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11:59 15.07.2013
Tausende Gegner des Urteils im Fall von Trayvon Martin haben in Florida protestiert. Quelle: dpa
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Florida

Mit spontanen Demonstrationszügen haben Tausende Amerikaner in vielen Städten gegen den Freispruch des Todesschützen von Florida protestiert. Sie verlangten vom Justizministerium, ein neues Verfahren gegen George Zimmerman zu eröffnen. Der 29-jährige Hispano-Amerikaner hatte nach Überzeugung einer Geschworenenjury den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin in Notwehr erschossen. Der Fall befeuert auch die Diskussion um schärfere Waffengesetze in den USA.

US-Präsident Barack Obama nannte den Tod des Teenagers eine US-weite Tragödie und warb gleichzeitig für verstärkte Maßnahmen gegen die Waffengewalt, die er bisher im Kongress nicht durchsetzen konnte. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, ein prominenter Verfechter strikterer Waffengesetze, argumentierte gegen weitreichende Selbstverteidigungsgesetze, wie sie in Florida gelten:
Diese könnten zu „gefährlicher Selbstjustiz führen und diejenigen schützen, die leichtfertig mit Waffen hantieren“, wie es laut Medien-Berichten in einer Erklärung hieß.

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In Florida dürfen sich Bürger, die sich von einem Gewaltverbrechen bedroht sehen, mit allen Mitteln wehren - bis hin zur Tötung des mutmaßlichen Angreifers. Die Regelung ist unter dem Namen „Stand-Your-Ground-Law“ (deutsch: Nicht von der Stelle weichen) bekannt. Ähnliche Gesetze gelten in vielen anderen US-Bundesstaaten.

Der 29-jährige Zimmerman hatte den 17-jährigen schwarzen Trayvon Martin im Februar 2012 erschossen, als er für eine Bürgerwehr auf Patrouille war. Die Anklage argumentierte, dass Zimmerman den Teenager verfolgte und dann tötete. Die Verteidiger beriefen sich dagegen auf Notwehr, weil sich Zimmerman vom jungen Martin, der mit einem Kapuzenpulli bekleidet war, bedroht gesehen habe.

Eine Geschworenenjury, der kein Schwarzer  angehörte, hatte Zimmerman am späten Samstagabend freigesprochen. Das Urteil war Wasser auf die Mühlen von Bürgerrechtlern, die den Fall als Beispiel rassistisch motivierter Gewalt gegen Schwarze sehen. Die Schwarzen-Organisation NAACP nannte das Urteil „empörend“.

Die NAACP startete auf ihrer Website eine Online-Petition, mit der Justizminister Eric Holder aufgerufen wird, den Todesschützen Zimmerman wegen der Verletzung „eines fundamentalen Bürgerrechts, des Rechts auf Leben“ vor ein Bundesgericht zu stellen. Ähnliche Petitionen starteten New Yorker Bürger auf einer Plattform des Weißen Hauses. Dort äußerten bis zum Montagmorgen gut 14.000 Bürger ihre Unterstützung.

Die Justiz-Behörde hatte bereits nach dem Vorfall 2012 eigene Untersuchungen eingeleitet, aber dem staatlichen Strafrechtsprozess in Florida Vorrang eingeräumt. Die Untersuchungen gingen jetzt weiter, und dabei würden auch die im Florida-Verfahren vorgelegten Beweise in Betracht gezogen, hieß es laut Medienberichten in einer Ministeriumsmitteilung.

Nach US-Recht könnte Zimmerman zwar nach seinem Freispruch nicht erneut - wie in Sandford - wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz oder Totschlags vor Gericht gestellt werden. Aber eine Anklage wegen Bürgerrechtsverletzungen vor einem Bundesgericht wäre möglich, weil es sich um einen anderen Vorwurf handelt - wenn auch im Zusammenhang mit derselben Tat.

dpa

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