Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Merkel verbittet sich schnelle Urteile über den Luftangriff
Mehr Welt Politik Merkel verbittet sich schnelle Urteile über den Luftangriff
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:12 08.09.2009
Wehrt sich gegen Kritik: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: ddp
Anzeige

Sie habe ihren Ärger über die Vorverurteilungen auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen mitgeteilt, „und zwar sehr unmissverständlich“. Deutschland werde bei der Aufklärung des Vorfalls nichts beschönigen, aber auch keine Vorverurteilungen akzeptieren.

Ähnlich äußerte sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Beide warben dafür, die Weichen für einen schrittweisen Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan zu stellen. In den nächsten fünf Jahren müssten substanzielle Fortschritte erzielt werden, die dann einen schrittweisen Rückzug der Soldaten erlaubten. Rückendeckung bekam Merkel am Dienstag vom FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle: „Hier haben Sie für Deutschland gesprochen.“

Anzeige

Die Regierungen in Paris und Luxemburg verzichteten am Dienstag auf weitere Stellungnahmen. Am Wochenende hatte Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner den von der Bundeswehr angeforderten Angriff als „großen Fehler“ bezeichnet. Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hatte gesagt: „Es ist schwer zu verstehen, warum so schnell Bomben geworfen wurden.“

In Berlin war Verteidigungsminister Franz Josef Jung dafür kritisiert worden, dass er betonte, Zivilisten seien nach den ihm zu Verfügung stehenden Informationen zwar verletzt, aber nicht getötet worden. Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin hatte gesagt, Jung äußere sich „wider besseres Wissen“.

Video: Merkel äußert "tiefes Bedauern"

Einen klaren Beweis für die Tötung von Zivilisten gibt es allerdings nach wie vor nicht. Bei der Nato in Brüssel hieß es am Dienstag lediglich, man gehe davon aus, dass bei der Explosion auch Zivilisten „getötet oder verletzt wurden“. Dies schließt auch Jung nicht mehr aus.

Ein afghanischer Generalleutnant sagte am Dienstag in Kundus, bei dem Angriff seien 82 Menschen getötet worden, außerdem seien verbrannte Waffen und Munition gefunden worden. „Das ist der Beweis, dass dieses Ziel kein ziviles, sondern ein militärisches Ziel war“, sagte der Ermittler, der seinen Bericht am Mittwoch Präsident Hamid Karsai übergeben will.

Bei einem Autobombenanschlag der Taliban vor dem Militärflughafen in Kabul wurden am Dienstag drei Zivilisten getötet. Sechs weitere Menschen wurden verletzt, als sich ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte.

von Stefan Koch und Klaus von der Brelie