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Politik Merkel setzt sich in Saudi-Arabien für Stärkung von Frauen ein
Mehr Welt Politik Merkel setzt sich in Saudi-Arabien für Stärkung von Frauen ein
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20:44 26.05.2010
„Es gibt Hoffnungszeichen": Kanzerlin Angela Merkel zu Gast in der Handelskammer in Dschidda. Quelle: dpa
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Angela Merkel wirkt in Saudi-Arabien wie ein Fremdkörper. In dem Land, wo Frauen sich in der Öffentlichkeit verschleiern müssen und nicht selbst Auto fahren dürfen, ist die mächtige Politikerin aus Europa eine Attraktion. Zumindest für saudi-arabische Unternehmerinnen, mit denen Merkel in Dschidda am Roten Meer spricht - hinter verschlossenen Türen und ohne männliche Aufsicht. Sie wird gefragt, ob sie es auf ihrem Weg nach oben nicht auch schwer hatte. In ihrer Antwort macht Merkel deutlich, dass auch sie stets kämpfen musste.

Und der Kampf geht weiter: Wenn die Regierungschefin und CDU-Vorsitzende an diesem Donnerstag von ihrer Golfstaaten-Reise zurückkehrt, muss sie gleich wieder in den Ring steigen. Denn die Kritik an ihr als Kanzlerin und Parteichefin ist so laut wie selten zuvor. In der Wirtschaft wird angesichts der prekären Kassenlage in Europa und in Deutschland der Ruf nach einer neuen Reform-Agenda lauter. Die schwarz-gelbe Koalition muss den Bürgern in den kommenden Jahren massive Einschnitte im Sozialsystem nahebringen. Und es fragt sich, mit welchem Personal in der CDU dies Merkel nach dem Abgang von Roland Koch bewältigen will.

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In Saudi-Arabien freilich konzentriert sich die Kanzlerin auf Themen ihres Gastgeberlandes. Und dazu gehört neben der Wirtschaft nicht zuletzt die Debatte um die Rolle der Frau. Kaum ein Herrscherhaus hat im Jahr 2005 so kühl auf den Aufstieg einer Frau zur Kanzlerin in Deutschland reagiert wie die saudische Führung. Kaum ein Staat der Welt macht auch im Inneren den Frauen die Gleichberechtigung so schwer. In Saudi-Arabien ist die Frau dem Mann untergeordnet und darf ohne seine Zustimmung nur eingeschränkt selbstständig handeln. Autofahren zum Beispiel dürfen saudische Frauen generell nicht. Doch inzwischen gibt es hier und da eine neue Beweglichkeit und Offenheit. „Das ist ein langsamer Prozess“, sagt Merkel. „Aber es gibt Hoffnungszeichen.“

Ausdrücklich würdigte Merkel den vergleichsweise fortschrittlichen König Abdullah, der im Jahr 2009 gegen Widerstände von islamistisch-fundamentalistischen Religionswächtern eine Universität für Wissenschaft und Technologie nahe Dschidda eröffnet hat, an der erstmals Frauen und Männer gemeinsam studieren dürfen. Allerdings ist die Universität von der Öffentlichkeit weitgehend abgeschirmt.

Wacker lobte Merkel dennoch die neuen Wege der Saudis. Sie habe gesehen, „dass sich Saudi-Arabien intensiv auf die Zukunft vorbereitet“. Die neue Einrichtung sei ein Zeichen der Ambitionen Saudi-Arabiens, ein „wirklicher Wettbewerber“ in der Wissensgesellschaft zu werden.

Und dann fügte die Frau, die seit zehn Jahren in Deutschland Vorsitzende einer konservativen Volkspartei ist, eine besonders höfliche Bemerkung hinzu: „Wir wissen, dass es oft nicht einfach ist, das Verhältnis von Tradition und Moderne in Einklang zu bringen.“

Kristina Dunz

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