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22:24 11.09.2009
Die neuen Bachelor-Bildungsgänge überfordern die Studenten.
Die neuen Bachelor-Bildungsgänge überfordern die Studenten. Quelle: ddp (Symbolbild)
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Diese prangerten die vor zehn Jahren eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge in Deutschland an und forderten, die Reformen zurückzudrehen. Vielen in der Politik war das Thema zu komplex, doch jetzt bekommen die Studenten schnell nachvollziehbare Argumente an die Hand: Nach einer am Freitag vorgestellten Studie führt der Erfolgsdruck im Bachelor und Master bei den Studenten überdurchschnittlich oft zu Nervenkrankheiten und psychischen Erkrankungen.

Die gewerkschaftsnahe Max-Traeger-Stiftung hat zum zehnten Jahrestag der Einführung von Master und Bachelor die bislang umfangreichste Studie über die neuen Studiengänge vorgelegt, die im Sinn einer EU-weiten Angleichung der Abschlüsse schrittweise die traditionellen deutschen Titel Magister, Diplom und Staatsexamen ablösen. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Die Autoren listen eine ganze Reihe von Erkrankungen auf, die bei den Studenten zugenommen hätten – unter anderem Allergien und Atemwegserkrankungen sowie zahlreiche psychische Symptome. Auch inhaltlich führten die neuen Studiengänge in die falsche Richtung, heißt es in der Untersuchung: „Ein Übermaß an Prüfungen und Klausuren entmündigt die Studierenden und lässt keinen Platz mehr für Selbststudium, Projektstudium und forschendes Lernen.“ Problematisch seien zudem die deutschen Zulassungsbeschränkungen beim Übergang vom Bachelor zum weiterführenden Master, kritisierte Andreas Keller, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft GEW, bei einer Bildungskonferenz im baden-württembergischen Bad Wildbad. So verließen vor allem Frauen die Hochschule oft mit dem weitgehend wertlosen Bachelor. Während 53,7 Prozent dieser Abschlüsse von Frauen abgelegt würden, liege der Frauenanteil bei den Master-Abschlüssen nur noch bei 40,7 Prozent. Zudem verzeichneten die Studiengänge höhere Abbrecherquoten. Studenten gingen inzwischen auch seltener ins Ausland als in den alten Diplom- und Magisterstudiengängen.

Nach anfänglicher Ablehnung gibt es auch Bewegung in der Bundespolitik bei dem Thema. Bundesbildungsministerin Schavan lehnt eine Abschaffung der neuen Studiengänge zwar ab, verspricht aber Verbesserungen.

von Bernd Meiners