Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik NSA speicherte mehr als 300 Berichte über Merkel
Mehr Welt Politik NSA speicherte mehr als 300 Berichte über Merkel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:58 29.03.2014
Foto: Allein über Merkel seien mehr als 300 Berichte gespeichert, berichtet „Der Spiegel“ unter Berufung auf ein geheimes NSA-Dokument.
Allein über Merkel seien mehr als 300 Berichte gespeichert, berichtet „Der Spiegel“ unter Berufung auf ein geheimes NSA-Dokument. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Der US-Geheimdienst NSA hat nach einem Medienbericht in einer Datenbank über 100 Staats- und Regierungschefs offiziell als Spionageziele erfasst, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Allein über Merkel seien mehr als 300 Berichte gespeichert, berichtet „Der Spiegel“ unter Berufung auf ein geheimes NSA-Dokument aus dem Archiv des Informanten Edward Snowden.
Das Dokument belege, dass die National Security Agency (NSA) nachrichtendienstliche Erkenntnisse über die Kanzlerin gesammelt habe, und könnte damit ein wichtiges Beweisstück für die Bundesanwaltschaft sein, heißt es weiter. Diese wolle in Kürze entscheiden, ob sie ein Ermittlungsverfahren wegen Spionage einleitet.

Die Karlsruher Behörde beschäftigt sich mit zwei Vorwürfen. Einer betrifft das massenhafte Ausspähen der Bürger in Deutschland, der andere den konkreten Punkt, dass ein Mobiltelefon Merkels abgehört worden sein soll. Sollte tatsächlich ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden, erwarten Experten neuen Ärger mit den USA. Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Snowden hatte Tausende Geheimdokumente an Journalisten übergeben und so den NSA-Skandal losgetreten.

Das Dokument, das „Der Spiegel“ einsehen konnte, liste allem Anschein nach alphabetisch 122 Staats- und Regierungschefs auf, über die die NSA im Mai 2009 Informationen gesammelt habe, heißt es. Zwölf Namen seien exemplarisch aufgeführt, darunter Merkel. Die Liste beginne bei A wie Abdullah Badawi, dem damals gerade zurückgetretenen malaysischen Ministerpräsidenten. Nummer 122 sei - von der NSA mit Y geschrieben - Julia Timoschenko, 2009 noch ukrainische Premierministerin.

Das Magazin berichtet auch über ein weiteres Dokument aus der NSA-Abteilung „Special Sources Operations“, die für den Zugang zu den großen Internettrassen zuständig sei. Daraus gehe hervor, dass das für NSA-Anträge zuständige US-Sondergericht den Geheimdienst am 7. März 2013 autorisiert habe, Deutschland zu überwachen. Welche Daten davon genau betroffen seien, lasse sich anhand des Dokumentes nicht sagen.
„Der Spiegel“ beruft sich aber auf die Einschätzung der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation Aclu. Diese geht demnach davon aus, dass der NSA damit der Zugriff auf die Kommunikation aller deutschen Staatsbürger erlaubt ist.

dpa

Mehr zum Thema

Die ersten Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes ziehen in die neue Zentrale in Berlin ein. Es ist der größte Bau der bundesrepublikanischen Geschichte seit dem Krieg - und streng geheim.

28.03.2014
Politik Erste Schritte zur Geheimdienstreform - Obama will die NSA zähmen

US-Geheimdienste sollen Telefondaten von Amerikanern nicht länger eigenständig speichern dürfen. In Zukunft sollen die Metadaten nur noch bei den jeweiligen Kommunktionsfirmen verbleiben und nach einer gewissen Frist gelöscht werden.

Stefan Koch 25.03.2014

Kritisiert wurde viel, gemacht bisher wenig. Die NSA könnte in ihrer Datensammelwut politisch ausgebremst werden. Ein Zeitungsbericht legt es zumindest für die Speicherung von Telefon-Metadaten nah.

25.03.2014
Politik Klitschko in der Ukraine - Bürgermeister statt Präsident
29.03.2014
29.03.2014