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Politik Milchbäuerinnen protestieren in Berlin mit Menschenkette
Mehr Welt Politik Milchbäuerinnen protestieren in Berlin mit Menschenkette
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19:44 17.05.2009
Mit einer Menschenkette in Berlin haben mehrere hundert Milchbäuerinnen gegen die fallenden Milchpreise protestiert. Quelle: DDP/Steffi Loos
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Der Deutsche Bauernverband (DBV), von dem sich viele familiär und naturnah wirtschaftende deutsche Landwirte abgewendet haben, distanzierte sich von den Protesten.

Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, forderte auf einer Abschlusskundgebung von der Bundesregierung, sich auf EU-Ebene für eine Begrenzung der produzierten Milchmenge einzusetzen. Sollte die Bundesregierung bis Juni keine entsprechenden Schritte unternehmen, sollten Bauern und Verbraucher bei den Europawahlen gegen die regierenden Parteien stimmen. "Regierende, die die Zukunft ihrer Bauern preisgeben, sind nicht wählbar, weder von den Bauern noch vom Rest der Gesellschaft", sagte Schaber.

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Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) rief dazu auf, für Parteien zu stimmen, die für eine Begrenzung der Milchquote sind. Ein höherer Milchpreis für die Bauern sei die "Voraussetzung, um den Naturschutz in der Landwirtschaft voranzubringen", sagte BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning, die ebenfalls an der Abschlusskundgebung zu den Bauern sprach. Unter anderem die Grünen haben bei ihrem Parteitag eine Begrenzung der Milchquote in ihr Programm aufgenommen.

Seit vergangenen Montag hatten mehrere hundert Bäuerinnen vor dem Berliner Kanzleramt campiert. Sie wollten mit ihren Protesten einen Milchkrisengipfel unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erzwingen. Am vergangenen Mittwoch traten sechs Frauen in den Hungerstreik, den sie am Sonntag beendeten.

Bauernverbands-Präsident Gerd Sonnleitner sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Wir dürfen die Augen vor der Wahrheit nicht verschließen." Die Forderung des Bundesverbands deutscher Milchviehhalter, künftig die Produktionsmenge europaweit flexibel der Nachfrage anzupassen, halte er für "völlig unrealistisch".

Der BDM dagegen ist der Auffassung, dass die Gesetze eines ungezügelten Marktes für die Landwirtschaft, bei der es auch um Schutz von Umwelt und Tieren gehe, nicht gelten sollten. Die Milchbauern fordern eine flexible Quote, damit jeweils nur so viel Milch produziert wird, wie in Europa gebraucht wird. Als Vorbild verweisen sie auf Kanada, das sich vor langem vom Milchexport verabschiedet hat.

afp