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12:58 10.07.2013
Mit dem Koran in der Hand protesieren aufgebrachte Anhänger der Muslimbruderschaft gegen die Absetzung von Ägyptens Präsident Mursi. Quelle: dpa
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Kairo

Die Muslimbruderschaft hat ein Angebot der ägyptischen Übergangsregierung zur Zusammenarbeit ausgeschlagen. In der Muslimbruderschaft hat der vor einer Woche gestürzte Präsident Mohammed Mursi seine politische Heimat.

Der neue Chef der Übergangsregierung, Hasem al-Beblawi, hatte angekündigt, auch Vertreter der Muslimbruderschaft an der Macht beteiligen zu wollen. Die Übergangsregierung hat ein wirtschaftlich schwer angeschlagenes Land übernommen. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen Ägypten mit Milliardenhilfen unter die Arme greifen. Die Muslimbruderschaft gab sich unversöhnlich und fordert die Wiedereinsetzung Mursis, dem ersten frei gewählten Präsidenten Ägyptens. "Wir werden nichts mit einer Regierung zu tun haben, die aus einem Militärputsch hervorgegangen ist", sagte der Funktionär Saad Emara von der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (FJP) dem Sender Al-Dschasira am Mittwoch.

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Kurz vor Beginn des Fastenmonats Ramadan am Mittwoch hatte das Amt von Übergangspräsident Adli Mansur eine Versöhnungsinitiative in der kommenden Woche angekündigt. Ziel sei es, die Spaltung in der Gesellschaft zu überbrücken und Blutvergießen zu vermeiden, schrieb die Zeitung "Al-Ahram" online. Alle seien eingeladen, an dieser allumfassenden Initiative mit dem Namen "Eine Nation" teilzunehmen.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena wollte al-Beblawi neben der FJP auch Vertreter der ultrakonservativen Nur-Partei an der Übergangsregierung beteiligen. Mansur hattebereits einen Fahrplan für Verfassungsänderungen und Neuwahlen binnen sechs Monaten präsentiert. Die ehemals regierende Muslimbruderschaft lehnt den Plan jedoch ab. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen der bedrängten Übergangsregierung mit Milliardenhilfen unter die Arme greifen. Der saudische Finanzminister Ibrahim bin Abdulasis Al-Assaf kündigte ein Hilfspaket in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar an, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA meldete.

Die staatliche Nachrichtenagentur Wam meldete, die VAE hätten Mansur insgesamt drei Milliarden US-Dollar an Direkthilfen und zinslosen Krediten zugesagt. Bei einem Angriff auf einen Polizeiposten auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel wurden am Mittwoch zwei Zivilisten getötet. Drei weitere Zivilisten sowie drei Polizisten seien zudem verletzt worden, als Unbekannte in Sadr al-Hetan das Feuer eröffneten, hieß es aus Sicherheitskreisen.

In Kairo und anderen Städten des nordafrikanischen Landes hatten am Dienstag erneut Zehntausende Anhänger der Muslimbruderschaft gegen die Absetzung Mursis demonstriert. Im Gegenzug warnte das Oberkommando der bewaffneten Streitkräfte die Islamisten vor einer Fortsetzung ihrer Verweigerungspolitik. "Das Schicksal der Nation ist zu wichtig und zu heilig, als dass es - unter welchem Vorwand auch immer - Gegenstand von Manövern und Blockaden werden kann", hieß es in einer Erklärung, die am Dienstag im staatlichen Fernsehen verlesen wurde.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte unverhältnismäßige Gewalt der Sicherheitskräfte, die sofort beendet werden müsse. Recherchen deuteten darauf hin, dass Soldaten ohne Not das Feuer auf Pro-Mursi-Demonstranten eröffnet hätten. Vielen Tote und Verletzten sei mit scharfer Munition auf Kopf und Oberkörper geschossen worden. Bei Zusammenstößen zwischen Islamisten und dem Militär in Kairo waren allein am Montag nach offiziellen Angaben mindestens 51 Menschen getötet und 435 weitere verletzt worden.

Die USA äußerten sich positiv über den Plan. "Wir sind vorsichtig optimistisch über die Ankündigung der Übergangsregierung. Wir glauben, das ist eine gute Sache", sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, in Washington. Alle Parteien sollten sich an dem Dialog über den demokratischen Prozess beteiligen. Carney bekräftigte, die US-Regierung überlege weiterhin, wie sie die Absetzung Mursis durch das Militär nennen solle.

Bislang vermeiden die Amerikaner, das Geschehen als Putsch zu bezeichnen. Die Konsequenzen einer Festlegung gingen weit darüber hinaus, ob die Hilfszahlungen an Kairo in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar (1,17 Milliarden Euro) weiter fließen dürften, sagte Carney. Zuvor hatte Carney klar gemacht, die USA wollten weiterhin Militär- und Finanzhilfen an Ägypten zahlen.

dpa

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