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Politik Mehr als 100 Tote bei Anschlagserie in Bagdad
Mehr Welt Politik Mehr als 100 Tote bei Anschlagserie in Bagdad
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13:54 08.12.2009
In Bagdad gab es am Dienstagmorgen fünf Explosionen.
In Bagdad gab es am Dienstagmorgen fünf Explosionen. Quelle: afp
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Bei einer verheerenden Anschlagserie in Bagdad sind am Dienstag mindestens 112 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 200 weitere verletzt worden. In mehreren Vierteln der irakischen Hauptstadt gingen im Abstand von wenigen Minuten fünf Autobomben hoch, wie ein Vertreter des Innenministeriums sagte. In wenigen Wochen sollen im Irak Parlamentswahlen abgehalten werden, die Regierung rechnet daher mit einer Welle der Gewalt.

Im Stadtteil Dora im Süden von Bagdad sprengte sich den Angaben zufolge ein Selbstmordattentäter vor dem Institut für Technologie mit seinem Fahrzeug in die Luft. Er riss demnach 15 Menschen mit in den Tod, darunter drei Polizisten und zwölf Studenten. Die vier anderen Attentate richteten sich gegen den Justizpalast im östlichen Stadtteil Mansur, das Arbeitsministerium in der Palästina-Straße, eine Außenstelle des Innenministeriums in El Nahda sowie den Rassafi-Markt im Viertel Tschordscha in der Innenstadt. Es waren die folgenschwersten Anschläge in Bagdad seit einem Doppelanschlag mit mehr als 150 Toten Ende Oktober.

Über dem Stadtzentrum von Bagdad hingen dichte Rauchschwaden, Polizeifahrzeuge fuhren durch die menschenleeren Straßen. Alle Straßen, die zu offiziellen Gebäuden führten, wurden gesperrt. Nach Krankenhausangaben wurden die Opfer teilweise völlig zerfetzt, unter den Getöteten waren auch zahlreiche Frauen.

Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Sie erinnerten jedoch im Ablauf an einen verheerenden Doppelanschlag in Bagdad vor gut sechs Wochen, zu dem sich der irakische Arm des Terrornetzwerks El Kaida bekannt hatte. Am 25. Oktober waren bei zwei nahezu zeitgleich verübten Bombenanschlägen auf das Justizministerium und den Sitz des Gouverneurs in Bagdad 153 Menschen getötet und mehr als 500 weitere verletzt worden. Im August waren bei einem blutigen Doppelanschlag im Regierungsviertel 95 Menschen ums Leben gekommen.

Im vergangenen Monat war die Zahl der durch Anschläge getöteten Iraker zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit der US-geführten Invasion im März 2003 gesunken. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden im November insgesamt 122 Iraker bei Anschlägen und anderen Gewalttaten getötet.

Nach monatelangen Streitereien hatte sich das Parlament in Bagdad am Sonntag auf ein neues Wahlgesetz geeinigt und damit den Weg für die zweiten Parlamentswahlen seit dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein im Jahr 2003 freigemacht. Am Dienstag wollten der irakische Präsident Dschalal Talabani und seine beiden Stellvertreter ursprünglich mit Vertretern der Wahlkommission zusammenkommen, um den Wahltermin festzulegen. Die UN-Mission im Irak hat den 27. Februar 2010 als Wahltag vorgeschlagen.

afp