Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Linken-Chef: „Bus- und Bahnfahren muss der Normalfall werden“
Mehr Welt Politik Linken-Chef: „Bus- und Bahnfahren muss der Normalfall werden“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:51 08.09.2019
Bernd Riexinger, Vorsitzender der Linken, begrüßt die Idee eines 365-Euro-Ticktes für den öffentlichen Nahverkehr grundsätzlich. Quelle: imago images / Metodi Popow
Berlin

Wie billig sollte der öffentliche Nahverkehr in Deutschland sein? Noch im September will die Bundesregierung ihr neues Klimakonzept vorstellen. Das sogenannte 365-Euro-Ticket könnte Teil dieses Konzeptes sein. SPD-Politiker haben es diese Woche im Bundestag vorgeschlagen. Auch andere Parteien vertreten diese Idee.

Für 365 Euro könnten Fahrgäste dann künftig das ganze Jahr über den öffentlichen Nahverkehr nutzen – also für einen Euro pro Tag. So sollen mehr Menschen in den ÖPNV inklusive Regionalzüge gelockt werden und das Auto stehen lassen. Denn der Verkehr ist eines der größten Probleme der deutschen Klimapolitik. Während die Emissionen bei der Stromerzeugung dank der erneuerbaren Energien zurückgehen, sind sie im Verkehrsbereich laut Bundesumweltamt seit 1995 um 0,5 Prozent gestiegen.

Im Positionspapier der SPD-Klimapolitiker heißt es: „Wir wollen, dass alle Bürger flächendeckend mit Bus und Bahnen zu bezahlbaren Preisen unterwegs sein können – egal ob in der Großstadt oder auf dem Land.“ Die Kommunen und die Verkehrsbetriebe sollen bei der Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets finanziell unterstützt werden. Bisher ist ein Jahresticket fast überall in Deutschland erheblich teurer als ein Euro pro Tag. Den Verkehrsbetrieben drohen also selbst bei wachsenden Passagierzahlen womöglich finanzielle Verluste.

Nahverkehr muss massiv ausgebaut werden

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, forderte zusätzliche Mittel von 20 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren, um den ÖPNV zukunftsgerecht aufzustellen. Die kommunale Verkehrsinfrastruktur sei dramatisch unterfinanziert, es gebe einen Investitionsstau von mehr als 38 Milliarden Euro, erklärte er der „Passauer Neuen Presse“.

Bernd Riexinger, Parteichef der Linken, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Dass die SPD 365-Euro-Tickets vorschlägt und der Städtetag ein Investitionsprogramm für den Nahverkehr, ist gut, allerdings keinesfalls ausreichend. Wenn die Verkehrswende gelingen soll, muss die Entscheidung für Bus und Bahn der Normalfall werden. Der richtige Weg dahin kann mit verbilligten Tickets beginnen. Das Ziel muss aber der ticketlose Nahverkehr für alle sein. Das ist sozial gerecht, gut für die Luft in den Städten und gut fürs Klima.“

10 Milliarden statt 2 Milliarden pro Jahr

Das funktioniere aber „selbstverständlich nur, wenn wir gleichzeitig den Nahverkehr massiv ausbauen. Wir können den Leuten nicht einfach ein billiges Ticket geben, und dann gibt es vor Ort keine, keine pünktlichen oder nur überfüllte Verkehrsmittel. Wir müssen da so gut werden, dass die Menschen gerne umsteigen“, so Riexinger.

Dafür reichten die vom Städtetag geforderten 2 Milliarden jährlich bei Weitem nicht aus. „Die leisten kaum mehr, als den akuten Investitionsstau aufzulösen. Um den Nahverkehr auf das notwendige Niveau zu heben, sind derzeit jährlich rund 10 Milliarden Euro notwendig. Wir brauchen wirklich mehr Mut, wenn die Verkehrswende gelingen soll“, erklärte der Politiker.

Lesen Sie auch: Die Bahn - plötzlich smart und fancy

Von Markus Decker/RND

Zehntausende Menschen gehen wegen psychischer Störungen in Frührente. In vielen Fällen sind Depressionen der Grund. Das zeigen neue Zahlen des Bundesarbeitsministeriums.

07.09.2019

Seit Wochen brennt die Lunge der Welt. Der Ausbeutung des Amazonas soll nun ein Ende gesetzt werden. Sieben südamerikanische Staaten haben sich jetzt auf einen Pakt geeinigt. Experten sind skeptisch.

07.09.2019

Auf viele Bürger kommt wohl eine versteckte Steuererhöhung zu: Ausgerechnet diejenigen, die jenseits des Berufs ihr Wissen und Können erweitern oder auffrischen wollen, müssen nach Plänen des Bundesfinanzministers tiefer in die Tasche greifen.

07.09.2019