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Politik NRW-Ministerpräsident in Spe: Wie Wüst vom Raubein zu Laschets „Kronprinz“ wurde
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20:33 05.10.2021
Hendrik Wüst (CDU), Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen, gestikuliert vor einer CDU Fraktionssitzung. Ministerpräsident Laschet hat Wüst als Personalvorschlag für das Amt des Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und CDU-Landesvorsitzenden vorgeschlagen.
Hendrik Wüst (CDU), Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen, gestikuliert vor einer CDU Fraktionssitzung. Ministerpräsident Laschet hat Wüst als Personalvorschlag für das Amt des Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und CDU-Landesvorsitzenden vorgeschlagen. Quelle: Marcel Kusch/dpa
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Düsseldorf

Hendrik Wüst hat in der nordrhein-westfälischen CDU bereits eine steile Karriere hingelegt - allerdings auch schon mit markanten Talfahrten. Seit Monaten ist der 46-jährige NRW-Verkehrsminister als aussichtsreichster Nachfolger für Armin Laschet in dessen Amt als Ministerpräsident und Landesparteichef gehandelt worden. Seine Anhänger forderten immer wieder, dass der Jurist auch direkt als Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 15. Mai 2022 aufgebaut wird.

Das will Laschet auch: „Das ist ein Macher“, lobte der Ministerpräsident seinen „Kronprinzen“. Und Wüst selbst machte auch gleich klar, dass er sich nicht als Übergangskandidaten versteht: Er wolle die „freundschaftliche Zusammenarbeit“ in der Regierungskoalition mit der FDP „in den kommenden Jahren fortsetzen“, unterstrich er seine Ambitionen.

Wüst: „Mit ganzer Kraft“ in den Dienst des Landes

Der passionierte Jäger und Krimi-Fan, der sich früher - durchaus auch innerparteilich - Feinde als robuster „Hau-Drauf“ gemacht hatte, war zuvor monatelang sehr vorsichtig in der Deckung geblieben. Der gereifte Wüst präsentiert sich versöhnlich, geschmeidig, sachbezogen und ließ lieber seine Unterstützer für sich werben als selbst auf die Trommel zu schlagen.

Auf die „Kronprinzen-Frage“ antwortete er gerne betont zurückhaltend: „Wir haben viele gute Kandidaten.“ Erst nachdem sich Laschet am Dienstag klar für Wüst ausgesprochen hatte, präsentierte der sich selbstbewusst und kündigte an, er wolle die Transformation des Industrielands NRW voranbringen. Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung gehörten nun zu den größten Aufgaben. Außerdem wolle er sich um Bildung, Wohlstand, soziale Sicherheit und Digitalisierung kümmern.

Wüst versprach, sich „mit ganzer Kraft“ in den Dienst des Landes und der Menschen zu stellen. „Unsere Heimat liegt mir am Herzen“, betonte der als bodenständig geltende Münsterländer. „Dem Zusammenhalt von Land und Leuten fühle ich mich persönlich verpflichtet.“

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Wüsts Vorteile gegenüber anderen denkbaren Optionen waren im Auswahlprozess offenbar nicht zu schlagen: Er ist jung, hat Regierungserfahrung und erfüllt sofort die Verfassungsvorgabe, dass ein Ministerpräsident in NRW auch ein Landtagsmandat haben muss. Dass der einstige Landesvorsitzende der Jungen Union (2000-2006) machtbewusst ist, ist kein Geheimnis.

2010 Rücktritt als Generalsekretär der CDU in NRW

Innerhalb der NRW-CDU machte er früh klar, dass er nur zur Verfügung stehe, wenn die Führung der Regierung und der Partei, wie bei Laschet, in einer Hand bleibt. Kreuzfeuer von einem Gegenspieler - als möglicher Landesparteichef war in den vergangenen Monaten oft der einflussreiche NRW-Innenminister Herbert Reul genannt worden - will der gewiefte Stratege ausschließen.

Hendrik Wüst (links) übernahm 2010 die Verantwortung in der Sponsoring-Affäre, die als „Rent-a-Rüttgers" bekannt wurde. Quelle: Federico Gambarini/dpa Pool/dpa

In seiner Zeit als Generalsekretär der NRW-CDU (2006 bis 2010) unter Landesparteichef Jürgen Rüttgers hatte Wüst mit einem raubeinig-forschen Stil polarisiert. Er provozierte damals Negativ-Schlagzeilen wegen seines allzu kaltschnäuzigen Umgangs mit Oppositionspolitikern, musste überhöhte Versicherungszuschüsse vom Landtag zurückzahlen und im Februar 2010 von seinem Amt als Generalsekretär zurücktreten. Er übernahm damit die Verantwortung für eine Affäre, die bundesweit unter dem Titel „Rent-a-Rüttgers“ bekannt geworden war und die Regierungspartei dem Vorwurf der Käuflichkeit ausgesetzt hatte.

Seit 2005 immer mit Direktmandat nach Düsseldorf

Seit Laschet ihn im Juni 2017 als Verkehrsminister in sein schwarz-gelbes Kabinett berief, ist Wüst in keine Fettnäpfchen getreten. Zuletzt signalisierte er im Landtag Einigungswillen mit SPD und Grünen über ein geplantes Fahrradgesetz. Falls sich 2022 auch in NRW neue Bündnisfarben empfehlen sollten, gäbe es weitere Schnittmengen mit den beiden Oppositionsparteien: den angepeilten Ausbau des Bahnverkehrs und die Transformation zum klimaneutralen Industrieland. Der heutige Koalitionspartner FDP hat mit dem wirtschaftsliberalen Wüst ohnehin keine Probleme.

In der breiten Öffentlichkeit ist der hoch gewachsene Politiker kaum bekannt. Obwohl er vor allem bundespolitisch noch blass ist, hat der Vater einer kleinen Tochter zumindest kommunalpolitisch unter Beweis gestellt, dass er Menschen überzeugen kann: In seinem Heimat-Wahlkreis Borken wurde er seit 2005 schon vier Mal direkt in den Düsseldorfer Landtag gewählt - damals als jüngster Landtagsabgeordneter der CDU.

RND/dpa

Der Artikel "NRW-Ministerpräsident in Spe: Wie Wüst vom Raubein zu Laschets „Kronprinz“ wurde" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.