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Politik Der Holocaust bleibt eine Mahnung
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15:44 01.02.2019
Saul Friedländer am Donnerstag bei seiner Rede im Deutschen Bundestag Quelle: imago/ZUMA Press
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Berlin

Wenn Menschen wie der 86-jährige Historiker Saul Friedländer im Bundestag vom Holocaust erzählen, rücken die grausamen Taten des Nationalsozialismus plötzlich in die Gegenwart. Als Kind überlebte er im französischen Exil, seine Eltern wurden in Auschwitz ermordet.

Doch die Gedenkstunde zur Befreiung des Konzentrationslagers vor 74 Jahren ist – wie viele dieser Zeit – längst keine Vergangenheitsaufarbeitung mehr. Das Gedenken des Jahres 2019 ist einer unmittelbaren und drückenden Auseinandersetzung mit der Gegenwart gewichen.

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Wir sind im doppelten Sinn Zeugen der Geschichte. Da sind auf der einen Seite bewegende Momente der Erinnerung, wie sie Saul Friedländer vermittelte. Und da ist parallel das für viele mulmige Gefühl, heute wieder in einer Zeit epochaler, politischer Veränderungen zu leben.

Es ist eine Erkenntnis, die eine Menge Verantwortung auf uns legt, die Generation der Gegenwart. Denn wenn wir in Zeiten der Veränderung, vielleicht des Umsturzes leben, dann sind wir verantwortlich für den Weg in die Zukunft. Wir müssen dann in der Öffentlichkeit und im Privaten diesen Weg gestalten. Und wenn wir uns dem verweigern, gestalten wir den Weg durch Ignoranz mit.

Die Grenze zwischen Erlaubtem und Tabu verschwimmt

Friedländer warnte vor dem erneuten Aufkommen des Nationalismus. Und tatsächlich gibt es in Deutschland und in anderen Ländern bisher keinen Umgang mit diesen Tendenzen.

Es ist bedrückend zu sehen, wie die einst scharfe Grenze zwischen dem Erlaubten und dem Tabu verschwimmt. Etliche Äußerungen einer im Bundestag vertretenen Partei relativieren die Schuld des Nationalsozialismus, stellen das Gedenken oder dessen Symbole infrage.

Die Gefahr liegt nicht in der Partei selbst, sie liegt im Umgang mit ihr, der Lust mancher daran, die Grenzen verschwimmen zu lassen. Jüngst hat der Publizist Henryk M. Broder, Sohn jüdischer Eltern, vor der AfD-Fraktion gesprochen, er hat sich von Fraktionschefin Alice Weidel umarmen und dabei fotografieren lassen. Es ist ein schreckliches, anbiederndes Bild geworden, daran ändert auch die butterweiche Entschuldigung Broders im Nachhinein nichts.

Es braucht ein Bollwerk der Anständigkeit gegen die Angreifer auf die liberale Demokratie. Und das gibt es auch. Die allergrößte Mehrheit der Deutschen hat mit derartigem Gedankengut nichts am Hut. Doch der Diskurs in den Zeiten neuer Medien hat seine eigenen Regeln. Jeder diskutiert mit beziehungsweise: jeder, der will.

Das Ergebnis ist eine Kakofonie der Meinungen, die einen orientierungslos zurücklässt. Das Bollwerk gegen die neue rechte Gefahr nimmt damit Schaden. Es ist eine Entwicklung, die wir nicht hinnehmen sollten. Wir sollten nicht resignieren, sondern uns beteiligen. Es ist Saul Friedländers Auftrag für die Gegenwart.

Von Gordon Repinski/RND

Der Artikel "Der Holocaust bleibt eine Mahnung" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.