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Politik Merkel und ein verunglückter Satz über Bin Laden
Mehr Welt Politik Merkel und ein verunglückter Satz über Bin Laden
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17:13 04.05.2011
Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt auf Schadensbegrenzung. Quelle: dpa
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Minutenlang hatte Angela Merkel den Amerikanern und speziell Präsident Barack Obama zu dem „wichtigen Schlag gegen den internationalen Terrorismus“ gratuliert. Nach dem Tod Osama bin Ladens sei klar, dass dieser „Kopf des Terrors“ keine weiteren Anschläge mehr in Auftrag geben könne. „Und das ist einfach und schlicht eine gute Nachricht.“ Dann, wie meist bei den Statements der Regierungschefin vor dem blassblauen Bundesadler im Kanzleramt, kamen die Reporter kurz zur Wort.

Um 14.35 Uhr, bei der dritten und letzten Wortmeldung (Merkel gelassen: „Noch eine Frage, würde ich sagen“), nahm das Malheur seinen Lauf. Erkennbar irritiert, mit leicht zusammengekniffenen Augen und den Kopf nach vorne gebeugt, folgt die Kanzlerin dem Fragesteller. Der will nach der Bemerkung, dass es sich bei der Erschießung Bin Ladens offenkundig um eine gezielte Tötung handele, von der Kanzlerin wissen, ob auch deutsche Sicherheitskräfte in der Lage sein sollten, „auf diese Weise gegen Terrorhäupter vorzugehen“.

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Über den dann folgenden Merkelschen Satz wird seit Tagen heftig diskutiert: „Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“ Unmöglich, hallt es der Kanzlerin aus den Kirchen entgegen. „Als Christin kann ich nur sagen, dass es kein Grund zum Feiern ist, wenn jemand gezielt getötet wird“, kritisiert etwa Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt von den Grünen, die auch Präses der Synode der Evangelischen Kirche ist.

Und auch aus den eigenen Reihen kommt Kritik. Der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Siegfried Kauder - Bruder von Fraktionschef Volker Kauder (beide CDU) - fährt schweres verbales Geschütz auf: „Ich hätte es so nicht formuliert. Das sind Rachegedanken, die man nicht hegen sollte. Das ist Mittelalter.“

Dabei dürfte sich die Kanzlerin, die sonst immer großen Wert auf bis zum Ende durchdachte Wortwahl legt, selbst am meisten über den außergewöhnlichen Ausrutscher ärgern. „Das war sicherlich nicht die allerglücklichste Formulierung“, geben auch ihr Wohlgesonnene in der Union zu. Von einer kleinen „Wortfindungsschwierigkeit“ wird gesprochen und eingeräumt, es hätte sicher korrektere und passendere Formulierungen gegeben. Besser wäre etwa gewesen, nach dem Tod des Terroristenführers von einer gewissen Erleichterung zu sprechen und von Genugtuung für die Opfer, heißt es.

Professor Herfried Münkler vom Institut für Sozialwissenschaften an der Berliner Humboldt-Uni bringt die Sache im ZDF auf den Punkt: „Es ist sicher eine ungeschickte Äußerung“ Merkels, sagte er dort. „Aber ich glaube nicht, dass sie in dieser Situation freisprechend sich aller Implikationen der Diskussion, die jetzt begonnen hat, bewusst gewesen ist.“

Merkel selbst sieht denn auch am Mittwoch keinen Grund dafür, öffentlich ihre Gefühlsäußerungen vom Montag zurückzunehmen. Regierungssprecher Steffen Seibert erläutert ausführlich, dass die Worte der Kanzlerin über Bin Ladens Tod im Zusammenhang gesehen werden müssten. „Das Motiv ihrer Freude war der Gedanke: Von diesem Mann wird nun keine Gefahr mehr ausgehen.“ Lediglich zu einem klitzekleinen Zugeständnis ist die Kanzlerin bereit. Ihr Satz sei ja im Fernsehen oft isoliert gesendet worden, sagt Seibert. Und da habe Merkel „Verständnis dafür, dass derjenige, der nur diesen einen Satz gehört hat (...), dass der vielleicht das Zusammenwirken der Worte Tod und Freude in einem Satz als unpassend empfunden haben mag“.

Alles in allem wird in der Union nicht damit gerechnet, dass die Aufregung lange anhält. „Die Menschen haben schon verstanden, was Merkel meinte“, heißt es in der Unionsfraktion. Bei der Fraktionssitzung am kommenden Dienstag dürften die Kanzlerinnen-Worte nur noch am Rande eine Rolle spielen, glauben sie dort. Den Abgeordneten dürften doch eher aktuelle Sachthemen auf den Nägeln brennen: die offenen Fragen beim neuen Atomkurs von Schwarz-Gelb beispielsweise, das ungeklärte Führungsdesaster der FDP - oder die Umfragewerte für die Grünen, die nach dem neuesten Forsa-Wahltrend nur noch bedrohliche drei Punkte hinter der Union liegen.

dpa

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