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Politik Neuer kroatischer Präsident legt Wert auf Recht und Rhythmus
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08:10 11.01.2010
Ivo Josipovic (rechts) Quelle: ap
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Es ist gerade sein Ruf einer unverbrauchten und integren Persönlichkeit, dem der 52-jährige Kandidat der Sozialdemokraten seinen Wahlsieg über den Zagreber Bürgermeister Milan Bandic zu verdanken hat. Die Öffentlichkeit in Kroatien ist der Affären und Intrigen müde. In der politischen Kultur des Balkans ist Josipovics sachbetonte und versöhnliche Haltung eine Seltenheit.

Seine Gegner wollten Josipovics Ruhe als Schwäche darstellen und warfen ihm vor, er habe nicht das für einen Staatsmann erforderliche Charisma. Seine Anhänger sehen aber gerade in der Gelassenheit des dritten kroatischen Präsidenten seit der Unabhängigkeit von Jugoslawien eine besondere Stärke.

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Als Komponist sprach Josipovic am Wahlabend in Zagreb von einer „siegreichen Sinfonie“. Seinen Wählern versprach er, Kroatien werde „endlich zu einer Heimat für alle anständigen Leute“.

„Entschlossenheit, Optimismus und Zivilcourage“

Der überraschend deutliche Wahlsieg ist ein großer Erfolg für die Sozialdemokratische Partei (Socijaldemokratska partija Hrvatske, SDP), die nur einmal seit der 1991 erlangten Unabhängigkeit die Regierung stellen konnte, von 2000 bis 2003. Der neue Präsident wird wohl seine kritische Haltung zur Regierung von Ministerpräsidentin Jadranka Kosor beibehalten, aber nicht in Konfrontation zu ihr gehen. Beide versichern, dass sie die Korruption bekämpfen wollen und andere Reformen anstreben, um Kroatien bis 2012 zum 28. Mitgliedsland der Europäischen Union zu machen.

Geboren am 28. August 1957 in Zagreb, schloss sich Josipovic in den 80er Jahren den Sozialdemokraten an, die damals noch als kommunistisch orientiert waren. Er trug dazu bei, die SDP zum Kurswechsel in Richtung der westeuropäischen Sozialdemokratie zu führen. Aber 1994 beschloss er, aus der Partei auszutreten, um sich ganz dem Recht und der Musik zu widmen.

Danach lehrte Josipovic Völkerrecht an der juristischen Fakultät in Zagreb - und leitete daneben die Vereinigung der kroatischen Komponisten. Als unabhängiger Experte wurde er vor der Regierung herangezogen, um das Gesetz zur Zusammenarbeit mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen zu entwerfen. 2003 wurde Josipovic als parteiloser Kandidat auf der Liste der Sozialdemokraten ins Parlament gewählt. Zwei Jahre später wurde er wieder Mitglied der SDP.

Seine Kandidatur für die Nachfolge von Präsident Stipe Mesic begründete er damit, dass er „die Ungerechtigkeit nicht ertragen kann, die dem kroatischen Volk seit Jahren angetan wird“. Mit seinem eigenen Vorbild wolle er vorangehen, „um zu Entschlossenheit, Optimismus und Zivilcourage zu inspirieren“.

Die Liebe zur Musik will Josipovic aber auch als Präsident nicht aufgeben. Neben der Politik plant er seine erste Oper - über Leben und Werk von John Lennon.

ap