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Politik Miese Klima-Bilanz: Merkels Regierung fliegt lieber Hubschrauber
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10:49 24.08.2019
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kam im Hubschrauber zur Nationalen Luftfahrtkonferenz auf dem Flughafen Leipzig-Halle. Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Berlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Minister der Bundesregierung haben 2018 insgesamt 82 Dienstreisen mit Hubschraubern der Bundespolizei oder der Bundeswehr zurückgelegt. In 27 Fällen wurden die klimaschädlichen Auswirkungen dieser Flüge nicht kompensiert. Das geht aus einer Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Für ein Drittel der Hubschrauberflüge fehlen CO2-Zertifikate

Nach Angaben von Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber (CDU) wurden lediglich "55 Nutzungen im Rahmen der ,Maßnahmen zur Klimaneutralisierung der Bundesregierung' kompensiert". Bislang hatte die Bundesregierung behauptet, die klimaschädlichen Auswirkungen von Dienstreisen vollständig zum Beispiel durch den Kauf von CO2-Zertifikaten auszugleichen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) betonte im Dezember 2018: "Die Bundesregierung gleicht für ihre Dienstreisen alle Treibhausgasemissionen vollständig aus."

Die Hubschrauber von Bundespolizei und Bundeswehr werden vor allem von Kanzleramt und Verteidigungsministerium genutzt. Erst vor wenigen Tagen ist Merkel mit dem Hubschrauber zum Luftfahrtgipfel nach Leipzig geflogen. Die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) löste kurz nach Amtseinführung Kritik aus, als sie mit einem Hubschrauber von Berlin zum wenige Kilometer entfernt liegenden Einsatzführungskommando der Bundeswehr bei Potsdam reisten. Kritiker erklärten, die Ministerin hätte die Strecke mit der klimafreundlichen Bahn in 25 Minuten zurücklegen können.

Grünen-Verteidigungsexperte Lindner kritisiert "halbgares Versprechen"

"Offensichtlich gibt es ja eine Liste aller Hubschrauberflüge im Verteidigungsministerium. Wieso dann nur ein Teil davon ausgeglichen wurde, bleibt Betriebsgeheimnis des Verteidigungsministeriums", sagte Grünen-Verteidigungsexperte Tobias Lindner dem RND. Vor diesem Hintergrund sei die Zusicherung, "dass die Flüge der Bundesregierung ausgeglichen würden, ein "halbgares Versprechen".

Doch auch prominente Grünen-Politiker verhalten sich offenbar nicht immer vorbildlich. Wegen eines Hubschrauberflugs zu einer Naturschutzwanderung durch ein Moorgebiet musste sich im Dezember 2018 Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann rechtfertigen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber erklärte damals: "Ich musste mich schon sehr wundern, dass ausgerechnet ein grüner Ministerpräsident auf die Idee kommt, mit dem Hubschrauber zu einem Spaziergang im Moor zu fliegen."

Nach Berechnungen von Greenpeace stößt ein Hubschrauber pro Flugstunde bis zu 1000 Kilogramm CO2 aus.

Lesen Sie auch: Inlandsflüge: Ministerien und ihre Behörden buchten 2018 über 200.000 Flugreisen

Von Andreas Niesmann, Jörg Köpke/RND

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