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Politik Kommt der Abschied von der katholischen Volkskirche?
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14:53 15.02.2013
Bei vielen Katholiken ist Resignation das dominierende Gefühl. Quelle: dpa
Berlin

Es war wie im Film: Weißer Rauch steigt empor, ein roter Vorhang geht auf, ein Kardinal kommt heraus. „Habemus Papam“ - lange Pause - „Josephum Ratzinger.“ Wir sind Papst. Kurzzeitig verfällt Deutschland ins Benedetto-Fieber. Verfolgt die ersten Schritte des Herrn Professors in seinen neuen roten Schuhen, lächelt über die ungelenken Bewegungen, das zaghafte Winken. „Der neue Ratzinger“, titelt „Die Zeit“. Und ja, das kann unmöglich der strenge Präfekt jener berüchtigten Behörde zum Schutz vor Irrlehren und Abweichlern sein, als den man ihn jahrzehntelang abgespeichert hatte.

Acht Jahre ist das her. Mittlerweile ist Benedikt XVI. dabei, sich wieder in Joseph Ratzinger zurückzuverwandeln. Der Film läuft sozusagen rückwärts. Das ist zwar auch wieder ein großes Medienthema. Aber unter den deutschen Katholiken herrscht Ernüchterung.

Nicht Wut, sondern Resignation ist das dominierende Gefühl. Das belegt eine im vergangenen Monat veröffentlichte Milieu-Studie des Sinus-Instituts. Die katholische Kirche hat demnach immer weniger Relevanz. Was Hans-Georg Hunstig vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken besonders beunruhigt: „Gerade auch unter den Treuesten hat die Glaubwürdigkeit gelitten.“ Selbst sie lassen sich von Rom nicht mehr unbedingt vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.

Der Entertainer Harald Schmidt - studierter Kirchenmusiker und praktizierender Katholik - hat es einmal so zugespitzt: „Sie ist 14, der Freund übernachtet in der elterlichen Wohnung, die Mutter teilt die Pille ein, der Vater erklärt die Kondome, und dann bekreuzigen die sich, wenn sie an einer Kirche vorbeigehen.“

Monika Kamps ist eine Katholikin wie viele Tausende andere. Das Sozialleben der 68-Jährigen ist eng mit ihrer Heimatgemeinde im westlichen Ruhrgebiet verknüpft. Dort hat sie geheiratet, dort hat sie ihre Kinder taufen lassen, dort war sie 27 Jahre Pfarrsekretärin. Monika Kamps geht jeden Sonntag in die Kirche. Aber der Papst? „Der war mir zu abgehoben, zu basisfremd. Was die Gemeindemitglieder wirklich beschäftigt, wie die heutzutage leben, davon hat der ja nicht die geringste Ahnung. Und das interessiert ihn wohl auch nicht richtig.“

Was sie sehr geärgert hat, ist die Zusammenlegung ihrer Heimatgemeinde mit mehreren Nachbarpfarreien. Im Grunde ganz logisch, würde man als Außenstehender sagen: Es gibt weniger Gläubige, weniger Priester, weniger Geld - da müssen eben Pfarreien zusammengehen. Doch engagierte Gemeindemitglieder sehen das häufig ganz anders. Für sie bedrohen die neuen Strukturen genau das, was sie am meisten an die Kirche bindet: die Gemeinde als lokales Beziehungsnetz.

Dazu kommt der massive Statusverlust, den die Kirche durch den Missbrauchsskandal erlitten hat. Als engagierter Katholik werde er immer wieder gefragt, wie lange er diesen Laden eigentlich noch unterstützen wolle, berichtet der Religionssoziologe Michael Ebertz der Nachrichtenagentur dpa. Solche Fragen könnten durchaus mit einer gewissen Häme einhergehen.

Noch ist die katholische Kirche die größte Religionsgemeinschaft in Deutschland. Ein knappes Drittel der Bürger bekennt sich zum katholischen Glauben. Aber diese Zahl sinkt kontinuierlich. Vor zwanzig Jahren lebten noch 28 Millionen Katholiken in Deutschland, heute sind es noch 24 Millionen.

Wie die Sinus-Studie bestätigt hat, ist darunter mancher Ungläubige, der eher aus alter Verbundenheit dabei bleibt. So wird der Maler Gerhard Richter als „bekennender Atheist mit starkem Hang zum Katholizismus“ beschrieben, der Dichter Hans Magnus Enzensberger stuft sich als „katholischen Agnostiker“ ein. Solche „religiösen Ästheten“ schätzen das Christliche als Kultur, ohne dass sie meinen, den alten substanziellen Glauben wiederherstellen zu können.

Schon jetzt ist es an manchen innerstädtischen Grundschulen im ehemals „Heiligen Köln“ geradezu exotisch, wenn noch ein Kind zur Kommunion geht. Im mächtigen Dekagon (Zehneck) der Kölner Basilika St. Gereon - dem ehemals größten Kuppelbau nördlich der Alpen - sind im Frühjahr gerade einmal einige Bänke mit Kommunionkindern gefüllt.

Dann wiederum gibt es die hundertprozentig Überzeugten, die nicht selten mit der konservativen Priester- und Laienorganisation Opus Dei sympathisieren. Für sie ist der Katholizismus gelebte Opposition zur oberflächlichen Konsumkultur des Mainstreams. Sie betrachten sich als spirituelle Elite. Auch in der deutschen Bischofskonferenz gibt es - wie aus Kirchenkreisen verlautet - seit längerem Stimmen, die dafür plädieren, den Anspruch einer Volkskirche aufzugeben. Nur so könne sich die Kirche von innen heraus erneuern und neue Kraft gewinnen.

Steht die katholische Kirche in Deutschland also vor einem unaufhaltsamen Schrumpfprozess? Vieles spricht dafür, aber es muss nicht so kommen. Umfragen zeigen: Ein diffuses spirituelles Grundbedürfnis, eine Sehnsucht nach Sinn ist bei den meisten nach wie vor vorhanden. Um den Niedergang aufzuhalten, müsste die Kirche dieses Potenzial wenigstens teilweise anzapfen. Ansätze dazu sind hier und da erkennbar.

Ein Beispiel dafür ist Kevelaer am Niederrhein. Pappelalleen, Rheindeiche, Trauerweiden. Und mitten in dieser geradezu protestantisch schmucklosen Landschaft eine Million Marienpilger im Jahr. Das können nicht alles Wundergläubige sein, so wie Heinrich Heine sie einst in dem Gedicht „Die Wallfahrt nach Kevelaer“ verspottete. „Wir haben viele Suchende, sicherlich auch kritische Leute“, sagt der örtliche Pfarrer Rolf Lohmann. „Sie werden auch Leute treffen, die aus der Kirche ausgetreten sind und dennoch eine Kerze anzünden. Sie suchen etwas im Geistig-Spirituellen, und wir müssen unsere Gottesdienste darauf ausrichten.“

Schließlich darf die katholische Kirche „kein geschlossener Club“ sein, sondern muss auch all jenen offenstehen, „die sich zu einer Totalidentifikation nicht imstande“ fühlen. Welcher Kritiker das nun wieder gesagt hat? Joseph Ratzinger, fünf Jahre bevor er Papst Benedikt wurde.

dpa

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