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Politik Libyen: Rund 4000 Migranten zusammengetrieben und festgenommen
Mehr Welt Politik Libyen: Rund 4000 Migranten zusammengetrieben und festgenommen
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20:18 02.10.2021
Migranten aus verschiedenen afrikanischen Ländern reagieren auf einem überfüllten Schlauchboot vor der libyschen Küste. Libysche Sicherheitskräfte haben rund 4000 Migranten festgenommen, darunter Hunderte Frauen und Kinder. (Symbolbild)
Migranten aus verschiedenen afrikanischen Ländern reagieren auf einem überfüllten Schlauchboot vor der libyschen Küste. Libysche Sicherheitskräfte haben rund 4000 Migranten festgenommen, darunter Hunderte Frauen und Kinder. (Symbolbild) Quelle: Pablo Tosco/AP/dpa
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Kairo

Libysche Sicherheitskräfte haben rund 4000 Migranten festgenommen, darunter Hunderte Frauen und Kinder.

Die Menschen seien in der Stadt Gargaresch im Westen des Landes zusammengetrieben und in Haftlager in der Hauptstadt Tripolis und Umgebung gebracht worden, teilten Behörden am Samstag mit. Der Sondergesandte des UN-Flüchtlingskommissariats für die zentrale Mittelmeerregion, Vincent Cochetel, sagte der Nachrichtenagentur AP, ersten Berichten zufolge habe es bei der Aktion einen Toten und 15 Verletzte gegeben.

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Exzessive Gewalt der Sicherheitskräfte

In einigen Fällen hätten Sicherheitskräfte exzessive Gewalt angewendet, um Menschen aus ihren Wohnungen zu treiben. „Wir sollten nicht überrascht sein, wenn Menschen verängstigt sind und versuchen werden, über den Seeweg (Libyen) zu gehen.“

Ein Mitarbeiter der libyschen Menschenrechtsgruppe Belaadi, Tarik Lamlum, sagte, es habe Menschenrechtsverstöße gegeben, insbesondere in der Art und Weise, wie Frauen und Kinder festgenommen worden seien. Viele Betroffene seien von UNHCR als Asylbewerber oder Flüchtlinge registriert gewesen.

Libysche Behördenvertreter sprachen von einer gezielten Aktion gegen illegale Migration und Drogenhandel. Ob dabei auch Menschen- oder Rauschgiftschmuggler verhaftet wurden, ließen sie jedoch offen. Zunächst hatte es geheißen, am Freitag seien rund 500 Migranten festgenommen worden. Am Samstag hieß es indes, deren Zahl sei auf 4000 gestiegen.

Bislang härtestes Vorgehen bei Verhaftungen

Gargaresch ist als Anlaufstelle für Migranten und Flüchtlinge bekannt und liegt rund zwölf Kilometer westlich von Tripolis. In dem Ort gab es in den vergangenen Jahren etliche gegen Migranten gerichtete Verhaftungswellen, doch beschrieben Aktivisten die jüngste als das bislang härteste Vorgehen.

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Das libysche Innenministerium postete am Freitag Bilder in sozialen Medien, die offenbar einige der Festgenommenen zeigten. Sie saßen mit hinter dem Rücken gefesselten Händen in Gruppen auf einer Straße. Auf einem Foto aus der Vogelperspektive waren Männer zu sehen, die mit den Gesichtern nach unten auf einer Kreuzung auf dem Boden lagen. Militärfahrzeuge und Wachmänner umzingelten sie.

Zunächst seien die Migranten in einer Einrichtung in Tripolis zusammengeschart worden, die als Sammel- und Rückführungszentrum bezeichnet werden, sagte der Leiter des Zentrums, der Polizist Nuri al-Grettli. Dann seien sie in Haftanstalten in Tripolis und umliegenden Städten verteilt worden.

„Folter, sexuelle Gewalt und Erpressung ist in libyschen Haftzentren weit verbreitet“

Laut Menschenrechtsaktivisten kommt es in diesen Gefängnissen zu massiven Übergriffen und Missbrauch. Dax Roque, Libyen-Direktor des norwegischen Flüchtlingsrats, äußerte die Sorge, dass ein solches Martyrium den nun festgenommenen Migranten drohe. „Folter, sexuelle Gewalt und Erpressung ist in libyschen Haftzentren weit verbreitet“, sagte er.

Ein libyscher Regierungsvertreter sagte, die Behörden würden „so viele Migranten wie möglich“ in ihre Heimatländer abschieben. Viele hätten seit Jahren illegal in Libyen gelebt. Aktivist Lamlum sagte, viele der verhafteten Migranten seien beim UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) als Flüchtlinge oder Asylsuchende registriert. Das UNHCR äußerte sich zunächst nicht.

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Libyen gilt seit Jahren als Transitland für Migranten aus Ländern in Afrika und dem Nahen Osten, die vor Krieg und Armut in ihrer Heimat geflohen sind und auf ein besseres Leben in Europa hoffen. Das Land glitt infolge eines von der Nato gestützten Aufstands, an dessen Ende der langjährige Autokrat Muammar al-Gaddafi 2011 gestürzt und getötet wurde, in einen Bürgerkrieg und ins Chaos ab.

RND/AP

Der Artikel "Libyen: Rund 4000 Migranten zusammengetrieben und festgenommen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.