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Mehr Welt Politik MRSA in bis zu 90 Prozent der Ställe
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21:49 21.05.2012
Foto: Forscher der TiHo haben in nahezu allen Schweineställen multiresistente Keime entdeckt.
Forscher der TiHo haben in nahezu allen Schweineställen multiresistente Keime entdeckt. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Für Menschen potenziell gefährliche Keime kommen in Tierställen weit häufiger vor als gedacht. Forscher der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) und der FU Berlin haben die Erreger, denen Antibiotika nichts anhaben können, in fast allen konventionellen Schweinehaltungsbetrieben gefunden. Diese „besiedeln“ 40 Prozent der Menschen, die sich dort regelmäßig aufhalten. Auch Biolandwirte sind nicht vor MRSA sicher. Ein Viertel der ökologisch wirtschaftenden Betriebe sind betroffen.

Laut TiHo-Studie ist der multiresistente Keim MRSA in 60 bis 90 Prozent der konventionellen Schweineställe zu finden. „Das ist viel mehr, als wir angenommen haben“, sagte Prof. Thomas Blaha, Leiter der TiHo-Außenstelle für Epidemiologie, gestern gegenüber dieser Zeitung. Sein Team untersuchte auch den Boden im Umkreis der Ställe. Teilweise waren die Keime noch in einer Entfernung von bis zu 500 Metern nachweisbar. Dennoch sieht Blaha keine Gesundheitsgefahren für die Menschen. „Es besteht absolut kein Grund zur Panik.“ Anders als der gefährliche „Krankenhauskeim“ verursache der vorwiegend in der Tierhaltung vorkommende MRSA-Stamm nur sehr selten schwere Wundinfektionen. Auch belastetes Fleisch sei unproblematisch. Der Erreger sterbe bei Hitze ab oder werde durch die Magensäure vernichtet.

Auch im Bundeslandwirtschaftsministerium, das die Studie gefördert hat, bleibt man gelassen. Die Ergebnisse, die  in dieser Woche bei einer Fachveranstaltung in Berlin diskutiert werden, seien im Kern nicht neu, sagte eine Sprecherin. Es bestehe kein unmittelbares Gesundheitsrisiko für Menschen. Eine Verbreitung antibiotikaresistenter Keime sei über die Stallluft jedoch möglich und müsse eingedämmt werden, hieß es. Gelangten die MRSA-Keime aus den Tierställen in Krankenhäuser, könnten sie dort zu gefährlichen Erregern mutieren und so die Probleme mit Antibiotika-Resistenzen ausweiten.

Die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) hat Landwirte in einer Hygieneverordnung für Krankenhäuser bereits im März als Risikogruppe eingestuft. Sie müssen seitdem als Patienten in Krankenhäusern auf MRSA-Keime untersucht werden, um deren Ausbreitung zu vermeiden. Experten machen die gefährlichen Krankenhauskeime für 20.000 bis 40.000 Todesfälle jährlich verantwortlich.

Die Grünen im Landtag halten die Haltung in Großbetrieben für eine der Hauptursachen der Ausbreitung von MRSA. Diese sei nur mit hohem Antibiotikaeinsatz möglich. „Massentierhaltung macht krank“, kritisierte Grünen-Agrarexperte Christian Meyer.

Margit Kautenburger und Gabriele Schulte

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