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Politik „Mitunter gefährlich“: Hinter den Kulissen der Pandora-Papers
Mehr Welt Politik „Mitunter gefährlich“: Hinter den Kulissen der Pandora-Papers
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19:04 04.10.2021
Hände schreiben auf einer Computertastatur. (Symbolbild)
Hände schreiben auf einer Computertastatur. (Symbolbild) Quelle: imago/photothek
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Berlin

Die Daten kamen aus einer anonymen Quelle – und waren mehr, als ein Rechercheteam bewältigen kann. An mehr als 150 Medienorganisationen aus 117 Ländern hat das Internationale Consortium für Investigative Journalistinnen und Journalisten (ICIJ) die geheimen Dokumente von 14 Kanzleien und Finanzdienstleistern zur Auswertung weitergegeben – unter anderem an die „Washington Post“, den „Guardian“, den „Indian Express“, an „Le Monde“ und „Aftenposten“ teilte. In Deutschland waren der Norddeutsche und der Westdeutsche Rundfunk sowie die „Süddeutsche Zeitung“ beteiligt.

„Ein solches Projekt braucht jemanden, der es koordiniert, das war in diesem Fall das Consortium für Investigative Journalisten, die seit den „Panama Papers“ große Erfahrung damit haben, eine so große Gruppe zu organisieren“, erzählt Hannes Munzinger, der 2016 bereits an den „Panama Papers“ mitgearbeitet hat und nun das Pandora-Projekt als Redakteur im Investigativteam der „Süddeutschen Zeitung“ betreut.

Hannes Munzinger von der „Süddeutschen Zeitung". Quelle: Urs Mader

Neben klaren Strukturen und gewissen Hierarchien seien dazu technische Plattformen zum sicheren Austausch nötig, auf denen die Rechercheure ihre Funde in den Daten einander mitteilen und sie miteinander besprechen. „All das ist natürlich nur möglich, wenn man sich gegenseitig vertraut und bereit ist, seine zusätzlichen Rechercheergebnisse mit anderen zu teilen“, so Munzinger.

In diesem Punkt sei der internationale Journalismus in den letzten Jahren immer weiter gekommen, um mit der globalen Vernetzung von Finanzströmen und Wirtschaft, aber auch der organisierten Kriminalität mithalten zu können. „Es gibt eine neue Normalität, dass man kooperiert“, sagt der 33-Jährige. Deshalb wolle man auch weniger die Arbeitsweise und stärker die Befunde thematisieren.

Befunde zeigen Beteiligung organisierter Kriminalität

Zu diesen Befunden zählt allerdings auch die Beteiligung der organisierten Kriminalität in die internationale Steuervermeidung und Geldwäsche: Die Dokumente zeigen neben den Geschäften von Prominenten und Firmenvorständen auch, wie Mafiosi Briefkastenfirmen nutzen, um ihren Besitz zu verschleiern und anonym zu bleiben. Organisierte Betrugsnetzwerke bauen weit verzweigte Firmengeflechte auf, um Kunden um ihr Vermögen zu bringen. Auch Geheimdienste können eine Rolle spielen, wenn Transaktionen autokratischer Herrscher aufgedeckt werden.

„Für manche Kollegen im Ausland ist das mitunter gefährlich“, sagt Munzinger. „Wir in Deutschland fühlen uns sehr sicher. Aber es gibt traurige Beispiele von vergangenen vergleichbaren Recherchen: Zum Beispiel wurde in Malta eine Kollegin ermordet, die an den ‚Panama Papers‘ mitgearbeitet hatte und die dortige Regierung in große Schwierigkeiten gebracht hat.“ Darauf müsse der Verbund stets achten.

Andererseits täusche aber auch der bisweilen in Deutschland geäußerte Eindruck, dass die regelmäßigen Datenlecks aus Steueroasen keine großen Konsequenzen hätten. „Das ist ein relativ deutscher Blick darauf. International hat sich sehr viel getan“, sagt Munzinger. Allein die Nachforderungen der verschiedenen Finanzbehörden in aller Welt, sei es aus nicht gezahlten Steuern, sei es aus Strafen nach Gerichtsverfahren, beliefen sich insgesamt auf 1,2 Milliarden Euro.

Munzinger: In Steueroasen hat sich einiges getan

„Dazu kommen die politischen Auswirkungen“, so der Journalist. „Die mögen in Deutschland weniger drastisch gewesen sein, aber zum Beispiel ist in einem riesigen Staat wie Pakistan nach den ‚Panama Papers‘ der Premierminister zurückgetreten und am Ende auch im Gefängnis gelandet. In Island war zwei Tage lang die halbe Bevölkerung auf den Straßen, bis der Premierminister zurücktrat“, betont er.

Und auch in den Steueroasen selbst habe sich einiges getan, so Munzinger: „Ich glaube, es gibt kaum noch jemanden, der sein Geld heute noch nach Panama trägt, um es dort zu verstecken.“

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Zwar fänden Leute, die etwa Geld aus kriminellen Machenschaften verstecken wollen, immer neue Wege. Aber allein, dass die neuen Dokumente aus 14 unterschiedlichen Kanzleien oder Finanzdienstleistern stammen, zeige ja: „Ganz sicher können sie sich nirgendwo mehr fühlen.“

Von Steven Geyer/RND

Der Artikel "„Mitunter gefährlich“: Hinter den Kulissen der Pandora-Papers" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.