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Politik Masken, Erbsen, Gold, Kalk: Was die Bundesregierung alles für den Notfall bunkert
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14:55 11.06.2021
Masken, Schutzausrüstung und Co.: Die Nationale Reserve Gesundheitsschutz reiht sich zu vielen weiteren Notvorräten der Bundesrepublik.
Masken, Schutzausrüstung und Co.: Die Nationale Reserve Gesundheitsschutz reiht sich zu vielen weiteren Notvorräten der Bundesrepublik. Quelle: imago images/Future Image
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Berlin

Naturkatastrophen, atomare Unfälle, Tierseuchen, Terroranschläge, Krieg – oder ein gefährliches Virus: Krisensituationen können plötzlich auftreten und den Alltag von heute auf morgen auf den Kopf stellen. Vorbereitungen sind da umso wichtiger, wie die Corona-Pandemie gezeigt hat. Deshalb baut die Bundesregierung eine Nationale Reserve Gesundheitsschutz auf, bestehend aus Masken, Schutzausrüstung, Beatmungsgeräten und Medikamenten. Insgesamt eine Milliarde Euro ist dafür in diesem Jahr vorgesehen.

Damit reiht sich die Gesundheitsreserve in eine Vielzahl von nationalen Vorräten ein, die von Erbsen bis Gold reichen. Ein Überblick über Deutschlands eiserne Reserven für Notlagen:

Nahrungsreserven: Getreide, Erbsen, Reis und Linsen

Sollten Lebensmittel knapp werden, könnte der Bund kurzfristig aushelfen. In der Bundesreserve Getreide werden Weizen, Roggen und Hafer bevorratet. 787.000 Tonnen seien dies Anfang März gewesen, teilt eine Sprecherin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit. Vorräte, mit denen im Notfall die Mehl- und Brotversorgung gewährleistet werden kann. Mit der Zivilen Notfallreserve kommen noch rund 136.000 Tonnen Reis, Erbsen und Linsen sowie 4700 Tonnen Kondensmilch dazu.

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Nach zehn Jahren werden die Bestände durch neue Ware ersetzt, die alten Vorräte „anschließend im Rahmen von Ausschreibungen wieder am Markt verkauft“, so die Sprecherin. Die Verwahrung von Getreide, Erbsen, Reis und Linsen erfolgt in mehr als 150 Lagerstandorten im gesamten Bundesgebiet. Wo? Streng geheim.

Trinkwassernotversorgung: bis zu 15 Liter am Tag pro Person

Auf Grundlage des Wassersicherstellungsgesetzes hat der Bund in der Vergangenheit etwa 5200 Trinkwasserbrunnen für den Notfall errichtet. „Etwa 25 Prozent der Bevölkerung können hiermit – überwiegend in Großstädten und Ballungsräumen – mit Nottrinkwasser leitungsunabhängig versorgt werden“, so eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums zum RND. Pro Tag soll eine Person dabei auf 15 Liter Wasser zurückgreifen können. Für den Zivil- und Katastrophenschutz stehen zudem mobile Kapazitäten für den Transport und die Aufbereitung von Trinkwasser zur Verfügung.

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Deutschland besitzt zweitgrößte Goldreserven der Welt

Deutschlands Währungsreserven, die von der Bundesbank gehalten und verwaltet werden, bestehen neben Guthaben und Forderungen in Fremdwährung (Devisenreserven) sowie Forderungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zum Großteil aus Gold. Viel Gold. Stand Silvester 2020 verfügte der Bund über 3.362.487 Kilogramm. Nach den Vereinigten Staaten besitzt Deutschland damit die größten Goldreserven der Welt. Der entsprechende Gegenwert zu jenem Zeitpunkt: 166,9 Milliarden Euro. Knapp über die Hälfte der Bestände lagern bei der Bundesbank in Frankfurt. Etwa 37 Prozent liegen in New York, die restlichen gut zwölf Prozent in London.

3.362.487 Kilogramm: Deutschland besitzt die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Quelle: imago images/Newscast

Trotz fehlender Erdöl- und Gasvorräte: Deutschland kann Monate überbrücken

Staatliche Erdöl- oder Erdgasreserven hat Deutschland nicht, wie eine Sprecherin des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie dem RND sagt. Vorräte gibt es aber trotzdem. Diese sind zwar im Eigentum von Erdöl- und Erdgasunternehmen, aber: „Im Bedarfsfall kann die Bundesregierung auf die Reserven zugreifen.“ So haben die Gasversorger derzeit etwa ein Viertel der jährlich verbrauchten Menge in Deutschland unterirdisch gespeichert.

Zudem gibt es eine strategische Ölreserve, mit der Deutschland im Notfall mindestens 90 Tage versorgt werden kann. Dem zugrunde liegt das Erdölbevorratungsgesetzes von 1978. Der dafür gegründete Erdölbevorratungsverband (EBV) stellt sicher, dass die Mineralölwirtschaft im Land Tausende Liter Benzin, Diesel­kraftstoff, Heizöl und Kerosin lagert. Die EBV-Tochterfirma Nord-West-Kavernengesellschaft kümmert sich um die Lagerung von Rohöl in unterirdischen Salzstöcken. Insgesamt werden vom EBV derzeit 24 Millionen Tonnen Erdöl und Erdölerzeugnisse bevorratet.

Chlorkalk zum Dekontaminieren, Sanitätsmaterial für Notfälle

Weiter kann Deutschland auch auf mehr als 200 Tonnen Chlorkalk zurückgreifen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hält den Bestand für Zwecke des Zivilschutzes bereit. Im Verteidigungsfall oder bei großflächigen Gefahrenlagen soll dieser zu Dekontaminations- und Desinfektionszwecken eingesetzt werden, informiert das Bundesamt auf der eigenen Homepage. Etwa zur Behandlung von Tierkadavern bei Tierseuchen.

Mit der Sanitätsmaterialbevorratung sorgt das BBK derweil auch für ausreichend Sanitätsmaterial im Verteidigungs- oder Katastrophenfall. An insgesamt 16 Standorten in fünf Bundesländern liegen entsprechende Behandlungspakete für die Versorgung von jeweils bis zu 250 Patienten aus. Neben Verbänden und Kompressen beinhalten diese auch unterschiedlich starke Schmerzmittel, Desinfektionsmittel sowie Komponenten zur chirurgischen Erstversorgung. Als Reaktion auf die Corona-Pandemie soll die Anzahl künftig auf 50 Pakete (verteilt auf das gesamte Bundesgebiet) aufgestockt werden.

Von Jens Strube/RND

Der Artikel "Masken, Erbsen, Gold, Kalk: Was die Bundesregierung alles für den Notfall bunkert" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.