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Politik Kolumbien will Farc-Splittergruppe bekämpfen
Mehr Welt Politik Kolumbien will Farc-Splittergruppe bekämpfen
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11:28 30.08.2019
Kolumbiens Präsident Ivan Duque. Quelle: imago images / Agencia EFE
Bogotá

In Kolumbien bahnt sich eine Konfrontation zwischen der Regierung und Hardlinern der aufgelösten Rebellengruppe Farc an. Ein Friedenstribunal ordnete die sofortige Festnahme von vier abtrünnigen Ex-Anführern der Organisation an.

Diese hatten angekündigt, drei Jahre nach dem Friedenspakt mit der Regierung in Bogotá wieder zu den Waffen zu greifen. Der konservative Präsident Iván Duque sagte ihnen den Kampf an und warf der venezolanischen Führung vor, den Rebellen Unterschlupf zu gewähren.

2016 Abkommen mit Duques-Vorgänger

Die linke Guerillaorganisation Farc hatte 2016 mit der Regierung von Duques Vorgänger Juan Manuel Santos ein Abkommen geschlossen, das einen Schlussstrich unter einen jahrzehntelangen bewaffneten Kampf mit Schätzungen zufolge 260 000 Toten und sieben Millionen Vertriebenen ziehen sollte.

Verhandlungsführer der Farc war damals der unter dem Namen Iván Márquez bekannte Luciano Marín.

In einem Donnerstag verbreiteten Video erklärte Marín indes, sich nicht länger an den Friedenspakt gebunden zu fühlen. Flankiert wurde er von rund 20 schwer bewaffneten Rebellen in Kampfmontur. Grund für die Wiederbewaffnung sei, dass Duque die Verpflichtungen aus der Vereinbarung nicht einhalte, sagte Marín.

Er warf dem Staatschef und dessen Unterstützern vor, seit dem Pakt nichts gegen Morde an Hunderten linken Aktivisten und Rebellen unternommen zu haben. Nun aber werde eine "neue Phase" im bewaffneten Konflikt in Kolumbien eingeläutet, erklärte Marín. Er kündigte eine Allianz mit der kleineren Rebellengruppe ELN an.

Neben Marín standen mehrere einstige Farc-Kommandeure, darunter der als Ideologe bekannte Seuxis Hernández, alias Jesús Santrich. Er hatte sich vom Friedensprozess abgewandt, nachdem Staatsanwälte in New York seine Verhaftung wegen Drogenvergehen anordneten.

Duque bot in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache fast eine Million Dollar (900 000 Euro) Belohnung für Maríns Festnahme. Das Land bezeuge hier nicht die Geburt einer neuen Guerillaarmee, sondern "kriminelle Drohungen einer Bande von Drogenterroristen, die den Schutz und die Unterstützung der Diktatur von Nicolás Maduro haben", sagte der Staatschef mit Blick auf Venezuelas Präsidenten.

Kriminelle Drohungen einer Bande von Drogenterroristen, die den Schutz und die Unterstützung der Diktatur von Nicolás Maduro haben.

Iván Duque; Präsident Kolumbiens

Maduro hatte im Juli gesagt, die flüchtigen Rebellenführer seien in Venezuela willkommen.

Eine harte Gangart ordnete am Abend auch das Friedenstribunal an, das zu Kriegsverbrechen der Farc ermittelt. Die abtrünnigen Rebellen hätten jegliche im Friedenspakt garantierten Vorteile verloren.

Nach dem Abkommen konnten Aufständische, die Kriegsverbrechen wie Entführungen von Zivilisten oder Rekrutierung von Kindersoldaten einräumten, mit Haftverschonung und Schutz vor einer Auslieferung an die USA rechnen. Amerikanische Behörden wollen die Farc-Führung wegen Kokainhandels zur Rechenschaft ziehen.

Unklar ist, ob und wie Maríns Kampfansage die Sicherheitsbalance in Kolumbien beeinträchtigen wird. Mehr als 90 Prozent der 13 600 Ex-Kämpfer und zivilen Unterstützer der Farc hatten 2016 ihre Waffen an UN-Beobachter abgegeben. Sie halten ihre Verpflichtungen nach dem Friedenspakt weiterhin ein.

Der ehemalige Präsident Santos, der als Architekt des Abkommens mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde, forderte ein konsequentes Vorgehen gegen die Abtrünnigen. "Der Kampf für Frieden darf nicht aufhören!", twitterte er.

RND/AP

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