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Politik Mehr Soldaten sollen Wende in Afghanistan bewirken
Mehr Welt Politik Mehr Soldaten sollen Wende in Afghanistan bewirken
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21:34 01.12.2009
Von Stefan Koch
30.000 zusätzliche Soldaten sollen nach Afghanistan geschickt werden. Quelle: AFP (Archiv)
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Präsident Barack Obama wollte nach Berichten amerikanischer Medien die Truppenaufstockung der USA am frühen Mittwochmorgen in einer Rede in der Militärakademie West Point bekannt geben. Offenbar sollen zusätzlich zu den bereits in Afghanistan stationierten 68.000 Männern und Frauen aus den USA weitere 30.000 amerikanische Soldaten den Marschbefehl erhalten. In diplomatischen Kreisen heißt es, Obama erwarte von den übrigen Nato-Verbündeten zusammen weitere 10.000 zusätzliche Soldaten. Mit Großbritanniens Premier Gordon Brown habe sich Obama bereits abgestimmt.

Im Berliner Kanzleramt wurde in der Nacht zum Mittwoch ein Anruf Obamas bei Regierungschefin Angela Merkel erwartet. Bereits am Freitag hatte US-Sicherheitsberater James Jones mit Merkels Abteilungsleiter für Außenpolitik, Christoph Heusgen, über die künftige Afghanistan-Strategie diskutiert.

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In Regierungskreisen wird erwartet, dass die Anforderungen der Nato an Berlin am Ende auf 1500 bis 2000 zusätzliche deutsche Soldaten hinauslaufen werden. Die Hälfte dieser Truppe könne in der Region Kundus zum Einsatz kommen, um dort die Lage zu stabilisieren. Zudem solle die Ausbildung afghanischer Soldaten beschleunigt werden.

Für Merkel kommen die Anforderungen Obamas in einem heiklen Moment: Am Mittwoch will sich der Verteidigungsausschuss des Bundestages als Untersuchungsausschuss konstituieren, um die Vertuschung von Berichten zum Luftschlag von Kundus zu durchleuchten. Bei dem Angriff am 4. September starben bis zu 142 Menschen.

Merkel, die am Dienstag Pakistans Premier Yusuf Raza Gilani empfing, erneuerte vor Journalisten aus dem In- und Ausland ihr Bedauern über zivile Opfer in Kundus. Die Kanzlerin fügte hinzu: „Deutschland übernimmt dafür die Verantwortung.“ Sie selbst und der neue Verteidigungsminister würden aus der Affäre ihre Konsequenzen ziehen. In der Frage der Truppenaufstockung will sie sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen, sondern erst nach einer internationalen Afghanistan-Konferenz Ende Januar in London einen Beschluss fällen. „Wir hören jetzt die Wünsche der Vereinigten Staaten“, sagte Merkel. „Wir werden uns aber in diesen Tagen nicht entscheiden.