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Politik Kritik an Mohammed Mursi wächst
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21:46 27.11.2012
Aus Angst vor „dem neuen Pharao“ demonstrieren immer mehr Ägypter gegen ihren Präsidenten.In Kairo gab es mindestens ein Todesopfer bei den Demonstrationen. Quelle: dpa
Kairo

Es ist eine bunt zusammengewürfelte Truppe, die sich an diesem Herbsttag auf dem Tahrir-Platz in Kairo versammelt hat. Die liberale Al-Ghad-Partei – was auf Deutsch so viel wie „Morgen-Partei“ heißt – hat ein Plakat mit der Aufschrift „Nein zur Machtübernahme der Muslimbrüder“ aufgestellt. Junge Revolutionäre lassen sich von ihren Mitstreitern auf den Schultern durch die Menge tragen. Sie sind gekommen, um Präsident Mohammed Mursi die Rote Karte zu zeigen.

Am Nachmittag versammeln sich immer mehr Protestierende an dem Ort mit dem symbolträchtigen Namen „Platz der Freiheit“. Es wird so voll wie im vergangenen Jahr, als hier noch Slogans gegen Hosni Mubarak gerufen wurden, der das Land rund 30 Jahre regiert hat. Heute, nach vier Monaten unter Präsident Mursi, rufen die Demonstranten: „Nieder mit dem Verfassungsrat!“ Sie wollen verhindern, dass Mursis Islamisten, die in dem Rat die Mehrheit haben, ihren Verfassungsentwurf durchboxen, ohne auf die Bedenken der Christen, Frauenrechtlerinnen und Liberalen einzugehen.

Auch Angehörige von Chalid Said haben sich den Protesten angeschlossen. Das tragische Ende des jungen Mannes, der in Alexandria von Polizisten zu Tode geprügelt worden war, gilt als einer der Auslöser der Massenproteste, die im vergangenen Jahr zum Sturz des Potentaten Mubarak geführt hatten.

Ahmed Maher ist eines der Gründungsmitglieder der Revolutionsbewegung 6. April. Er hatte vor der Stichwahl im vergangenen Juni indirekt für den Präsidentschaftskandidaten Mursi geworben, der gegen Ahmed Schafik antrat, einen Funktionär des alten Regimes. Doch jetzt, da sich die Islamisten anschicken, die staatlichen Institutionen zu übernehmen, schwenkt er um: „Es liegt in Mursis Verantwortung, das Chaos zu beenden, indem er seine Verfassungserklärung zurücknimmt“, sagt der Aktivist.

Doch genau dagegen sperrt sich Mursi bislang – obwohl er für seine jüngsten Entscheidungen auch aus westlichen Hauptstädten viel Kritik einstecken musste. Die Muslimbrüder stehen auf dem Standpunkt: Wir haben bei der Parlamentswahl die meisten Stimmen erhalten, und unser Kandidat ist zum Präsidenten gewählt worden. Daher haben wir das Recht auf unserer Seite. Was die Ziele der Revolution sind, bestimmen wir. „Mubarak hört nicht zu, und Mursi versteht nichts“, rufen die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz. Unter ihnen sind viele, die bei der Präsidentenwahl der gleichen Logik gefolgt waren wie Ahmed Maher: „Wenn ich meine Stimme Schafik gebe, dann war die ganze Revolution umsonst.“ Heute sind sie zwar immer noch gegen Schafik, den Repräsentanten des überkommenen Regimes. Aber auch Mursi hat ihr Vertrauen verloren.

„Die Muslimbrüder haben gezeigt, dass sie nur an ihre eigenen Interessen denken und keine Kompromisse schließen wollen“, sagt der Besitzer einer kleinen alten Villa, die auf halber Strecke zwischen dem Tahrir-Platz und der US-Botschaft liegt. Er hat im vergangenen Jahr an den Anti-Mubarak-Protesten teilgenommen. Jetzt aber geht er nicht demonstrieren. Denn er ist seit Tagen damit beschäftigt, sein Haus vor der Zerstörungswut randalierender Teenager zu schützen, die sich seit Tagen immer wieder Straßenschlachten mit der Polizei liefern. „Letzte Nacht flogen bei uns Molotowcocktails gegen die Fassade“, sagt er. Ein nahe gelegenes Ladenlokal, das er vermietet, wurde aufgebrochen und geplündert.

Sorge vor gewalttätigen Ausschreitungen ist auch der Grund, den die islamistische Muslimbruderschaft, aus der auch Mursi hervorgegangen ist, für ihren Verzicht auf Gegenkundgebungen angibt. Zunächst hatten die Muslimbrüder ihre Anhänger für Dienstag zu einer Kundgebung nahe der Kairoer Universität im Viertel Giseh aufgerufen. Sie sagten die Demonstration aber wieder ab, um Gewalt zu vermeiden. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es viele Proteste gegeben, die teils in heftige Zusammenstöße zwischen Anhängern und Gegnern Mursis umschlugen.
Vielleicht steckte hinter dem defensiven Verhalten der Muslimbrüder aber auch nur die Furcht, der Wut, die ihnen jetzt entgegenschlägt, nicht standhalten zu können. Immerhin protestierten allein in Kairo letztlich mehr als 200 000 Gegner von Mursis Verfassungserklärung – und hinzu kamen auch in weiteren Städten des Landes nicht nur Kundgebungen: In der Hafenstadt Alexandria gab es Schlägereien zwischen Islamisten und Demonstranten. In Kairo gab es mindestens ein Todesopfer bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und jugendlichen Protestierenden.

von Anne-Beatrice Clasmann

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