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Politik Migranten sind auf dem Arbeitsmarkt im Nachteil
Mehr Welt Politik Migranten sind auf dem Arbeitsmarkt im Nachteil
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14:20 28.05.2013
Schwerpunkt des Integrationsgipfels der Bundesregierung ist die Integration von Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt. Quelle: dpa
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Berlin

Zuwanderer haben auf dem deutschen Arbeitsmarkt deutliche Nachteile. Wie aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen, sind Menschen aus Migrantenfamilien besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Über die Eingliederung von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt beriet am Dienstag ein Integrationsgipfel bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Dazu kamen am Mittag Vertreter von Migrantenverbänden, Ländern, Kommunen und Wirtschaft ins Kanzleramt.

Rund 16 Millionen Menschen in Deutschland haben ausländische Wurzeln – das sind etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Unter den Arbeitslosen ist der Migrantenanteil aber deutlich höher. Die Bundesagentur für Arbeit lieferte dazu erstmals offizielle Zahlen. Die Agentur befragte alle bei ihr Gemeldeten, also mehrere Millionen Menschen, nach einem möglichen Migrationshintergrund. 70 Prozent machten dazu Angaben. Das Resultat: 35 Prozent der Arbeitslosen stammen aus Zuwandererfamilien.

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Die Krise in Südeuropa und die EU-Osterweiterung bescherten Deutschland im vergangenen Jahr die stärkste Zuwanderung seit 1995: Mehr als eine Million Menschen verlegten 2012 ihren Wohnsitz in die Bundesrepublik. Besonders stark stieg die Zahl der Zuwanderer aus den krisengeschüttelten südeuropäischen Staaten. Aktuellen Studien zufolge sind die neuen Zuwanderer überwiegend gut qualifiziert. Experten sehen dies als Chance, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler plädierte dafür, die Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer zu verstärken. "Die Sicherung von Fachkräften ist eine der größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft", sagte der FDP-Vorsitzende "Spiegel online". "Es wird allein nicht ausreichen, den Bedarf im Inland zu decken. Nach meiner festen Überzeugung brauchen wir auch mehr qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland." Die Union, vor allem die CSU, ist beim Thema Zuwanderung zurückhaltender.

Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft wird gefordert

Rösler verlangte erneut die Einführung einer doppelten Staatsbürgerschaft, wie sie vom Koalitionspartner CDU/CSU bislang abgelehnt wird. Außerdem plädierte er für ein Punktesystem für Zuwanderer nach kanadischem Vorbild, wie es die FDP seit Langem vorschlägt.

Wirtschaftsvertreter betonten die Bedeutung von Migranten für deutsche Firmen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warb dafür, in den nächsten zehn Jahren in allen größeren Städten Willkommenszentren für Einwanderer einzurichten.

Oppositionspolitiker warfen der Regierung beim Thema Integration Versagen vor. SPD-Vize Aydan Özoguz sagte der "Rheinischen Post": "Wir brauchen mehr ambitioniertes Handeln statt immer neue Aktionspläne." In der Integrationspolitik gehe es nicht voran. Die Linke-Politikerin Katina Schubert sagte, sie vermisse konkrete Fortschritte. Reine Showveranstaltungen brauche kein Mensch.

Grünen-Chefin Claudia Roth rügte die Integrationspolitik der Regierung als unzulänglich. "Willkommenskultur würde bedeuten, dass wir eine erleichterte Einbürgerung bekommen, dass wir die Hinnahme von Mehrstaatlichkeit bekommen, dass wir den bescheuerten Optionszwang endlich abschaffen." Bislang müssen in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern spätestens zum Ende des 23. Lebensjahres entscheiden, ob sie die deutsche Staatsbürgerschaft oder die des Herkunftslandes ihrer Eltern annehmen.

dpa

28.05.2013
28.05.2013