Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Krawalle bei europaweiten Protesten gegen Sparpolitik
Mehr Welt Politik Krawalle bei europaweiten Protesten gegen Sparpolitik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:10 14.11.2012
Tausende Menschen in der EU protestieren am Mittwoch gegen die EU-Sparpläne. Dabei kommt es zu Ausschreitungen. Quelle: dpa
Brüssel

Bei europaweiten Protesten gegen die Sparpolitik ist es in Italien, Spanien und Portugal zu schweren Krawallen gekommen. In Rom sprachen Reporter am Mittwoch von Guerilla-ähnlichen Szenen. In Lissabon artete eine Protestkundgebung von Tausenden von Menschen am Rande eines Generalstreiks am Abend in Gewalt aus. In Spanien wurden bei Demonstrationen während eines landesweiten Generalstreiks nach Angaben der Behörden 74 Menschen verletzt, darunter 18 Polizeibeamte. Etwa 120 Streikende wurden nach Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften festgenommen.

Millionen Beschäftigte legten in mehreren Euro-Krisenländern die Arbeit nieder. In Spanien und Portugal brachten 24-stündige Generalstreiks ganze Wirtschaftsbereiche zum Erliegen. Von den Aktionen waren auch der internationale Flug- und Bahnverkehr betroffen. Ein Verkehrschaos blieb jedoch weitgehend aus.

Am Abend protestierten Hunderttausende Spanier und Portugiesen auf Massendemonstrationen gegen die Sparpolitik ihrer Regierungen. In Spanien bezifferte das Innenministerium die Zahl der Demonstranten auf 800 000. Die Gewerkschaften sprachen allein in Madrid und Barcelona von zwei Millionen. In beiden Städten kam es im Anschluss an die Kundgebungen zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Beamten gingen mit Tränengas, Gummigeschossen und Schlagstöcken gegen Randalierer vor.

In Lissabon wurden Polizisten in der Nähe des Parlaments mit Steinen, Flaschen, Böllern und Farbbeuteln beworfen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Lusa feuerten die Beamten Schüsse in die Luft ab, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Auf den Stufen des Parlaments wurden nach Medienberichten Verletzte behandelt. In Rom warfen Schüler und Studenten Steine, Flaschen und Sprengsätze auf die Polizei, die Sicherheitskräfte rückten mit gepanzerten Fahrzeugen vor. In Turin wurden drei Polizisten bei Krawallen verletzt, einer von ihnen schwer.

In Spanien brachte der Generalstreik die Produktion in den Autowerken von Konzernen wie Volkswagen, Seat, Opel oder Nissan weitgehend zum Erliegen. Die Gewerkschaften bezifferten die Beteiligung am Generalstreik auf über 70 Prozent der Beschäftigten. Bei den Bahnen, U-Bahnen und Bussen war ein Mindestbetrieb vereinbart worden. In Portugal waren vor allem der Verkehrsbereich und der öffentliche Dienst betroffen. In Lissabon fuhr die U-Bahn nicht, im ganzen Land blieben Züge und Busse stehen. Auch die Post, Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen wurden bestreikt.

In Griechenland legten Zehntausende Beschäftigte, hauptsächlich Staatsbedienstete, für drei Stunden die Arbeit nieder. Tausende demonstrierten im Zentrum Athens. „Der Sparpakt schadet ernsthaft der Gesundheit“, stand auf Transparenten. Auch in Paris protestierten mehrere Tausend Menschen unter dem Motto „Für Beschäftigung und Solidarität - gegen Sparmaßnahmen“. Rund 250 Demonstranten versammelten sich am Brandenburger Tor in Berlin.

Der Europäische Gewerkschaftsbund hatte den Mittwoch zum „Solidaritätstag“ erklärt. DGB-Chef Michael Sommer forderte einen Kurswechsel im Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Vor allem die Reichen müssten mehr beteiligt werden, um den wirtschaftlichen Wiederaufbau voranzubringen, sagte Sommer dem RBB-Inforadio.

Auch der Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbands IIF, Charles Dallara, kritisierte die strengen Sparmaßnahmen für Griechenland und Europa. Es müsse ein besseres Gleichgewicht zwischen Wachstum und Sparpolitik zur Überwindung der Finanzkrise gefunden werden, sagte Dallara in Athen. Endloses Sparen führe zu wenig oder keinem Wachstum.

Durch die Streiks kam es zu erheblichen Behinderungen und Ausfällen im Bahn- und Flugverkehr. Dutzende Verbindungen von und nach Deutschland wurden gestrichen. In Spanien und Portugal sagten die Fluggesellschaften Hunderte Flüge ab. Auch in Großbritannien, den Niederlanden und anderen Ländern kam es zu Ausfällen.

In Belgien legte ein 24-stündiger Streik der Bahnmitarbeiter den Zugverkehr weitgehend lahm. Die Deutsche Bahn setzte auf der ICE-Verbindung von Aachen nach Lüttich Ersatzbusse ein. Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys zwischen Deutschland und Belgien verkehrte nicht.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

dpa

Mehr zum Thema

Nächste Runde im Kampf gegen die Euro-Krise: Staats- und Regierungschefs der EU wollen am Donnerstag in Brüssel über die Schuldenkrise beraten. Mit einer Entscheidung zur Aufstockung der europäischen Rettungsschirme ist nicht zu rechnen.

01.03.2012

Das krisengeschüttelte Portugal erhält eine weitere Hilfszahlung in Höhe von 4,3 Milliarden Euro. Die Finanzminister der Eurozone gaben die Tranche aus dem Paket von insgesamt 78 Milliarden Euro am Montag in Luxemburg frei, wie Diplomaten berichteten.

08.10.2012

Das zweite Griechenland-Hilfspaket braucht mehr Zeit als ursprünglich angenommen. Daher wird auch das für Mittwoch geplante Ministertreffen nicht stattfinden.

14.02.2012
Politik Schnelles Handeln gefordert - Barack Obama warnt vor neuer Rezession

US-Präsident Obama konzentriert sich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit ganz auf die Wirtschaft. Ihm bleiben nur wenige Wochen, um ein ökonomisches Erdbeben in seinem Land zu verhindern. Dabei ist er auf die Republikaner angewiesen.

14.11.2012

Der Streit über die Studiengebühren spaltet Schwarz-Gelb in Bayern. Sollte das Volksbegehren gegen die Gebühren Erfolg haben, will die CSU im Landtag sich dem anschließen - und notfalls gegen die FDP stimmen. Das will sich der Koalitionspartner nicht gefallen lassen.

14.11.2012
Politik Weitere Luftangriffe und Raketen - Israel tötet Hamas-Kommandeur

Tagelang haben militante Palästinenser Israel mit Raketen beschossen. Jetzt macht Israel seine Warnungen wahr und schlägt massiv zurück. Der Militärchef der Hamas, Ahmed al-Dschabar,  wurde getötet.

14.11.2012