 1970er Jahren entschuldigt.
Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern hat sich im Namen der Regierung für Abschiebungen in den 1970er Jahren entschuldigt. Quelle: AAPIMAGE
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Wellington

Die Regierung in Neuseeland will sich für gezielte Abschiebungen von Menschen aus Pazifik-Inseln in den 70er Jahren entschuldigen. Die Praxis sei „entmenschlichend“ gewesen und habe Menschen in ihren Häusern „terrorisiert“, sagte Premierministerin Jacinda Ardern am Montag.

Damals seien Nichtweiße verpflichtet worden, Ausweise mit sich zu tragen, um zu belegen, dass sie sich legal im Land aufhielten. Oft seien sie willkürlich auf der Straße oder sogar in Schulen oder Kirchen angehalten, in ihren Schlafanzügen und ohne angemessene Vertretung vor Gericht gestellt worden.

Dabei habe die Einführung einer computergestützten Erfassung der Migration nach Neuseeland im Jahr 1977 ergeben, dass 40 Prozent jener, die über die Gültigkeitsdauer ihrer Visa hinaus im Land blieben, entweder britische oder amerikanische Staatsbürger gewesen seien, sagte Ardern. Diese Gruppen seien aber nie von Abschiebung bedroht gewesen.

Abschiebungen werden „Dawn Raids“ genannt

Die Erklärung gab Ardern im Beisein von Aupito William Sio ab, der aus Samoa stammt und inzwischen Minister für die Belange von Menschen mit Wurzeln in Pazifik-Inseln ist. Er erinnere sich an seine Panik in seiner Kindheit, als Polizisten mit Schäferhunden vor Tagesanbruch am Haus seiner Familie aufgetaucht seien und sie mit ihren Taschenlampen geblendet hätten, sagte er. In die Geschichte Neuseelands gingen die Abschiebungen als „Dawn Raids“ ein, da sie am frühen Morgen oder spätabends stattfanden.

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Die formale Entschuldigung soll am 26. Juni bei einer Zeremonie in Auckland abgegeben werden. Es sei erst das dritte Mal, dass die Regierung solche Abbitte leiste, sagte Ardern.

Vorangegangene Entschuldigungen gab es für die Erhebung einer Einreisesteuer für chinesische Migranten in den 1880er Jahren und für die Einschleppung der tödlichen Grippepandemie nach Samoa im Jahr 1918, wodurch mehr als ein Fünftel der Bevölkerung des Inselstaats starb.

RND/AP

Der Artikel "Neuseelands Regierung entschuldigt sich für ethnisch motivierte Abschiebungen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.