Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Libyen: UN-Bericht belegt Folter, Missbrauch und Gewalt
Mehr Welt Politik Libyen: UN-Bericht belegt Folter, Missbrauch und Gewalt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:02 04.10.2021
Logo der UN am UN-Generalsekretariat in New York. Experten der Vereinten Nationen haben in einem neuen Bericht das erschreckende Ausmaß an Folter, Ausbeutung und Gewalt in Libyen untersucht. (Symbolbild)
Logo der UN am UN-Generalsekretariat in New York. Experten der Vereinten Nationen haben in einem neuen Bericht das erschreckende Ausmaß an Folter, Ausbeutung und Gewalt in Libyen untersucht. (Symbolbild) Quelle: imago images/JOKER
Anzeige
Tripolis/Genf 

Experten der Vereinten Nationen haben in einem neuen Bericht das erschreckende Ausmaß an Folter, Ausbeutung und Gewalt in Libyen untersucht.

Die Verantwortlichen hätten in dem Bürgerkriegsland vermutlich auch Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen, etwa in Gefängnissen sowie gegen Migranten, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Bericht. Für den etwa 30-seitigen Bericht an den UN-Menschenrechtsrat in Genf werteten die Experten Hunderte Dokumente aus, führten 150 Interviews und suchten nach Hinweisen in Libyen, Tunesien und Italien.

Verstöße gegen humanitäres Völkerrecht

Alle Konfliktparteien, darunter auch ausländische Staaten sowie ausländische Kämpfer und Söldner, hätten gegen humanitäres Völkerrecht verstoßen, teilten die Autoren mit. Sie hätten libysche und ausländische „Einzelpersonen und Gruppen“ identifiziert, die für die Verstöße, Missbrauch und Gewalt seit 2016 verantwortlich sein könnten. Diese vertrauliche Namensliste werde aber unter Verschluss gehalten, „bis ihre Veröffentlichung oder die Weitergabe notwendig wird“, etwa bei weiteren Untersuchungen.

Das ölreiche Mittelmeerland war nach dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 in einem Bürgerkrieg versunken. Dabei rangen zahlreiche Milizen um Macht und Einfluss. Seit fast einem Jahr gilt eine Waffenruhe. Die Zustände unter anderem in Gefängnissen und Internierungslagern für Migranten, von wo immer wieder Berichte über Folter und Gewalt auftauchten, sind weiterhin aber extrem schlecht.

„Folter ist eine etabliertes Merkmal im Strafvollzugssystem“

Der UN-Bericht erwähnt beschädigte Krankenhäuser und Schulen und mögliche Kriegsverbrechen bei verschiedenen Angriffen auf Zivilisten. Die Rede ist auch von Entführungen, Inhaftierungen ohne Anklage in geheimen Gefängnissen, sexueller Gewalt und außergerichtlichen Tötungen, um Gegner zu bestrafen oder zum Schweigen zu bringen.

Mehr zum Thema

Libyen: Rund 4000 Migranten zusammengetrieben und festgenommen

Biden-Premiere bei der UN in New York: inmitten von Krisen

Deutschland genehmigte Rüstungsexporte in Milliardenhöhe für Kriegsparteien

„Folter ist eine etabliertes Merkmal im Strafvollzugssystem“, heißt es. Es mangele dort an Hygiene, Essen und medizinischer Versorgung. Insgesamt handle es sich vermutlich um einen „systematischen und verbreiteten Angriff gegen die Zivilbevölkerung“.

RND/dpa

Der Artikel "Libyen: UN-Bericht belegt Folter, Missbrauch und Gewalt" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.