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Politik Krise im Sudan: USA warnen vor Chaos wie in Libyen
Mehr Welt Politik Krise im Sudan: USA warnen vor Chaos wie in Libyen
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07:33 16.06.2019
Sudan, Khartum: Ein Demonstrant zeigt das Siegeszeichen, während im Hintergrund brennende Reifen und Schutt liegen. Quelle: Uncredited/AP/dpa
Khartum

Angesichts der Krise im Sudan hat ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums vor Instabilität wie im Nachbarland Libyen gewarnt. „Wir könnten mit einer Art von Chaos enden, wie es in Libyen oder Somalia existiert“, sagte Tibor Nagy, der für Afrika zuständige führende Diplomat im US-Außenministerium, am Freitag.

Weitere mögliche negative Szenrien wären, dass das „alte Regime“ des gestürzten Präsidenten Omar al-Baschir zurückkehre oder dass der militärische Übergangsrat weiter alleine regiere. Man hoffe auf eine Einigung zwischen der Militärführung und der Opposition über einen Übergangsprozess, der zu einer zivilen Regierung führe.

Mehr als 100 Tote bei Sitzblockade

Al-Baschir war im April nach drei Jahrzehnten an der Macht vom Militär gestürzt worden. Die Militärführung machte weiter keine Angaben zu seinem Verbleib. Unbestätigten Berichten zufolge soll er in ein Hochsicherheitsgefängnis in Khartum verlegt worden sein.

Seinem Sturz waren monatelange Massenproteste vorausgegangen. Seitdem ringen die Militärführung und die Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung. Die Gespräche waren jüngst zusammengebrochen und vergangene Woche Montag waren Sicherheitskräfte gewaltsam gegen eine Sitzblockade in Khartum vorgegangen. Laut eines Ärzteverbands wurden mehr als 100 Menschen getötet und 500 verletzt.

Militärrat will Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen

Die USA fordern eine „unabhängige und glaubwürdige“ Untersuchung des Vorfalls. Die Sicherheitskräfte hätten eine 180-Grad-Wende in Bezug auf Mord, Vergewaltigung, und Plünderungen gemacht, sagte US-Außenstaatssekretär Nagy. Im Sudan habe er mit Protestierenden und Opfern des harten Durchgreifens gesprochen, deren Berichte „erschütternd und sehr überzeugend“ gewesen seien.

Der Chef des regierenden Militärrats, Abdel-Fattah Burhan, habe betont, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. „Und wir hoffen selbstverständlich, dass es eine solche Untersuchung geben wird“, so Nagy. Sudans Chefermittler lehnte die Idee einer Untersuchung von außen am Samstag ab.

Mehrere Offiziere wegen mutmaßlicher „Abweichung“ festgenommen

Äthiopien und die Afrikanische Union (AU) agieren nun als Vermittler zwischen Militär und Opposition. Die Militärführung verteidigte den Vorfall als Räumungsaktion eines Gebiets nahe der Sitzblockade, das als Platz für Drogenhändler bekannt war. Allerdings sagte ein Sprecher des militärischen Übergangsrats am Donnerstag, dass der Rat die Verantwortung für die Fehler übernehme, die am Montag vergangener Woche gemacht wurden. Ergebnisse einer Untersuchung der gewaltsamen Räumung der Sitzblockade würden am Samstag bekannt gegeben, sagte er.

Mehrere Offiziere seien bereits wegen mutmaßlicher „Abweichung“ vom geplanten Vorgehen festgenommen worden, sagte der Sprecher des machthabenden Militärrats, Schams Eddin Kabaschi, am Donnerstagabend.

„Es tut uns leid, was passiert ist“, sagte Kabaschi. „Wir werden keine Milde zeigen und werden jeden zur Verantwortung ziehen, unabhängig von dessen Rang, wenn bewiesen ist, dass er zu Vergehen beigetragen haben.“ Er beschrieb die Vergehen als „schmerzhaft und schockierend“, ohne genauer zu werden. Er gestand ein, dass Mitglieder des Militärrats sich in der Nacht vor der Zerschlagung des Protestlagers in der vergangenen Woche getroffen hatten und sich geeinigt hatten, die Protestierenden zu vertreiben.

Militär will Zugang zum Internet nicht wieder herstellen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte nach dem Eingeständnis eine Internationale Untersuchung. Auch das Bündnis Kräfte für die Deklaration von Freiheit und Wandel, das die Protestierenden vertritt, bestand auf dieser Forderung. Kabaschi lehnte sie ab.

Human Rights Watch rief das Militär auf, den Zugang zum Internet wieder herzustellen, der seit der Niederschlagung blockiert ist. Kabaschi schloss das aus.

Auch Promis nutzen #BlueForSudan

In Solidarität mit den Demonstranten im Sudan haben weltweit etliche Nutzer Sozialer Medien ihr Profilbild blau gefärbt. Mit dem Hashtag #BlueForSudan („Blau für Sudan“) drückten Menschen auf Twitter und in anderen Netzwerken ihr Mitgefühl für die Sudanesen aus, die gegen den ehemaligen Präsidenten Omar al-Baschir und später die Militärführung im Land demonstriert hatten und dabei getötet wurden.

Genutzt wird ein bestimmter Blauton zu Ehren des Demonstranten Mohammed Haschim Mattar. Er sei vergangene Woche Montag bei der gewaltsamen Räumung der Sitzblockade in Khartum getötet worden, einen Tag nach seinem 26. Geburtstag, sagte sein Bruder Abdullah der Deutschen Presse-Agentur. Er lebte eigentlich wegen seines Master-Studiengangs in London und sei für die Hochzeit seiner Schwester in den Sudan gereist. In den Sozialen Medien habe er oft geschrieben, „ich male den Himmel blau an“, daher habe seine Familie begonnen, nach seinem Tod #BlueForSudan zu nutzen, sagte sein Bruder.

Auch einige Prominente zeigten sich solidarisch und nutzten den Hashtag. „Steht mit Menschlichkeit, steht mit dem Sudan - zeigt eure Solidarität, in dem ihr euer Profil zur Farbe Blau ändert!“, schrieb etwa Supermodel Naomi Campbell auf Instagram.

Von RND/ak/dpa/TAP

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