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Politik Regierungsberaterin fordert Smartphone-Verbot für Kinder bis 14 Jahre
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16:31 15.02.2019
Ein Jugendlicher und sein Smartphone. Quelle: Tobias Hase/dpa
Berlin

Selbst Grundschüler verbreiten inzwischen bereits Nacktbilder von Gleichaltrigen. Und zwar über das eigene Smartphone. Julia von Weiler (49), Psychologin und eine der bekanntesten Expertinnen für sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland, schlägt deshalb Alarm. „Täter und Opfer werden immer jünger“, warnt von Weiler. Dabei gehe es bereits um 9- bis 11-Jährige, die pornografische Bilder anschauten oder Selbstbefriedigungsvideos von Gleichaltrigen verbreiteten, so die Geschäftsführerin des Vereins „Innocence in Danger“, den sie einst zusammen mit Stephanie zu Guttenberg, der Frau des früheren Bundesverteidigungsministers, führte.

Von Weilers Forderung: Ein Smartphone-Verbot für Kinder unter 14 Jahren. „So, wie wir Kinder vor Alkohol oder anderen Drogen schützen, sollten wir sie auch vor den Risiken einer zu frühen Smartphone-Nutzung schützen“, begründet sie ihren Vorschlag. Hintergrund: Die Polizeibehörden registrieren einen Anstieg der Anzeigen in diesem Bereich. Beispiel Berlin: In der Hauptstadt sind im Schnitt alle zwei Wochen Ermittler in einer Schule, um einschlägigen Hinweisen nachzugehen.

Missbrauchsbeauftragter gegen Denkverbote

Von Weiler, die nun ein Smartphone-Verbot für dringend geboten hält, berät die Bundesregierung. Konkret: Sie ist Mitglied im Fachbeirat des Missbrauchsbeauftragten Johannes-Wilhelm Rörig. Doch wie realistisch ist der Vorschlag, für den von Weiler wirbt? Rörig ist gegen Denkverbote. Eine gesetzliche Altersbeschränkung für Smartphones wäre möglicherweise „eine schnelle und vermeintlich einfache Lösung“. Aber er schränkt auch ein: Die Umsetzung würde das Grundproblem des fehlenden Schutzes im Netz nicht lösen.

Der IT-Branchenverband Bitkom lehnt Smartphone-Verbote für unter 14-Jährige ab. „Verbote sind schnell gefordert, aber bewirken oft das Gegenteil“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) „Wir müssen nicht über das Ob reden, sondern über das Wie. Kinder und Jugendliche sollten frühzeitig lernen, verantwortungsvoll mit Smartphones umzugehen und sich sicher, souverän und selbstbewusst in der digitalen Welt bewegen.“

Bitkom: Medienkompetenz fördern

Der Bitkom-Präsident fordert, statt über Verbote nachzudenken die Medienkompetenz der Kinder zu fördern. „An Schulen muss Digital- und Medienkompetenz auf den Lehrplan, um die Neugierde von Heranwachsenden in kreative und produktive Bahnen zu lenken. Und Eltern sind gefragt, ihre Kinder in der digitalen Welt genauso zu begleiten wie in der analogen Welt“, so Berg gegenüber dem RND. „Smartphones sind für die allermeisten Menschen unverzichtbare Begleiter in allen Lebenslagen – auch für Kinder und Jugendliche.“

Ein Sprecher von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte dem RND: „Verbote taugen nur dann, wenn sie auch durchgesetzt werden können. Gesetzliche Altersbeschränkungen für Smartphones lösen nicht das Grundproblem des fehlenden Schutzes im Netz.“ Die Ministerin habe den Anspruch, Kindern und Jugendlichen eine umfassende Teilhabe an der digitalen Welt zu ermöglichen. „Es muss deshalb darum gehen, Kindern und Jugendlichen sichere Kommunikationsräume zu ermöglichen, in denen sie die Chancen und Vorteile der Digitalisierung altersgerecht wahrnehmen können.“

CDU für Einschränkungen offen

Der Fraktionsvize der Union im Bundestag, Thorsten Frei, warnt hingegen davor, die Gefahren für Kinder in jungem Alter zu unterschätzen. Er ist Mitautor eines Positionspapiers der Union gegen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Man müsse die „fraglos erheblichen“ Risiken genau ansehen und prüfen, wie man ihnen begegnen könne, so Frei gegenüber dem RND. „Dabei sollten wir aber vor allem auch die Verantwortlichkeit der Eltern in den Blick nehmen“, sagt der CDU-Politiker, „und uns fragen, ob technische Inhaltseinschränkungen zum Schutz der Kinder als milderes Mittel in Frage kämen.“

Von Rasmus Buchsteiner und Thoralf Cleven/RND

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