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Politik Nach Anschlag: Mehr Soldaten verletzt als bekannt
Mehr Welt Politik Nach Anschlag: Mehr Soldaten verletzt als bekannt
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20:55 08.10.2010
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In allen deutschen Kasernen wehen die Fahnen auf halbmast. Die Soldaten trauern um einen 26-jährigen Oberfeldwebel, der in Seedorf (Kreis Rotenburg/Wümme) stationiert war. Der aus Halle in Sachsen-Anhalt stammende Fallschirmjäger war am Donnerstag in Nordafghanistan von einem Selbstmordattentäter getötet worden. Heute Vormittag findet im deutschen Feldlager in Kundus eine Trauerfeier statt. Generalmajor Hans-Werner Fritz, deutscher Regionalkommandeur in Nordafghanistan, wird zu den Soldaten sprechen. Anschließend soll der Sarg mit dem Toten durch ein Spalier zu einem Flugzeug gebracht und nach Deutschland geflogen werden.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Generalleutnant Rainer Glatz, berichteten gestern in Berlin, wie sich der Anschlag zugetragen hat. Soldaten des deutschen Ausbildungs- und Schutzbataillons seien von einem als Bauer verkleideten Attentäter angegriffen worden. Der Mann habe sich aus einer Gruppe von Feldarbeitern getrennt und sei auf die Soldaten zugekommen. Die Soldaten bewachten sechs Kilometer nordwestlich von Pol-e-Khumri einen Übergang über den Fluss Baghlan und hatten ihre gepanzerten Fahrzeuge verlassen. Sie wurden offensichtlich von dem Attentat überrascht. Die Wucht der Explosion war so heftig, dass Experten noch immer verblüfft sind. „Einen solchen Vorfall hatten wir noch nicht“, sagte Glatz. Der Sprenggürtel des Attentäters sei mit Stahlkugeln gefüllt gewesen. Sie durchschlugen die Türen und die Panzerglasscheiben von zwei „Dingos“. Diese Allzwecknutzfahrzeuge galten bisher als die Transporter, die den Soldaten den besten Schutz bieten.

Bei dem Attentat und dem Feuergefecht, das sich danach entwickelte und fast sieben Stunden andauerte, wurden insgesamt 14 Soldaten verletzt. Nach Angaben der Bundeswehr schwebt keiner von ihnen in Lebensgefahr. Die Verwundeten werden im deutschen Lazarett in Masar-i-Scharif und im Rettungszentrum in Kundus medizinisch versorgt.

Guttenberg sagte, „Der Einsatz in Afghanistan ist und bleibt höchst gefährlich. So bedrückend diese Aussage ist, so wichtig ist es, weiterhin hier auch in aller Offenheit darauf hinzuweisen.“ Auch im Landtag in Hannover machte er gestern Nachmittag deutlich, dass er sich weiterhin um „besten Schutz und um die beste Ausbildung für unsere Soldatinnen und Soldaten“ bemühe. „Es wird immer wieder auch Fälle geben, die man wahrscheinlich sogar mit dem besten, dem optimalen Schutz und der allerbesten Ausbildung kaum verhindern können wird.“

Der CSU-Politiker warnte davor, zu viel von dem internationalen Einsatz in Afghanistan zu erwarten: „Es kann nicht darum gehen, Luftschlössern hinterherzueilen und Illusionen zu bedienen, sondern die Ziele müssen erreichbar sein.“ Das Hauptziel ist für Guttenberg, dass von Afghanistan keine Gefahr mehr für die internationale Sicherheit ausgeht. Dazu leisteten die deutschen Soldaten einen unverzichtbaren Beitrag. Er sei notwendig, damit sich in Deutschland nicht solche Attentate ereigneten, wie sie die Bundeswehr in dieser Woche in Afghanistan erlebt habe.

Gouverneur von Kundus bei Anschlag getötet

Der Gouverneur der nordafghanischen Provinz Kundus ist bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen. Wie ein Sprecher der Provinzregierung am Freitag mitteilte, nahm Gouverneur Mohammad Omar gerade am Freitagsgebet in einer Moschee in der Nachbarprovinz Tachar teil, als in dem Gotteshaus ein Sprengsatz explodierte. Neben dem Politiker seien mehr als 20 weitere Gläubige getötet oder verletzt worden. Weitere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Die Provinzen Kundus und Tachar gehören zum Einsatzgebiet der Bundeswehr.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Klaus von der Brelie / dpa