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Politik Mit Merkel und der „Adenauer“ über den Wolken
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21:57 26.12.2012
Angela Merkel gibt sich meist entspannt und plauderbereit. Quelle: dpa
Berlin

„Also, wir fliegen jetzt nach Moskau“ oder „Ja, wir reisen nach Malta und Zypern“. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel im Flugzeug die mitreisenden Journalisten begrüßt, verbreitet sie ein bisschen die Atmosphäre eines Betriebsausflugs. Natürlich ist sie die Hauptperson, auf die sich alle Aufmerksamkeit richtet. Aber eine Aura der Macht verbreitet die Kanzlerin auch hoch über den Wolken nicht um sich herum.

Mit einem Pappbecher in der Hand kommt sie oft in die mit dunklem Holzfurnier ausgeschlagene Lounge des Regierungs-Airbus, in die sich die Journalisten drängen, um mit ihr ein Hintergrundgespräch zu führen. Es beginnt meist damit, dass Merkel kurz über den Zweck der jeweiligen Reise redet und die Journalisten dann Fragen stellen. Hält die Kanzlerin eine davon für abwegig oder überflüssig, verzieht sie etwas gequält das Gesicht.

21-mal ist die Kanzlerin in diesem Jahr zu offiziellen Besuchen ins Ausland gereist und fast immer in Begleitung von Journalisten. Hinzu kamen noch sieben EU-Gipfel und eine Rede vor dem EU-Parlament. Innerhalb Europas nutzt Merkel meist einen kleinen Bombardier-Jet mit zwölf Sitzen, bei weiteren Reisen den geräumigen Airbus 340 „Konrad Ade­nauer“, der für rund 200 Millionen Euro von der Lufthansa übernommen und aufwendig umgebaut wurde.

Airbus mit Drei-Klassen-Gesellschaft

In der „Adenauer“ herrscht eine Art Drei-Klassen-Gesellschaft. Im hinteren Teil sind neben den Journalisten auch die Sicherheitsleute untergebracht. In der Mitte mit Businessclass-Standard sitzen meist Wirtschaftsvertreter und die nicht ganz so wichtigen Mitarbeiter der Kanzlerin. Der vordere Teil dann ist Merkels Reich – oder desjenigen Spitzenpolitikers, der eben gerade einen der Regierungsflieger benutzt. Hier dürfen auch ihre engen Mitarbeiter wie Regierungssprecher Steffen Seibert oder der außenpolitische Chefberater Christoph Heusgen Platz nehmen. Neben Konferenzräumen mit tiefen Ledersesseln gibt es auch ein kleines Bad mit Dusche sowie zwei Schlafzimmer. Merkel soll schließlich frisch sein, wenn sie nach einem Nachtflug in Peking oder Buenos Aires ankommt.

Neben der Kanzlerin und dem Bundespräsidenten dürfen – nach einer festen Rangfolge – auch die Bundesminister sowie die Präsidenten von Bundestag, Bundesrat und Verfassungsgericht die Flugbereitschaft der Bundeswehr nutzen. Außerdem die Fraktions- und Parteichefs aus dem Bundestag und ein Kanzlerkandidat in den letzten zehn Wochen vor der Wahl. Dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau ist es zu verdanken, dass die Regierungsflugzeuge nicht mehr so martialisch wirken wie früher. 2003 sorgte er dafür, dass der große Schriftzug „Luftwaffe“ durch „Bundesrepublik Deutschland“ ersetzt wurde.

Die Lounge, in der die Kanzlerin oder andere Politiker die Journalisten zum Hintergrundgespräch treffen, ist für die Zahl der Anwesenden meist viel zu klein. Dunkles und glänzend lackiertes Holzfurnier umrahmt die schweren Polsterbänke, auf die sich die Medienvertreter drängen, oft hocken ein paar aus Platzmangel auf dem Boden. Das Gespräch findet stets „unter drei“ statt. Das heißt, dass über den Inhalt nicht berichtet werden darf. Irgendwann fließen die Informationen und Einschätzungen, die Merkel auf solchen Reisen preisgibt, aber doch in die Berichterstattung ein, und genau das ist auch das Ziel.

Achtung bei den Zwischentönen

Manchmal sind es auch Zwischentöne, die ein neues Bild ergeben. Während einer Reise nach Moldawien im August betonte Merkel gegenüber den Journalisten die Erfolge, die in Griechenland trotz aller Probleme in den vergangenen Jahren erreicht worden seien. Auch wenn niemand über dieses Gespräch berichten durfte, wurde rasch klar, dass Merkel in den Wochen zuvor entschieden hatte, Griechenland solle auf jeden Fall in der Euro-Zone bleiben. Und das konnten und sollten die Journalisten natürlich auch nach einiger Zeit der Öffentlichkeit mitteilen.

Anders als ihr Vorgänger Gerhard Schröder, der vor allem gegenüber männlichen Journalisten sehr kumpelhaft, aber auch ruppig werden konnte, bleibt Merkel bei solchen Gesprächen immer freundlich-distanziert. Sie kann aber manchmal sehr offen und sogar humorvoll davon erzählen, was sie etwa über Barack Obama, Wladimir Putin oder die jüngste Entwicklung in der Euro-Krise denkt. Außenminister Guido Westerwelle fällt das deutlich schwerer. Selbst im Gespräch „unter drei“ findet er nur selten aus seiner sehr förmlichen Rollenauffassung heraus.

Anders als zu früheren Zeiten war schon bei Schröder das Programm der Auslandsreisen sehr gedrängt. Dieser Trend hat sich bei Merkel noch verstärkt. Ein Gespräch mit dem jeweiligen Regierungs- oder Staatschef und dann vielleicht noch eine Rede an einer Universität oder ein Treffen mit Wissenschaftlern, Unternehmern oder Studenten – für mehr nimmt sich die Kanzlerin bei Besuchen in europäischen Hauptstädten keine Zeit.

Doch selbst bei Reisen auf andere Kontinente plant die Kanzlerin kaum Pausen oder gar touristische Programmpunkte ein. Als sie etwa im August zu einem zweitägigen Besuch nach China reiste, verbrachte sie eine Nacht auf dem Hinflug, eine Nacht in Peking und die nächste wieder auf dem Rückflug. Und als sie im Oktober 2011 Vietnam und die Mongolei besuchte, dauerte die gesamte Reise 78 Stunden – davon 34 an Bord des Flugzeugs.

Nach der Landung auf dem Flughafen Tegel warten dann schon auf dem Rollfeld eine paar Limousinen, die Merkel und ihre engsten Mitarbeiter abholen und nach Hause oder ins Kanzleramt bringen. Der Rest der Reisegesellschaft muss – wie schon vor dem Start in Berlin – durch den kleinen Terminal gehen, der dort für die Abfertigung von Regierungsflügen genutzt wird. Die Sicherheitsschleuse macht einen sehr improvisierten Eindruck und auch der Warteraum, in dem das Gepäck ankommt, könnte der eines Jobcenters oder Bürgeramts sein.

Das Gebäude stammt noch aus West-Berliner Zeiten und wurde in den sechziger Jahren vom französischen Militär für den eigenen Flugbetrieb gebaut. Auch die Straßen rund um das Regierungsterminal tragen alle noch französische Namen: Avenue Jean Mermoz oder Rue Joseph le Brix. Ob die französischen Straßenschilder bei ausländischen Spitzenpolitikern, die bei ihren Besuchen auch alle dort ankommen, schon für Verwunderung gesorgt haben, ist nicht bekannt. Zwar hätte auch das Regierungsterminal längst an den neuen Großflughafen BER im Südosten Berlins umziehen sollen. Doch wann der in Betrieb geht, steht bekanntlich in den Sternen.

Von Joachim Riecker

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