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Politik Letzte IS-Bastion zerstört – Sinkt nun die Terrorgefahr im Westen?
Mehr Welt Politik Letzte IS-Bastion zerstört – Sinkt nun die Terrorgefahr im Westen?
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13:02 25.03.2019
Kinder und Jugendliche beobachten einen Konvoi der US-Armee auf der Straße nach Al-Rakka. Nach monatelangen Kämpfen haben Truppen unter kurdischer Führung die letzte Bastion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien eingenommen. Quelle: dpa/Hussein Malla
Damaksus

Mit dem Fall der letzten syrischen IS-Bastion ist das selbst ernannte Kalifat der Extremisten zerstört. Trotzdem warnen viele Stimmen, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sei noch nicht besiegt.

Die Hoffnung, dass durch dem Sieg in Syrien auch die Terrorgefahr im Westen sinkt, ist allerdings vielerorts groß. Aber was sagen die Fakten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Sinkt mit der Niederlage des IS die Terrorgefahr im Westen?

Der Zerfall des selbst ernannten Kalifats schwächt die Extremisten. Sie haben die sicheren Rückzugsgebiete verloren, von denen aus sie ungestört Terrorakte planen konnten. Auch wichtige Finanzquellen sind ihnen abhanden gekommen. So kontrollierten sie in Syrien Ölquellen oder konnten ihn ihrem Herrschaftsgebiet Steuern erheben.

Allerdings lebt die Propaganda des IS fort, die dessen Anhänger weiterhin über die sozialen Medien verbreiten. Schon seit geraumer Zeit setzen die Extremisten auf Einzeltäter, die sich im Internet selbst radikalisieren und dann zur Tat schreiten. Solange die Idee des IS nicht verschwunden ist, muss der Westen mit Terror rechnen. Zudem ist der IS mittlerweile auch in vielen anderen Regionen aktiv: in Ägypten, in Afghanistan, in Nigeria oder Ost-Afrika.

Warum besteht die Gefahr, dass der IS wiedererstarkt?

Auch wenn die Extremisten ihr Herrschaftsgebiet verloren haben, bleiben sie weiter aktiv. Hunderte, wenn nicht gar Tausende IS-Kämpfer sind in den unübersichtlichen Wüstengebieten Syriens und des Iraks untergetaucht. An vielen Orten haben sich Schläferzellen gebildet, die aus dem Hinterhalt Angriffe verüben.

Groß werden konnten die Dschihadisten, weil instabile politische Verhältnisse dafür ideale Voraussetzungen boten. Im Irak fanden sie Sympathien unter den Sunniten, die sich von der Mehrheit der Schiiten unterdrückt fühlen. In Syrien schuf der Bürgerkrieg Machtvakuen, die der IS nutzte. Sowohl im Irak also auch in Syrien bleibt die Lage bis heute so labil, dass Extremismus weiter einen Nährboden findet.

Iraks Sunniten etwa klagen darüber, dass der Wiederaufbau ihrer stark zerstörten Gebiete unter anderem wegen der grassierenden Korruption kaum vorankommt. In Syrien zeichnet sich keine politische Lösung ab, die das Land versöhnen und die vielen Gegner der Regierung von Baschar al-Assad einbinden könnte. Syriens Opposition ist überzeugt, dass der Terror nur besiegt werden kann, wenn der Machthaber abtritt.

Zudem wächst eine Generation von Kindern heran, die über Jahre vom IS mit seiner Gewalt-Ideologie indoktriniert wurden und kaum Schulbildung erhielten. Werden sie ihrem Schicksal überlassen, könnten aus ihnen die Terroristen von morgen werden.

Lesen Sie auch: Der Dokumentarfilmer Talal Derki hat viele Monate lang bei einer Dschihadisten-Familie in Syrien gelebt – und berichtet nun von den „Kindern des Kalifats“.

Wo ist IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi?

Darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, dafür aber viele Gerüchte. Seit seinem Auftritt in einer irakischen Moschee im Juli 2014 ist der 47-Jährige wie vom Erdboden verschwunden. Seine letzte Audiobotschaft verbreiteten IS-Anhänger im August 2018. Medien zufolge soll der Iraker sich bis vor einiger Zeit in der letzten syrischen IS-Bastion Baghus aufgehalten haben, vor dem Beginn der Angriffe aber geflohen sein. Mal heißt es, er halte sich im Irak auf, mal ist die Rede von einer Flucht innerhalb Syriens.

Mit dem von den USA ausgesetzten Kopfgeld von 25 Millionen Dollar bleibt Al-Bagdadi einer der meist gesuchten Terroristen. Mehrfach wurde gemeldet, er sei bei Angriffen verletzt oder getötet worden, ohne dass es dafür aber Belege gibt. Berichte erwähnen auch immer wieder, Al-Bagdadi habe sich mit wenigen Vertrauten aus Angst vor Verfolgung abgeschottet und leide unter Diabetes.

Was passiert mit den Tausenden gefangenen IS-Anhängern?

Das ist nach dem Sieg über den IS eine der Kernfragen. In den Lagern der syrischen Kurden sitzen Tausende Dschihadisten, darunter auch Ausländer. Deutschland und andere Länder zeigen wenig Neigung, diese zurückzuholen. Ein Grund: Es ist unklar, ob die Dschihadisten in der Heimat vor Gericht gestellt und verurteilt werden können. Sicherheitsfachleute sehen in ihnen eine potenzielle Terrorgefahr.

Die Kurden selbst warnen, sie seien mit der großen Zahl an IS-Anhängern überfordert, weil ihnen die Mittel fehlen. Die staatlichen Strukturen im Norden und Osten Syriens, wo die Kurden eine Selbstverwaltung errichtet haben, sind schwach ausgeprägt. Die Kurden haben vorgeschlagen, in Syrien ein UN-Sondergericht einzurichten - doch solche Tribunale sind in der jetzigen Lage unrealistisch.

Was ist über die gefangenen deutschen Dschihadisten bekannt?

Sehr wenig. Nach Informationen des „Spiegels“ halten die syrischen Kurden 59 Extremisten mit deutschen Pässen fest. Hinzu kämen knapp 60 deutsche Kinder, die meist zusammen mit ihren Müttern festgehalten würden, schreibt das Blatt. Gegen 20 Deutsche liegen demnach Haftbefehle des Bundesgerichtshofes oder der Länderjustiz vor.

Nur wenige von ihnen tauchten in der Öffentlichkeit auf. Die kurdische YPG-Miliz verbreitete ein Bild des festgenommenen Deutschen Martin L. aus Sachsen-Anhalt, der 2014 nach Syrien ausgereist war. Dem ZDF-Magazin Frontal 21 sagte er, er habe für den Geheimdienst des IS gearbeitet, sei aber nicht an Kämpfen beteiligt gewesen. Eine seiner Ehefrauen, eine 19-Jährige Deutsche, sagte dem Kanal Kurdistan 24, sie sei naiv gewesen, als sie sich dem IS angeschlossen habe.

Syriens Kurden haben den IS besiegt: Wie sieht ihre Zukunft aus?

Äußert unsicher. Die kurdische YPG-Miliz kontrolliert ein großes Gebiet im Norden und Osten des Landes. Sie ist in Syrien wichtigster Verbündeter der internationalen Anti-IS-Koalition. Doch US-Präsident Obama will die US-Truppen so schnell wie möglich abziehen. Das könnte den Weg für die Türkei freimachen, die den Kurden mit einer Offensive droht. Ankara sieht in der YPG den syrischen Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie. Im Raum steht eine „Sicherheitszone“ zwischen der Türkei und Syrien, die Trump in einem Tweet erwähnt hatte, die aber nicht weiter konkretisiert wurde.

Steigt die Chance auf ein Ende des syrischen Bürgerkriegs?

Danach sieht es nicht aus. Vor allem Syriens Regierung lehnt Verhandlungen über eine Lösung für den seit mehr als fünf Jahren dauernden Konflikt ab, da sie sich dank der militärischen Hilfe aus Russland und dem Iran in einer starken Position wähnt. Den Kurden droht sie mit Gewalt, sollten diese ihr Gebiet nicht aufgeben.

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Von RND/dpa/Jan Kuhlmann

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