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08:26 12.01.2012
Von Klaus von der Brelie
US-Flugzeugträger in der Straße von Hormus.
US-Flugzeugträger in der Straße von Hormus. Quelle: Archiv
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Washington/Hannover

Die iranische Marine stach zu einer beeindruckenden Übung in See, sie jagte ein paar Raketen in die Luft und ließ sie von markigen Propagandasprüchen aus Teheran begleiten – und das alles soll eine klare Botschaft vermitteln. „Der Iran ist in der Lage, die Straße von Hormus abzuriegeln und damit den gesamten Ölexport aus den Golfstaaten zu unterbinden“, teilte das Regime in Teheran mit.

Das Säbelrasseln zur Jahreswende erfährt demnächst eine zweite Auflage. Auch die iranischen Revolutionsgarden schicken ihre Seestreitkräfte ins Manöver. Dabei soll wohl auch der Krieg gegen einen deutlich überlegenen Gegner geübt werden. Wie der Iran dabei vorgehen will, ist längst klar. Mehr als 300 kleine Boote, jedes nur mit drei bis vier Mann besetzt, werden ausschwärmen und einen asymmetrischen Seekrieg starten. Wie Partisanen in einem Guerillakampf werden die Besatzungen versuchen, die Gegner des Irans zu bekämpfen – mit Raketen, die wie Panzerfäuste von der Schulter aus abgefeuert werden, aber auch mit Minen aller Art. Der Vorteil der Iraner in diesem Kampf ist längst erkannt, die „Speedboote“, meist hoch motorisierte Schlauchboote, sind auf herkömmlichen Radarschirmen kaum zu identifizieren. Wenn sie zu sehen sind, sind sie kaum noch zu stoppen.

Zur „Show of force“ der iranischen Marine und der Revolutionsgarden gehört auch der Einsatz von Minenlegern, Landungsschiffen und U-Booten. Der Weg für die Schiffe durch das Nadelöhr von Hormus ist nur wenige Kilometer breit. Mit Torpedos und Minen lässt sich hier mit geringem Aufwand eine verheerende Wirkung erzielen. Insbesondere die sogenannten Treibminen, die mit der Strömung zu ihrem Ziel gelangen, gelten als extrem gefährlich. Die Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin vermutet, dass der Iran in der Lage ist, hochmoderne Minen zu verlegen und sie bei Bedarf per Funk zu aktivieren oder zu deaktivieren. Die iranischen U-Boote werden dagegen als veraltet und ziemlich harmlos eingestuft. Sie könnten schnell entdeckt werden, weil die Wassertiefe in der Meerenge nur 80 Meter beträgt. „Wer da mit U-Booten angreift, riskiert sehr viel“, sagt der Schweizer Militärexperte Albert Stahel aus Zürich.

Unklar ist, mit wie viel Kurz- und Mittelstreckenraketen der Iran Ziele auf See bekämpfen könnte. Viele dieser „Silkworm“-Seezielflugkörper sind zwar schon in den fünfziger Jahren von den Sowjets entwickelt worden, doch für zivile Schiffe, zum Beispiel Öltanker, sind sie nach wie vor brandgefährlich. Dies erlebten die Briten im Falklandkrieg, als die Argentinier „Exocet“-Raketen einsetzten, die den iranischen „Seidenwürmern“ ziemlich ähnlich sind.

Was auch immer die Iraner unternehmen, sie werden jederzeit überwacht. Auch über dem iranischen Festland sind Aufklärungsdrohnen und Spionageflugzeuge unterwegs. Insbesondere die USA, aber auch die Israelis möchten wissen, wie und womit das iranische Militär aufgerüstet wird. Dabei hat sich gezeigt, dass die weltweiten Sanktionen gegen das Regime in Teheran Wirkung zeigen: Viele Waffensysteme konnten nicht modernisiert werden und sind deshalb nicht einsetzbar.

Auf der Gegenseite trägt die fünfte Flotte der US-Marine die Hauptlast der Iran-Überwachung. Sie ist in Bahrain stationiert und den insgesamt 38.000 iranischen Marinesoldaten weit überlegen. Herzstück der fünften Flotte ist der nuklear betriebene Flugzeugträger „USS John C. Stennis“. 3200 Soldaten gehören zur Besatzung des 317 Meter langen Kriegschiffes, auf dem bis zu 85 Kampfflugzeuge Platz haben.

Um dem Iran zu zeigen, welche Kampfkraft ihm gegenübersteht, ließ das Pentagon den Flugzeugträger und viele seiner Begleitschiffe während des jüngsten Manövers durch die Straße von Hormus fahren. Teheran reagierte ziemlich kleinlaut.

Die Iraner werden auch nicht übersehen haben, dass die Briten soeben der US-Marine ihren modernsten Zerstörer „HMS Daring“ an die Seite gestellt haben und die USA ihre Verbündeten in der Region massiv aufrüsten: Die Vereinigten Arabischen Emirate bekommen fast 100 Abfangraketen und Radaranlagen, Saudi-Arabien erhält 84 neue F-15-Kampfjets und Hilfe bei der Aufrüstung von 70 anderen Luftwaffenflugzeugen, Kuwait wird bei der Modernisierung seiner Flugabwehr unterstützt – und selbst der Irak kauft High-tech-Produkte aus US-Waffenschmieden.

Der Grund für das gigantische Engagement wird in Washington nicht verschwiegen. „Wir senden eine klare Botschaft“, sagt Außenstaatssekretär Andrew Shapiro, „die USA fühlen sich der Stabilität am Golf und im weiteren Nahen Osten besonders verpflichtet.“ Unausgesprochen gab er damit zu verstehen, dass die USA den Iran als eine Bedrohung ansehen und Israel in keinem Fall im Stich lassen werden.

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