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Politik Kritik an Sonneborn: Nico Semsrott verlässt Die Partei
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19:47 13.01.2021
Da waren sie noch ein Team: Martin Sonneborn und Nico Semsrott im Europawahlkampf 2019.
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Berlin

Der Europaabgeordnete Nico Semsrott (34) verlässt nach eigenen Angaben die Satirepartei Die Partei. Auslöser ist ein umstrittener, inzwischen gelöschter Tweet von Parteigründer Martin Sonneborn (55). Nach dessen Äußerungen bei Twitter hatten sich mehrere Menschen über rassistische Ressentiments beim Politiker und einstigen „Titanic“-Chefredakteur beschwert. Der hatte die Kritik mit dem Verweis auf Satire abgebügelt.

Sonneborn hatte sich mit einem T-Shirt fotografiert, auf dem in „asiatisch“ falschem Deutsch stand: „AU WIEDELSEHERN, AMLERIKA! abem Sie Guter FrLug runtel! Printed in China für Die PARTEI“. Er habe damit den abgewählten US-Präsidenten Donald Trump kritisieren wollen, der Wahlkampfmaterial in China produzieren lasse und sich gleichzeitig rassistisch äußere.

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Die wollte Nico Semsrott (34), der 2019 zusammen mit Sonneborn ins EU-Parlament gewählt wurde. „Für mich geht es bei Martin Sonneborns Tweets von vergangener Woche weniger um eine Debatte über den Sinn und Zweck von Satire, sondern vielmehr um einen ignoranten Umgang mit Feedback. Wenn sich Menschen von seinen Postings rassistisch angegriffen fühlen, muss er nicht viel tun. Es reichen Mitgefühl und der Respekt vor den Betroffenen, um das eigene Verhalten zu korrigieren“, schreibt Semsrott in einem Statement auf seiner Homepage.

Semsrott bemängelt Sonneborns Umgang mit Kritik

Sonneborn habe die Kritik aber ausgeblendet und beleidigt reagiert. „Ich habe vor einem Jahr vergeblich zu dieser Thematik mit ihm diskutiert und ihn vor einigen Tagen gebeten, über sein Posting nachzudenken und sich zu entschuldigen. Er hat es nicht gemacht. Das ist also kein Versehen, er will das eindeutig so“, schreibt Semsrott weiter.

Da es nicht der erste Vorfall gewesen sei, ziehe er jetzt die Konsequenzen und verlasse die Partei. An seiner Arbeit im EU-Parlament ändert sich dadurch nichts. Während Sonneborn als fraktionsloser Abgeordneter im Parlament sitzt, hatte sich Semsrott der Grünen-Fraktion angeschlossen. Die Partei Die Partei ist zwar eine Satirepartei, Semsrott und Sonneborn betreiben im EU-Parlament jedoch mitunter auch ganz ernsthafte Politik.

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Sonneborn veröffentlichte am Abend eine eigene Erklärung. Er habe das Shirt als Attacke auf Trump verstanden und keineswegs rassistische Stereotype verbreiten wollen. “Wenn ein Witz aber zu rassistischer Verletzung führt, statt Reflexionsanstöße zu geben oder zumindest ein befreiendes Lachen nach sich zu ziehen, dann ist es ein misslungener Witz”, schrieb Sonneborn. “Es tut mir leid, dass Menschen durch die Reproduktion dieser Stereotype verletzt wurden.”

Für Die Partei ist Semsrotts Austritt ein schwerer Schlag. Sie ging mit großen Erwartungen ins Wahljahr 2021. Im Herbst hatte sich der frühere SPD-Abgeordnete Marco Bülow der Partei angeschlossen, damit ist sie auch im Bundestag vertreten. Bülow will das Direktmandat in Dortmund holen. Sonneborn erwägt, in Berlin-Kreuzberg direkt für den Bundestag zu kandidieren.

Von Jan Sternberg/RND

Der Artikel "Kritik an Sonneborn: Nico Semsrott verlässt Die Partei" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.