Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Landärzte sollen mehr bekommen
Mehr Welt Politik Landärzte sollen mehr bekommen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:16 28.02.2011
„Wir müssen dafür sorgen, dass es wieder mehr Ärzte gibt“, sagte Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP).
„Wir müssen dafür sorgen, dass es wieder mehr Ärzte gibt“, sagte Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Quelle: Martin Steiner (Archiv)
Anzeige

Die nächste Gesundheitsreform von Minister Philipp Rösler (FDP) könnte die Beiträge nach Ansicht von Krankenkassen erneut in die Höhe treiben. Die Koalition will mit einem Versorgungsgesetz unter anderem dem Ärztemangel in ländlichen Regionen begegnen.

„Wir müssen dafür sorgen, dass es wieder mehr Ärzte gibt“, sagte Rösler in der „Welt“ (Montag). „Heute ist es so, dass Ärzte, die mehr als eine bestimmte Zahl an Patienten behandeln, weniger Geld pro Patient bekommen.“ In Gebieten mit Ärztemangel dürfe es dies nicht mehr geben.

Der Vize-Chef des Kassenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, betonte hingegen: „Wir haben in überversorgten Gebieten 25.000 niedergelassene Ärzte zu viel und in Mangelregionen lediglich 800 niedergelassene Ärzte zu wenig.“ Er sei für Anreize für Hausärzte in dünn besiedelten Gebieten. „Doch Zuschläge in potenziellen Mangelregionen müssen mit Abschlägen in Gebieten mit zu vielen Ärzten einhergehen.“

Davon ist in den bisherigen Koalitionsplänen nicht die Rede. Dagegen sind weitere Mehrausgaben geplant. „Krankenhäuser in unterversorgten Gebieten sollen einen finanziellen Anreiz dafür bekommen, wenn sie Assistenzärzte in der Allgemeinmedizin ausbilden“, sagte Rösler. Zudem sollen Obergrenzen der Ausgaben für Zahnärzte aufgehoben werden - das kostet laut Koalitionskreisen einen dreistelligen Millionenbetrag.

Ein der dpa vorliegendes Positionspapier sieht auch mehr Förderung für Ärzte vor, die in Städten mit vielen Medizinern ihre Praxis aufgeben. Die Ärzteverteilung soll besser geplant, die Zusammenarbeit von Kliniken und Ärzten verbessert werden.

Bis zu 20.000 Ärzte werden nach Schätzungen in den kommenden Jahrzehnten ohne Reform fehlen. Über die Gesetzespläne verhandeln Union und FDP erneut im März, parallel laufen Verhandlungen des Rösler-Ressorts mit den Ländern.

Stackelberg forderte: „Es braucht insgesamt nicht mehr Geld für Ärztehonorare, sondern eine bessere Verteilung innerhalb der Ärzteschaft.“ Nach Angaben des Kassenverbands kommen die Ärzte in diesem Jahr im Schnitt auf 169.000 Euro nach Abzug der Praxiskosten, vor Steuern, inklusive Einnahmen von Privatpatienten. 2010 waren es 5000 Euro weniger. Von den gesetzlichen Kassen bekommen die Ärzte 2011 rund 33,4 Milliarden Euro - 1,3 Milliarden mehr als 2010.

AOK-Vizechef Jürgen Graalmann sagte dem „Handelsblatt“: „Wir haben darauf vertraut, dass die Union ihre Ankündigung einhalten wird, die Beitragszahler nicht für zusätzliche Honorarerhöhungen bei Ärzten, Zahnärzten und Krankenhäusern zu belasten.“

Das Rösler-Ressort wies die Kassen-Kritik zurück. „Die Warnungen der Krankenkassen sind unbegründet“, sagte ein Sprecher. „Die Koalition will die medizinische Versorgung in unterversorgten Gebieten und damit in einem überschaubaren Bereich verbessern.“ In ländlichen Regionen brauche es dringend mehr Anreize.

Der Chef des Ersatzkassenverbands von Barmer GEK, Techniker Krankenkassen, DAK und anderen, Thomas Ballast, mahnte: „Es gab noch nie so viele Ärzte wie im Moment.“ Deren Zahl sei von 1993 bis 2009 von 104 600 auf 137.400 gestiegen. Er forderte, Ärzte mit Kassenzulassung müssten auch stets Kassenpatienten behandeln. Als Negativbeispiel nannte er die Empfehlung eines Ärzteverbandes an Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Sprechstunden für Kassenpatienten zu reduzieren, um mehr fragwürdige Privatleistungen verkaufen zu können.

dpa