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Politik Militär übernimmt Kontrolle über spanischen Flugraum
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08:47 04.12.2010
Wartende Reisende am Flughafen in Madrid. Quelle: dpa
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Mit allen Mitteln hat die spanische Regierung versucht, das Luftverkehrschaos durch einen unangekündigten Streik der Fluglotsen in den Griff zu bekommen. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero ordnete am Freitagabend an, dass das Militär vorläufig die Luftraumkontrolle übernimmt. Den streikenden Lotsen drohte Madrid mit Festnahme, sollten sie am Samstag nicht wieder zur Arbeit erscheinen.

Zapatero bestellte das Kabinett am Samstagvormittag zu einer Krisensitzung ein. Dabei könne die Regierung den Notstand erklären, sagte Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba am Freitagabend vor Journalisten. „Wenn dann ein Kontrolleur nicht an seinem Arbeitsplatz erscheint, wird er umgehend in Haft genommen und eines Vergehens beschuldigt, das ernstafte Gefängnisstrafen nach sich ziehen kann.“

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Rund 90 Prozent der spanischen Fluglotsen hatten am Freitagnachmittag die Arbeit niedergelegt, um gegen Pläne der Regierung zu protestieren, ihre Arbeitszeiten zu verlängern. Der spanische Luftraum wurde darauf fast vollständig gesperrt. Hunderte Flüge fielen aus, rund 250.000 Passagiere saßen fest. Der Streik kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn er traf zeitlich mit dem Beginn eines langen Wochenendes in Spanien zusammen: Montag und Mittwoch sind dort freie Tage, weshalb viele Spanier Flüge gebucht hatten.

Empörte Passagiere machten an den Flughäfen ihrer Wut über die Fluglotsen Luft. Am Madrider Airport Barajas rief eine Gruppe immer wieder „Schamlos!“ und belegten die Kontrolleure mit Schimpfworten. „Das ist eine Frechheit. Wir leben in einem Dritte-Welt-Land“, sagte der 37-jährige Anwältin Laura Torre, die zu ihrem Mann nach Lanzarote fliegen wollte und in Madrid steckenblieb. Vor den Schaltern drängten sich lange Schlangen, notgedrungen machten es sich viele Passagiere auf dem Boden bequem.

Die Flughafengesellschaft AENA vereinbarte mit der europäischen Luftfahrtbehörde Eurocontrol und der US-Aufsicht FAA, dass bereits in der Luft befindliche Maschinen noch in Spanien landen könnten. Noch nicht gestartete Flugzeuge wurde jedoch keine Startgenehmigung mehr Richtung Spanien gegeben.

In Barcelona im Nordosten des Landes entspannte sich die Lage am späten Freitagabend, wie die AENA mitteilte. Demnach kehrten die Fluglotsen am Airport der zweitgrößten spanischen Stadt gegen 23 Uhr an ihre Arbeitsplätze zurück. Am Madrider Airport Barajas traten zwar fünf Fluglotsen zur Nachtschicht an. Sie konnten aber nicht ihren Dienst aufnehmen, weil ihre Kollegen in einem regionalen Kontrollzentrum weiter streikten.

Im Streit mit den Fluglotsen hatte die die unter massiven Sparzwängen stehende Regierung in Madrid am Freitag beschlossen, eine maximale Arbeitszeit von 1670 Stunden pro Jahr festschreiben. Dabei sind Zeiten, in denen die Lotsen nicht in der Flugüberwachung tätig sind, nicht einbezogen. Die Fluglotengewerkschaft kritisierte, damit würden etwa Krankheitstage nicht mehr als Arbeitszeit gerechnet. „Wir haben unsere mentale Grenze mit der neuen Verordnung erreicht, die uns verpflichtet, mehr zu arbeiten“, sagte Lotsensprecher Jorge Ontiveros.

Die Entscheidung zu den Arbeitsstunden ist Teil eines neuen Sparpakets der Regierung in Spanien, das nach der griechischen und irischen Schuldenkrise als weiterer möglicher Wackelkandidat in Europa gilt. Madrid beschloss dabei auch, bis zu 49 Prozent der Flughafenbehörde AENA an private Investoren zu verkaufen, was laut Medien bis neun Milliarden Euro bringen soll. Bisher hatte die Regierung den Verkauf von maximal 30 Prozent angestrebt.

Deutsche Airlines vom Streik in Spanien betroffen

Die vom Fluglotsenstreik in Spanien betroffenen deutschen Airlines warten auf ein Zeichen aus Madrid. „Wir wollen fliegen, sind aber abhängig davon, wie die Gespräche in Spanien verlaufen“, sagte Air-Berlin-Sprecherin Sabine Teller. Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero berief sein Kabinett für Samstagmorgen zu einer Krisensitzung ein. Bei der Lufthansa wollte man sich noch nicht konkret zum weiteren Vorgehen äußern. Aufgrund der Streiks seien Flüge verspätet gewesen oder ganz gestrichen worden, sagte ein Sprecher.

Bei Air Berlin waren insgesamt 26 Maschinen in der Nacht zum Samstag von den Streiks betroffen. Die Internetseiten der Flughäfen in Berlin und Frankfurt zeigten am Samstagmorgen bereits gestrichene Flüge in Richtung Spanien an.

afp/dpa