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Politik Mutmaßlicher Attentäter von Bombay bekennt sich schuldig
Mehr Welt Politik Mutmaßlicher Attentäter von Bombay bekennt sich schuldig
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20:15 20.07.2009
Im November 2008 wurde das Taj Mahal Hotel in Bombay Ziel von Terroranschlägen. Quelle: Pedro Ugarte/afp
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Der Staatsanwaltschaft in Bombay zufolge räumte Mohammed Ajmal Amir Iman am Montag vor einem Sondertribunal erstmals die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ein. Überlebende der Anschläge und Angehörige der Todesopfer begrüßten das Bekenntnis des 21-jährigen Pakistaners, dem nun die Todesstrafe droht.

Der Angeklagte sei aufgestanden und habe gesagt, er wolle ein Geständnis ablegen, sagte Staatsanwalt Ujjwal Nikam. „Ich bekenne mich schuldig“, sagte der auch Kasab genannte Pakistaner und überraschte damit sowohl seinen Verteidiger als auch Richter und Staatsanwaltschaft. Kasab hatte sich stets für unschuldig erklärt und alle 86 gegen ihn erhobenen Anklagepunkte wie „kriegerische Handlungen“ gegen Indien, Mord und Entführung zurückgewiesen.

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Kasab begründete nach einem Bericht der Nachrichtenagentur PTI sein Geständnis mit der Entscheidung Pakistans, seine Nationalität anzuerkennen. Er sei zu nichts gezwungen worden und bitte das Gericht, seine Erklärung anzuerkennen, sagte der Angeklagte.

Außer dem Pakistaner sind noch zwei Inder angeklagt, die die Attentäter logistisch unterstützt haben sollen. Kasabs Verteidiger Abbas Kazmi sagte, die Verteidigung seines Mandanten angesichts der 134 Zeugenaussagen und Beweisen wie DNA-Tests und Überwachungsaufnahmen eine „nahezu unmögliche Aufgabe“. Er habe nichts von dem geplanten Geständnis gewusst. „Jeder war geschockt - ich auch.“

Bei den Anschlägen auf mehrere Luxus-Hotels, einen Bahnhof und ein jüdisches Zentrum in Bombay waren Ende November 174 Menschen getötet worden, unter ihnen neun der zehn mutmaßlichen Attentäter. Hunderte wurden verletzt. Der überlebende Attentäter schilderte vor Gericht, wie er mit seinem Komplizen Abu Ismail das Feuer auf dem Bahnhof eröffnete. „Ich habe geschossen und Abu warf Handgranaten“, sagte Kasab. Anschließend seien sie geflüchtet und hätten weiter um sich gefeuert.

Eine 55-Jährige, die bei den Anschlägen ihren Mann verlor und deren Neffe verletzt wurde, sagte, der Attentäter habe ihr „gesamtes Leben ruiniert.“ Die Tochter eines der bei den Anschlägen getöteten Polizisten sagte, das Geständnis helfe ihr, den Verlust zu verkraften. „Mein Vater war mein bester Freund“, sagte Divya Salaskar. „Nun sehe ich Licht am Ende des Tunnels.“ Sie forderte die Todesstrafe für Kasab.

Indien, die USA und Großbritannien verdächtigen die in Pakistan ansässige Islamistengruppe Lashkar-e-Taiba (LeT) als Drahtzieher der Anschläge. Die LeT und die Regierung in Islamabad haben dies zurückgewiesen. Pakistan räumte aber ein, dass die Anschläge „zum Teil“ auf seinem Gebiet geplant wurden.

afp