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Politik Leben erhalten – aber nicht um jeden Preis
Mehr Welt Politik Leben erhalten – aber nicht um jeden Preis
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06:24 05.07.2019
Szene aus einer Intensivstation in Freiburg. Quelle: Patrick Seeger/dpa
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Berlin

Immer dann, wenn es um das Thema Sterbehilfe geht, fahren die obersten Ärztefunktionäre schweres Geschütz auf. Es sei nicht die Aufgabe von Medizinern, Menschen beim Sterben zu unterstützen, heißt es dann. Der frühere Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sprach sogar von Euthanasie - wohl wissend, welche Emotionen damit geweckt werden sollen.

Viele Ärzte in Deutschland gehen mit diesem Thema glücklicherweise ganz anders um. Sie kennen ihre Patienten, sie kennen unmenschlichen Leidensdruck. Sie wissen, dass es manchmal eben doch keinen Ausweg mehr gibt. In einer lange unter Verschluss gehaltenen Umfrage gaben 2009 mehr als ein Drittel der Mediziner an, sich vorstellen zu können, einem Patienten beim Suizid zu helfen. Für jeden Vierten käme sogar aktive Sterbehilfe in Frage.

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Lesen Sie hier, wie die Debatte zum Thema verläuft

Schwere Geschütz der Funktionäre

Natürlich hat die Bundesärztekammer Recht, wenn sie in Reaktion auf das Urteil des Bundesgerichtshofes argumentiert, es sei Aufgabe der Ärzte, Leben zu erhalten. Aber eben nicht um jeden Preis, muss angefügt werden. Den letzten Willen hat der Patient, nicht der Arzt. Ausdruck dessen ist die Patientenverfügung, die die ärztliche Handlungsmacht ganz entschieden einschränkt. Die Mediziner müssen die Maschinen abstellen, wenn ein Mensch nicht unter allen Umständen leben will. Noch immer gibt es Ärzte, die nicht akzeptieren wollen, dass ihnen der Patient quasi ins Handwerk pfuscht. Aber deren Zahl sinkt.

Vor diesem Hintergrund wäre es geradezu grotesk, einen Mediziner zu verurteilen, der lebensmüde Menschen gehen lässt. Der BGH hat mit seinem Urteil endlich für die nötige Klarheit gesorgt. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Bundesverfassungsgericht bei seinem anstehenden Urteil über die 2015 verschärften Sterbehilfe-Gesetze von dieser Entscheidung leiten lässt, die eines ganz klar in den Mittelpunkt stellt: Das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Menschen.

Lesen Sie hier, was das Urteil praktisch bedeutet

Von Timot Szent-Ivanyi/RND

Der Artikel "Leben erhalten – aber nicht um jeden Preis" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.