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Politik Mitt Romney: Vom harten Sanierer zum Gemäßigten
Mehr Welt Politik Mitt Romney: Vom harten Sanierer zum Gemäßigten
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17:32 05.11.2012
Von Stefan Koch
Mitt Romney hat sich durch seine Kehrtwenden im US-Wahlkampf den Namen „Flip Flopper“ (Wendehals) eingebracht. Quelle: dpa
Washington

Der Politikexperte, der immer dicht an der Seite des früheren Präsidenten George W. Bush stand, liefert schon mal ein Argument, falls es für die Republikaner am heutigen Wahltag nicht reichen sollte.

Von dieser Verzagheit will der eigentliche Kandidat jedoch nichts wissen. Mitt Romney tritt am letzten Tag des Wahlkampfes gleich in vier Bundesstaaten auf: In Florida, New Hampshire, Ohio und Virginia kämpft er um jede einzelne Stimme. Und während Senior-Berater Rove schon erste Zweifel an den parteieigenen Leistungen durchschimmern lässt, ist an der Basis eine ganz andere Stimmung zu beobachten: Viele Republikaner haben sich – spät, aber vielleicht nicht zu spät – mit ihrem Frontmann angefreundet. Der 65-Jährige, der vielen Konservativen so lange Zeit so fremd erschien, erobert auf den letzten Metern doch noch die Herzen seiner Parteifreunde.

Es hat lange gedauert, bis er sich gegenüber fremden Menschen entspannt und gelöst zeigen konnte: Zu Beginn des parteiinternen Vorwahlkampfes erschien er vielen Mitgliedern zunächst als hölzern, der sich wie mit einer Maske vor dem Gesicht präsentiert. Es ist eben nicht jedem in die Wiege gelegt, locker plaudernd auf wildfremde Menschen zuzugehen. Hinzukommt Romneys Neigung, seine Argumente wie mit einem Maschinengewehr schnell abzufeuern und dabei manchmal das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Die wohl größte Hürde allerdings war der Vorwahlkampf: Um gegen Obama antreten zu können, musste er zunächst den marktradikalen Flügel mit seinen Tea-Party-Leuten für sich gewinnen. An deren Glaubensgrundsätzen – keine Steuererhöhungen, keine verpflichtende Krankenversicherung – durfte zunächst niemand in der "Grand Old Party" rütteln. Für Romney, der als früherer Gouverneur von Massachusetts in dem Ruf eines gemäßigten konservativ-liberalen Politikers steht, war das keine leichte Aufgabe. Er stand zu lange aktiv in der Politik und führte als Unternehmer zu lange diverse Firmen, um zu wissen, dass man die Einnahmeseite eines Staates nicht vernachlässigen darf.

Gleichwohl ist Romney zutiefst davon überzeugt, dass das beste Wohlfahrtssystem in einem gut funktionierenden Arbeitsmarkt besteht. Ein profitables Unternehmen, das verstärkt Arbeitskräfte einstellt, leistet seiner Meinung nach mehr als jede Sozialbehörde, die die Armut auf Dauer zementieren könnte.

Romney ist kein politischer Visionär. Ein Staatsamt tritt er ebenso pragmatisch an wie den Vorsitz einer Aktiengesellschaft. Daran können sich die Bewohner von Massachusetts noch gut erinnern: Als Gouverneur wurde er mit dem Drama der mangelhaften Krankenversicherung in diesem Bundesstaat konfrontiert und schuf kurzerhand in enger Kooperation mit den Demokraten ein neues System für die Gesundheitsversorgung. Dieses Konzept wurde später zur Blaupause für die „Obamacare".

Nun macht Romney einen großen Unterschied, ob solche Vorhaben auf Bundesstaatsebene oder einheitlich in den gesamten USA umgesetzt werden sollen. Aber in den vergangenen Wochen hob er hervor, dass er trotz Kritik an "Obamacare" einige - wesentliche - Teile dieser Reform in seiner Amtszeit übernehmen will.

Überhaupt zeigt sich Romney äußert handzahm, seit dem er die offizielle Kandidatur seiner Partei in der Tasche hat.

Eifrig wurde in den vergangenen Monaten über die Beweggründe dieses Multimillionärs spekuliert. Mit einem geschätzten Privatvermögen von etwa 250 Millionen US-Dollar hätte er es ja eigentlich nicht nötig, sich so sehr in einem Wahlkampf zu verausgaben. Manche Mitarbeiter in seinem Wahlkampfteam verweisen bei dieser Frage gern auf Romneys Familiengeschichte: Auch sein Vater George galt als erfolgreicher Politiker, der als Gouverneur von Michigan über Parteigrenzen hinweg populär war. Unter anderem stärkte er die Bürgerrechte der afroamerikanischen Bevölkerung. Als Präsidentschaftskandidat scheiterte er 1968 jedoch in den parteiinternen Vorwahlen. "Wenn Mitt Romney ins Weiße Haus einzieht, würde er diese Familiengeschichte fortschreiben", sagt ein Vertrauter.

Im Wahlkampfteam der Republikaner werden allerdings zumeist andere Gründe genannt. Für den Chefberater John Sununu steht fest: „Über 25 Jahre lang beschäftigte sich Romney mit der Sanierung von maroden Firmen. Er traut es sich einfach zu, die kriselnde US-Wirtschaft wieder in den Griff zu bekommen."

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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